Tag-Archiv | Love

Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 24.12.2016

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Hier kommt das große Finale zum 24.12. … es wird spannend 😉
Ich wünsche euch allen frohe Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017

Und natürlich könnt ihr alle Türchen HIER noch einmal nachlesen.
Morgen solltet ihr die große Weihnachtsüberraschung auf der Seite des BLACK DESIRE nicht verpassen

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Türchen 24

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Gähnend streckte sich Gabriel und öffnete verschlafen die Augen. Es war bereits hell und ein flüchtiger Blick aus dem Fenster zeigte ihm, dass es inzwischen heftig schneite. Immer noch berauscht von gestriger Nacht, drehte er den Kopf zur Seite. Dort wo Angel neben ihm auf der kuschligen Decken- und Kissenlandschaft geschlafen hatte, war der Platz leer.

»Angel?«, rief er und wartete auf Antwort. Doch es kam keine.

Verwirrt setzte er sich auf und musste sich aus der verhedderten Decke herauswinden.

»Angel? Wo bist du?«

Wieder keine Antwort. Nervös und mit schneller schlagendem Herz stand er auf und schlang sich die Wolldecke um die nackten Hüften. Ein Blick durch das Appartement verriet ihm, dass nichts auf Angel hindeutete. Wo konnte er sein?

»Bist du im Bad?«, rief Gabriel und lief eilig hinüber. Als er die Tür öffnete, war es darin dunkel. Von Angel weit und breit keine Spur.

Schließlich ging er zurück zum Kamin, wo sie die vergangenen Stunden gemeinsam eng umschlungen verbracht hatten. Ängstlich stellte er fest, dass auch Angels Kleidung fehlte. Wo war er? Wollte er vielleicht für sie Frühstück besorgen? Ein anderer Gedanke fiel ihm zu seinem plötzlichen Verschwinden nicht ein. Aufgeregt ging er herüber zu dem Tisch, an dem sie zu Abend gegessen hatten. Das benutzte Geschirr stand noch genauso da wie sie es zurückgelassen hatten. Die Teelichter waren längst ausgebrannt. Doch dazwischen entdeckte er einen beschriebenen Zettel.

Verunsichert griff er nach dem Stück Papier. Alles war in Großbuchstaben und in einer sehr unsicheren Handschrift geschrieben worden. Auf den ersten Blick erkannte er auch einige Rechtschreibfehler. Argwöhnisch begann er lesen …

DANKE GAB FÜR ALLES.
DU HAST MIR EINE UNERGESLICHE NACHT GESCHENKT.
HAST MIR GEZEIGT DASS ES SCHÖN SEIN KANN.
LEIDER KÖNNE WIR UNSS IN DEN NÄCHSTEN WOCHEN NICHT SEHEN. ABER ICH MÖCHTE DIR SAGEN DASS DU MEIN FREUND BIST. DU HAST MIR ETWAS GEGEBEN WAS ICH NICHT KENE UND DAFÜR DANKE ICH DIR.

Kaum hatte er die Worte gelesen, las er die Nachricht noch einmal und dann ein drittes Mal. Was sollte das bedeuten, dass sie sich in den nächsten Wochen nicht sehen könnten? Das ergab überhaupt keinen Sinn.

Panisch rannte er zu seiner Tasche und kramte das Smartphone heraus. Mit zittrigen Fingern suchte er Angels Telefonnummer und wählte. Es klingelte nur einmal und die Mailbox ging ran.

»Was tust du nur?«, fragte er in den Raum hinein und versuchte seinen Puls ein wenig zu beruhigen.

Kurz darauf wählte er Seans Nummer. Die Sekunden vergingen für ihn wie Stunden, bis er endlich Seans Stimme hörte.

»Schon so früh wach?«, kam die Frage und Gabriel konnte das schelmische Grinsen vor seinem inneren Auge sehen. Doch ihm war nicht nach scherzen zumute.

»Angel ist weg«, sagte er.

»Wie er ist weg?«

»Weg. Ich habe eine Nachricht gefunden.« Völlig aufgelöst las er ihm die Zeilen vor.

»Scheiße«, war alles was Sean ihm antwortete.

»Und nun? Er geht auch nicht ans Handy, nur die Mailbox. Ist er vielleicht im Penthouse?«

»Weiß ich nicht, denn ich bin nicht im Club sondern zu Hause«, bedeutete Sean und im Hintergrund konnte Gabriel Finns leise Stimme hören, der sich erkundigte, was los sei. Eilig gab er ihm den Inhalt des Zettels wieder und wandte sich anschließend an Gabriel. »Komm zum Club, ich bin gleich da.«

Gabriel antwortete ihm nicht mehr, sondern beendete das Gespräch sofort. Er warf die Decke von sich und klaubte im Eiltempo seine Sachen zusammen. Vor Hektik fiel er der Nase nach auch noch auf den Boden. Ein stechender Schmerz breitete sich augenblicklich in seinem rechten Arm aus.

»Verfluchte Scheiße«, schimpfte er und pfefferte gereizt die Decke, über die er gestolpert war in die nächste Ecke. Den Schmerz ignorierend schaffte er es sich anzuziehen. Dann schnappte er sich seine Jacke und die Tasche und hechtete zur Wohnungstür.

Völlig außer Atem und verschwitzt erreichte er zwanzig Minuten später das Black Desire. Seine Lunge brannte und er hatte einmal eine Verschnaufpause einlegen müssen. Er war diese körperliche Anstrengung gar nicht gewohnt und sein Zigarettenkonsum hatte das restliche dazu beigetragen. Dank des aufkommenden Schneechaos‘, das sich auf den Straßen durch den plötzlichen Wintereinbruch gebildet hatte, war es ihm unmöglich gewesen ein Taxi zu bekommen. Er war froh, dass Seans Eigentumswohnung nicht noch weiter entfernt lag.

Doch er wollte sich keine weitere Pause gönnen. Daher beschloss er gleich nach oben zu gehen. Irgendjemand würde er sicherlich finden, der ihm weiterhelfen konnte. Er eilte zum Hintereingang und seine Vermutung bestätigte sich.

»Sam«, rief er. »Sam … ich … ich brauche deine … Hilfe.«

»Was ist denn mit dir passiert?« Seans Assistent musterte ihn skeptisch. »Ich dachte Riley und du … ihr seid…«

»Keine Zeit«, presste Gabriel hervor. »Ich … ich muss ins … Penthouse. Dringend.«

Sam nickte und er folgte ihm nach oben. Kaum war die Tür offen, stürzte er herein und rief immer wieder nach Angel. Er stürmte ins Schlafzimmer, anschließend ins Bad, doch nirgendwo konnte er eine Spur von ihm entdecken.

Wieso? Warum? Gabriel verstand nicht, weshalb Angel einfach so abgehauen war. Hatte er etwas falsch gemacht? Hatte er ihn womöglich zu sehr bedrängt? Aber dann hätte er sich doch sicherlich nicht für eine unvergessliche Nacht bedankt und geschrieben, sie wären Freunde. Nichts ergab einen Sinn. Mit Tränen in den Augen nahm er am Küchentisch Platz und spürte den schmerzenden Stich in seinem Herzen. Eben noch hatten sie die schönsten Stunden zu zweit verbracht und kaum drehte er sich um, war Angel einfach verschwunden. Was in drei Teufels Namen hatte er nur falsch gemacht?

»Gab, kommt mit«, hörte er Seans Stimme und spürte eine Hand auf seiner Schulter.

»Er … er ist nicht … hier«, sagte er und zog die Nase hoch.

»Ich weiß. Er hat mich gerade unterwegs angerufen. Er ist bei mir zu Hause.«

»Was?« Gabriel sprang vom Stuhl auf. »Wieso das?«

»Das weiß ich nicht. Aber ich habe ihm gesagt, er soll warten bis ich komme. Dann mal los. Mein Auto steht unten im Halteverbot.«

Gabriel war bereits an der Tür, als Sean sich umdrehte und ihm folgte. Zwei Minuten später saßen sie in Seans BMW und dieser kämpfte sich hupend durch den Londoner Verkehr. Gabriel war kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Innerlich verfluchte er jeden Fahrer, der vor ihnen auf die Bremse trat. Er wusste zwar nicht, wo Seans Haus lag, doch als er auf die Schnellstraße Richtung Westen bog und sie mehrmals an dem Schild Flughafen Heathrow vorbeifuhren, wurde er stutzig.

»Wo genau wohnst du überhaupt?«, erkundigte er sich.

»In Havering.«

Einen Augenblick ging er gedanklich die verschiedenen Stadtteile der Millionenmetropole durch und stellte erschrocken fest, dass Havering in der entgegengesetzten Richtung lag.

»Du fährst falsch«, giftete er ihn an. »Du musst zurück.«

»Nein, muss ich nicht. Wir sind genau richtig und in zehn Minuten am Ziel.« Mehr sagte Sean nicht und machte das Radio an.

»Seid ihr beide jetzt durchgeknallt? Wollt ihr mich vielleicht verarschen? Macht es euch Spaß, mich zu verarschen? Du hast mir vorhin gesagt, er wäre bei dir.«

»Nein, mein Lieber«, sagte Sean, blickte ihn mit gelassener Miene an und fuhr mit ernsthaftem Tonfall fort. »Das, mein lieber Gabriel, nennt man vorausschauende Planung.«

Verärgert und immer noch ängstlich um Angel, verschränkte er die Arme vor der Brust. »Wenn wir am Flughafen sind, fahre ich mit der Bahn zurück in die Stadt und suche nach ihm.«

»Das musst du nicht, wir sind gleich bei ihm«, antwortete Sean stoisch. »Und jetzt beruhige dich.«

»Ja klar, ich beruhige mich. Also wenn er dort sein sollte, dann fahr gefälligst schneller.« Gabriel hätte am liebsten mit ihm den Platz getauscht und wäre selbst gefahren. Stattdessen konzentrierte er sich auf seine Wut und überlegte, was er mit ihm tun würde, wenn sie am Flughafen ankommen würden.

Das taten sie keine zehn Minuten später. Gabriel stürmte aus dem Auto und wollte bereits losrennen, als Sean ihn an der Schulter packte.

»Lass mich los«, schnauzte er ihn an.

»Tu ich auch, bevor du mir wieder einen rechten Haken verpasst.« Sean grinste ihn frech an und ließ tatsächlich von ihm ab. »Am besten rennst du in diese Richtung. Sonst könntet ihr euch verpassen.« Mit dem Kinn deutete er zum Abflugterminal.

Gabriel schluckte seinen Ärger herunter. Er hatte jetzt keine Zeit sich mit Sean zu befassen, er musste zu Angel. Wohin wollte er denn fliegen? Warum wollte er überhaupt wegfliegen und wohin? Verzweifelt steuerte er auf die Halle zu und spürte den Stich in seinem Herzen immer größer werden.

Panisch betrat er die Abflughalle und sah sich um. Überall Menschen mit ihren Koffern. Kleine Kinder rannten herum, deren Eltern laut nach ihnen riefen hierzubleiben. Dazwischen Flughafenangestellte. Nervös erhaschte er einen Blick auf die Abflugtafel, dann sah er zu den verschiedenen Schaltern der Fluggesellschaften. Und da, nicht einmal zwanzig Meter entfernt, erkannte er einen dunkelhaarigen Schopf. Dort vorne stand Angel.

Vor Freude machte sein Herz einen Hüpfer. Seine Angst, die ihn völlig gefangengenommen hatte, fiel von ihm ab und er rannte auf ihn zu. Doch kurz davor blieb er stehen und beobachtete ihn. Angel präsentierte ihm den Rücken. Bei ihm stand ein älterer Mann, der ihn immer wieder mit leuchtenden Augen ansah, nein, förmlich mit den Augen auszog.

»Angel?«, fragte er kaum hörbar und überbrückte die letzten Distanz zwischen ihnen. »Angel? Was machst du hier?«

Angel wirbelte herum und starrte ihn überraschend an.

»Gab?«, sagte er tonlos.

»Sag schon … was … was machst du hier?« Vorsichtig näherte er sich ihm und nahm seine Hand. »Warum bist du abgehauen? Was ist los?«

»Ich fürchte, ich sollte das aufklären«, sagte eine dritte Stimme.

Gabriel sah über die Schulter und instinktiv umklammerte er Angels Hand fester. Sean näherte sich ihnen mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

»Schön, dass es doch noch geklappt hat, Michael«, sprach Sean an den älteren Mann gerichtet und reichte ihm die Hand. »Es freut mich, dass ich dir deinen Wunsch erfüllen konnte.«

»Ja, danke dir, Sean. Hätte es nicht geklappt, wäre es auch nicht schlimm gewesen. Ich muss dann auch schon los, mein Flieger wurde bereits zweimal aufgerufen. Wir sehen uns sicherlich in zwei Monaten wieder. Und dir wünsche ich alles Gute, Angel.« Mit einem Zwinkern nahm der Mann seinen Koffer und lief ohne weitere Worte davon.

Konsterniert stierte Gabriel zuerst Sean, dann Angel an. Auch Angel wirkte sprachlos und schien nicht zu verstehen, was gerade vor sich ging.

»Ihr wollt sicherlich eine Erklärung«, stellte Sean fest und wirkte höchst erfreut. »Das, meine zwei Lieben, war eine kleine Lektion meinerseits. Leider hat sie dich wohl stärker getroffen, als ich ursprünglich vorgehabt hatte. Tut mir leid«, meinte er an Gabriel gewandt. »Aber in erster Linie war es eine Lektion für dich, mein Kleiner.« Er sah Angel tief in die Augen, der ihn immer noch verwirrt anblickte, dafür aber Gabriels festen Griff erwiderte. »Wie du siehst, fliegt Michael allein nach Südafrika … ohne dich. Du hast vor einem Monat zugesagt die Geschäftsreise mit ihm zu machen. Und ich fand es schon damals eine blöde Idee. Das weißt du. Und wie du auch weißt, möchte ich schon seit längerem, dass du endlich mit diesem Job aufhörst. Jetzt hast du einen guten Grund das zu tun. Ich habe dich übrigens kurz nach Michaels Bitte, dass du ihn begleiten sollst, von der Liste gestrichen. Von mir hat er nie eine Zusage erhalten, dafür habe ich ihm den Wunsch erfüllt, dass er dich wenigstens vor dem Abflug noch einmal sehen durfte.« Sean machte eine Pause, trat einen Schritt näher und zog Angel in eine liebevolle Umarmung. »Verzeih mir, mein kleiner Bruder. Du hast was Besseres verdient. Nach langem hin und her kam mir diese Idee. Ich will nur, dass du glücklich bist. Du hast lange genug andere glücklich gemacht, jetzt bist du an der Reihe.«

Fassungslos und mit Tränen in den Augen löste sich Angel von Sean und zitterte. Immer wieder schüttelte er den Kopf. Gabriel legte ihm einen Arm um die Schulter und hauchte ihm einen Kuss auf die Schläfe. Anschließend bedachte er Sean mit grimmiger Miene.

»Jetzt weiß ich auch, warum du innerhalb einer halben Stunde von Havering in der Innenstadt sein konntest. Du warst gar nicht zu Hause.«

Sean lachte. »Ich war bei Tyler, der bekanntlich nur ein paar Kilometer vom Club entfernt wohnt.«

»Verdammter Mistkerl! Dir gehört eine Tracht Prügel.« Gabriel konnte nicht anders und prustete los und Angel fiel mit ein.

© Madison Clark

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Das war das große Finale und ich hoffe, es hat euch allen gut gefallen. Was wäre denn eine Liebesgeschichte ohne Happy End.
Und morgen erwartet euch dann sozusagen das Türchen Nr. 25 oder besser gesagt die große Weihnachtsüberraschung im BLACK DESIRE. Vorbeischauen lohnt sich.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 23.12.2016

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WOW … hier kommt schon das Türchen Nr. 23. Wie die Zeit vergeht. Morgen erwartet euch das große Finale, also nicht verpassen.
Und bevor ich euch heute in die Geschichte entlasse, möchte ich euch noch etwas ganz Besonders vorstellen. Die Jungs vom BLACK DESIRE haben nun ihren eigenen Web-Auftritt … vorbeischauen lohnt sich 😉
Zudem erwartet euch am 25.12. noch die große Weihnachtsparty mit den Jungs … die werdet ihr hier auf meinem Blog finden oder ihr schaut einfach bei den Jungs vorbei. Denn ihr könnt auch noch etwas dabei abstauben 😉

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Wer gerne noch einmal alle Türchen nachlesen möchte, der klickt bitte HIER.

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Türchen 23

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Während des Essens glaubte Riley sich in einem wunderschönen Traum. Alles schien perfekt. Gab hätte ihn ebenso einfach nur in einen Imbiss zu Fish und Chips und einer Cola einladen können – es wäre genauso perfekt gewesen. Die Pizza schmeckte köstlich und auch der Wein war weder zu trocken noch zu süß. Als Gab ihm zum Nachtisch auch noch Mousse au Chocolat servierte, hätte dieses Abendessen nicht vollkommener sein können.

»Den Tipp hat mir Tyler gegeben.« Gab zwinkerte ihm zu. »Ich hoffe, dass es auch schmeckt.«

Von allen Süßspeisen, die Riley kannte, gehörte Mousse au Chocolat zu seinen unangefochtenen Favoriten. Er probierte und die Geschmacksexplosion in seinem Mund war unbeschreiblich.

»Das ist das Beste, was ich je gegessen habe.«

»Du Charmeur.« Gab grinste frech und probierte selbst vom Nachtisch. Genussvoll verdrehte er die Augen. »Okay, du könntest recht haben.«

Kichernd sahen sie sich an, aßen schweigend, bis Riley sich satt und zufrieden zurücklehnte.

»Ich glaube, das war das schönste Abendessen, das ich je hatte.«

»Und es muss nicht das letzte gewesen sein. Vielleicht nicht gerade in dieser Wohnung und auch nicht unbedingt in meiner kleinen Bude … aber ich lade dich gerne hin und wieder zum Essen ein.«

»Das meinst du ernst«, stellte Riley ein wenig verwundert fest.

Im nächsten Moment stand Gab vor ihm, fasste ihn an den Händen und zog ihn auf die Füße. Gemeinsam gingen sie in den Wohnbereich und ließen sich auf der Decken- und Kissenlandschaft nieder. Sie wirkte nicht nur gemütlich, sie war es auch. Das Feuer im Kamin knisterte gemütlich, und Riley fühlte sich so sicher wie schon lange nicht mehr. Gab vermittelte ihm eine Art von Vertrautheit, die ihm zwar immer noch fremd war, dennoch war es etwas, das er so schnell nicht wieder hergeben wollte.

Mit im Nacken verschränkten Armen machte Riley es sich bequem. Er lauschte dem prasselndem Holz und der leisen Musik und genoss es dabei in vollen Zügen, Gab an seiner Seite zu wissen. Das brennende Feuer warf Schatten an die weiße Decke, wo sie sich zu einem Tanz ineinander verwoben und schließlich wieder auseinander waberten. Das erinnerte ihn unweigerlich daran, wozu ihm Tyler geraten hatte, als er Finn und ihn gestern Abend besucht hatte, um nach dem Rechten zu sehen. Er wollte, dass Gab noch eine wichtige Sache von ihm selbst erfuhr, doch Riley wusste nicht, wo er anfangen sollte.

»Dir liegt doch etwas auf dem Herzen«, sagte Gab nach einer Weile.

Überrascht drehte er den Kopf zur Seite. Gab stützte seinen Kopf mit der Hand ab und sah ihn neugierig an.

»Lass mich raten«, sprach er weiter. »Es geht um deinen Job als Callboy.«

»Woher…«

»Woher ich das weiß?«, beendete Gab den Satz und schmunzelte verlegen. »Weil ich dich das sonst gefragt hätte und weil es das Einzige ist, worüber wir zwei noch nicht geredet haben. Mal abgesehen von der anderen Sache. Aber ehrlich gesagt, Tyler und ich haben heute Morgen noch einmal darüber gesprochen und ihm ist rausgerutscht, dass er dich darum gebeten hat, dass du es mir erklärst. Wenn du das jetzt nicht willst, musst du das aber nicht.«

Riley seufzte und setzte sich auf. »Doch … ich will es. Ich möchte, dass du den Grund erfährst. Inzwischen habe ich auch verstanden, wie wichtig es für dich ist, dass du es weißt. Oder anders gesagt, ich möchte nicht, dass etwas zwischen uns steht. Zwar habe ich keine Ahnung was es ist, das ich fühle, wenn wir zwei zusammen sind, doch es ist schön.«

Gabs verständnisvolles Lächeln war Antwort genug und Riley nahm all seinen Mut zusammen. »Ich … ich tu es, weil es das ist, was ich wirklich kann. Ich war in keiner Schule und kann eben nicht so arbeiten wie du, Sean und Tyler. Schreiben fällt mir immer noch sehr schwer, wobei das Lesen durch die ganzen Bücher immer besser wird. Verstehst du das?«

Gab nickte. »Du hast Angst, dass dir deine fehlende Schulbildung im Weg steht. Mir würde es an deiner Stelle genauso gehen.«

Beruhigt holte Riley tief Luft. »Aber das ist nicht alles. Sex ist das Einzige, wo ich wirklich sicher bin, dass ich alles richtig mache. Das ist immer dasselbe, nur mit anderen Männern. Einige sind nett, andere weniger. Wir küssen uns nie, wir reden auch nicht viel. Ich empfinde dabei nichts. Es ist einfach etwas, was ich tu und dann gehen sie wieder. Hier drin«, dabei legte er die Hand auf seine Brust, »da ist alles tot, wenn ich bei ihnen bin. Nur bei dir … bei dir ist es ganz anders. Es ist so…«

Mitten im Satz brach er ab. Gab griff nach seiner Hand und streichelte ihm sanft mit dem Daumen über den Handrücken.

»Ich glaube, ich weiß es. Du bist dann wie ein Roboter, der einfach funktioniert. Gefühllos und mechanisch. Das ist es, was du sagen willst.«

Beschämt senkte Riley den Blick. »Ja«, flüsterte er. »Und ich bin es Sean schuldig. Er hat so viel für mich getan. Schon viel zu viel und ich wollte ihm etwas zurückgeben. Das, was ich verdiene geht zur Hälfte an ihn, aber manchmal will er das gar nicht. Dann gehört das ganze Geld mir. Sonderwünsche kosten extra und auch das will er nicht, sondern er gibt es mir. Der Besuch auf der Vernissage mit Stephen, das Geld hat er mir geschenkt.«

Einen Moment breitete sich Schweigen zwischen ihnen aus. Gab setzte sich auf und nahm Rileys andere Hand ebenfalls in seine.

»Ich danke dir für deine Ehrlichkeit«, sagte Gab leise und küsste Rileys Finger zärtlich. »Du hast eben nicht nur einen großen Schritt getan, sondern mir auch die Augen geöffnet. Mir ist egal, mit was du dein Geld verdienst, solange du nur bei mir bist.«

Riley fühlte die Hitze in seinem Gesicht. Das war das erste Mal, dass ein Mann so etwas zu ihm sagte. Zugleich wusste er, wie ehrlich die Worte gemeint waren, trotz der Wahrheit, die er ihm eben offenbart hatte.

»Weißt du eigentlich, dass ich mich in dich verliebt habe«, hauchte Gab ihm ins Ohr und küsste ihn liebevoll auf die Wange. »Du bist wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist.« Dann küsste er ihn wieder, dieses Mal auf die andere Wange. »Angel, du trägst nicht nur den Namen eines Engels, du bist einer.« Erneut küsste er ihn, doch nun trafen sich ihre Lippen.

Riley schloss die Augen und stöhnte instinktiv in den Kuss hinein. Gabs Zunge streichelte seine zuerst sanft, dann leidenschaftlicher. Wie in einem Rausch ließ Riley sich fallen und genoss das immer feuriger werdende Zungenspiel. Dabei legte er seine Arme in Gabs Nacken und zog ihn ganz nah zu sich heran. Er wollte seine Wärme spüren, seinen Körper, der ihm so viel Sicherheit bot, dass er sich fast schon an ihm festkrallte.

Doch auf einmal war alles anders. Riley lag auf den Kissen, Gab über ihm. Dessen Finger fuhren ihm zärtlich und doch bestimmend über den Hals, die Brust und hinunter zum Bauch. Während sie sich weiterhin stürmisch küssten, wanderten Gabs Hände unter seinen Pullover und er schob ihn langsam nach oben. Dann lösten sich ihre Lippen voneinander und mit einem verschwörerischen Grinsen sah er Riley tief in die Augen.

Gab hauchte ihm sanfte Küsse auf seinen Hals und dann spürte er dessen Lippen auf seinem Bauchnabel. In diesem Moment war Riley plötzlich gefangen in einer ganz neuen Welt. Die Schmetterlinge wuselten umher, seine Haut kribbelte und sein Herz schlug noch niemals so schnell. Was immer Gab mit ihm tat, er wollte nicht, dass er aufhörte. Das tat er auch nicht. Doch zuerst half er Riley den Pullover auszuziehen und zog anschließend auch seinen aus. Ihre erhitzten Körper rieben sich aneinander und Riley stöhnte gleich mehrmals hintereinander. Im nächsten Moment spürte er Gabs Zunge, die ihm behutsam und doch fordernd die eine Brustwarze leckte. Mit den Fingern streichelte er seine andere. Es fühlte sich an wie in einem wunderschönen Traum, nur war es keiner. Gab entlockte ihm plötzlich Gefühle, von denen er sich nicht einmal sicher war, was genau er eigentlich gerade empfand. Noch nie hatte ihn ein Mann auf diese Weise berührt. Es war unbeschreiblich berauschend, stürmisch und leidenschaftlich.

Gab schenkte ihm so viel auf einmal, dass er gar nicht wusste, wie er reagieren sollte. Er krallte sich an dessen nacktem Rücken fest und bäumte sich ihm entgegen, wenn seine Zunge ihn liebkoste. Immer wieder trafen sich ihre Lippen zu einem lustvollen Kuss, der Riley nur noch hungriger auf einen weiteren machte.

Schließlich wanderten Gabs Mund und Hände immer weiter nach unten. Heiße Finger streichelten Rileys Oberkörper und irgendwann öffnete er ganz langsam die Knöpfe an seiner Jeans. Für einen Moment versteifte sich Riley. Obwohl er in Sachen Sex schon zahlreiche Perversitäten am eigenen Leib erleben musste, war es für ihn etwas völlig anderes, unerwartet auf der anderen Seite zu sein. Noch nie hatte ihn ein Mann verwöhnt, wie Gab es gerade tat. Ein wenig ängstlich versuchte er sich vorzustellen, wie es sich anfühlen würde, dieses Mal derjenige zu sein, der genießen sollte.

»Lass dich fallen … lass dich einfach fallen und genieße«, flüsterte Gabriel und küsste ihn zärtlich auf den Bauchnabel.

Rileys Körper entspannte sich wieder und er schloss die Augen. Er konzentrierte sich nur noch auf das, was er spürte und fühlte. Und das war etwas, dass er nie für möglich gehalten hatte. Verspielte Finger zogen ihm die Jeans und Boxershorts aus. Wie in Trance bekam er mit, wie auch Gab sich seiner Sachen entledigte. Augenblicke später entlockten ihm Gabs Lippen ein stöhnendes Seufzen. Sanft, und dennoch voller ungezügeltem Feuer begann er plötzlich Riley auf eine Art und Weise zu stimulieren, die ihn alles um sich herum vergessen ließ.

Am Ende dieser Nacht hatte Riley eine der schönsten seines bisherigen Lebens mit Gab verbracht.

© Madison Clark

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Endlich haben die zwei ihr wohlverdientes Glück gefunden. Was meint ihr? Aber vergesst nicht, noch ist die Geschichte nicht zu Ende.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 22.12.2016

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Aufgepasst … hier kommt Türchen Nr. 22 und eine Überraschung wartet auf euch 😉
Und noch eine kleine Ankündigung … am 24.12. gibt es nicht nur das Finale, sondern am 25.12. erwartet euch auch noch eine extra Weihnachtsüberraschung. Das solltet ihr nicht verpassen.
Und wer alle Türchen nachlesen will, der klickt bitte HIER.

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Türchen 22

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»Sind wir bald da?«, fragte Riley bereits das fünfte Mal in Folge.

Sehen konnte er nichts, denn er trug eine schwarze Augenbinde. Tyler saß neben ihm auf dem Rücksitz von Seans schwarzem BMW X6 und passte auf wie ein Wachhund, dass er nicht herausschielte.

»Gleich«, antwortete Tyler. »Wer wird denn hier ungeduldig werden?«

»Ich ganz bestimmt nicht.« Riley lachte. »Was soll das überhaupt? Ihr habt gesagt wir fahren essen. Seit wann darf ich dann nicht sehen, wohin wir fahren?«

»Weil es eine Überraschung ist und Überraschungen verrät man vorher nicht.«

»Danke, großer Bruder, das hätte ich nicht treffender sagen können«, feixte Tyler.

Seufzend lehnte Riley sich zurück und versuchte die Fahrt dennoch zu genießen. Bei jedem anderen hätte er panisch bereits das Auto verlassen. Doch es handelte sich um Sean und Tyler, und egal was sie vorhatten, er vertraute ihnen blind.

Noch vor einer Stunde hatte er eigentlich vorgehabt mit Finn nach Hause zu fahren. Zum einen, weil er Henry schrecklich vermisste, zum anderen, weil Finn Sean hatte überraschen wollen. Stattdessen stand Tyler plötzlich im Wohnzimmer und bat ihn sich seine Jacke zu schnappen und mit nach draußen zu kommen. In der Auffahrt wartete Sean mit laufendem Motor. Bevor er einsteigen durfte, hatte Tyler ihm noch die Augen verbunden und unter Androhung einer Kitzelattacke verboten, zu mogeln.

Kichernd stellte er sich vor, wie Tyler versuchte ihn zu kitzeln. Das hatte er einmal getan, danach nie wieder. Denn anschließend musste Tyler am linken Daumen mit drei Stichen genäht werden, weil Riley kreischend um sich geschlagen und dabei eine kostbare Vase umgeworfen, und in dessen Scherben er gegriffen hatte.

»Ihr seid Spinner«, sagte Riley und schüttelte amüsiert den Kopf.

»Das sagt ausgerechnet der Mann, der mich bei seinem ersten Computerspiel voll über den Tisch gezogen hat und das auch noch im Multiplayer-Modus und vor meinen ganzen Playerfreunden. Meine Revanche steht immer noch aus.«

Riley lachte und erinnerte sich noch ganz genau an diesen Tag. Bevor Finn in Seans Leben getreten war, hatte Tyler die Aufgabe übernommen ihm ein paar lebenswichtige Grundlagen der modernen Technik beizubringen, darunter auch Computerspiele.

»Hier wird nicht gelacht, kleiner Bruder.« Tyler boxte ihm kichernd gegen den Oberarm. »Die Sache ist ernst. Ich will auch mal gewinnen. Es reicht mir schon, wenn Finn mich ständig abzockt.«

»Jetzt wird nicht gespielt«, hörte er Sean, »denn wir sind da.«

Riley spürte wie das Auto zum Stehen kam und seine Nervosität wuchs. Sean schaltete den Motor aus, die Türen wurden geöffnet und dann sprach ihn eine bekannte Stimme an. Augenblicklich begann sein Herz wild zu schlagen und ein wohliges Kribbeln erfasste seinen Körper.

»Gib mir deine Hand, ich helfe dir.«

»Gab? Gab, bist du das?«

Statt einer Antwort fühlte er eine sanfte Berührung an seiner Wange, während eine Hand die seine nahm und ihm vorsichtig beim Aussteigen half. Der unverwechselbare und anziehende Duft von Gabs Aftershave stieg ihm in die Nase. Vor Freude konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen.

»Darf ich die Augenbinde jetzt…«

»Nein«, kam es von allen dreien gleichzeitig.

»Noch nicht«, fügte Gabriels Stimme hinzu. »Erst wenn wir da sind.«

»Aber wo sind wir?«

»Was hatte ich dir über Überraschungen gesagt?« Sean lachte leise.

Schweigend ließ er sich von Gab an der Hand führen und genoss die Wärme, die er dabei verströmte. Schließlich fuhren sie mit einem Aufzug nach oben und stiegen irgendwo wieder aus. Dann hörte er, wie jemand eine Tür aufschloss.

»Gabriel, du weißt Bescheid«, sagte Sean.

»Pass gut auf mein kleines Brüderchen auf«, ergänzte Tyler und küsste ihn auf die Wange.

»Ich dachte, wir gehen essen«, erkundigte sich Riley, dessen Aufregung kaum noch auszuhalten war. Hibbelig trat er von einem Fuß auf den anderen.

»Das tust du auch, nur eben mit mir allein. Bist du bereit?«

Riley nickte.

Einen Moment später wurde ihm die Augenbinde abgenommen und er blinzelte gegen die plötzliche Helligkeit an. Doch so hell war es nicht. Der Raum, in dem er sich befand war in angenehmes Kerzenlicht getaucht. Verwirrt sah er sich um und entdeckte Tyler, der ihm zuzwinkerte und dann die Wohnungstür schloss.

»Na, weißt du wo wir sind?«

Rileys Blick wanderte umher. Das Appartement war ihm sehr wohl vertraut. Hier hatte er fast drei Jahre mit Sean zusammengewohnt, bevor er in das Penthouse gezogen war. Hier hatte Sean ihm Lesen und Schreiben beigebracht. Hier hatte er ihm alles Lebenswichtige mit auf den Weg gegeben, um sich selbständig in der großen Welt zurechtzufinden, die ihm immer noch fremd war.

Es schien sich nichts verändert zu haben. Die Möbel standen an ihrem Platz, die Bücherwand und das Klavier sahen genauso aus, wie er sie bei seinem Auszug verlassen hatte. Und doch war etwas anders. Im Kamin brannte ein Feuer. Eine große und kuschelig aussehende Decken- und Kissenlandschaft war davor ausgebreitet worden. Abseits davon war der Tisch gedeckt und es roch herrlich nach Essen. Auf dem Tisch selbst brannten etliche Teelichter, die einen angenehmen Duft von Vanille und Zimt verströmten.

»Was … was … wie kommst du …«, mehr brachte Riley nicht heraus. Die Überraschung war ihnen gelungen. Er hatte mit vielem gerechnet, doch weder mit diesem Anblick und schon gar nicht mit Gabriel.

Gab stellte sich vor ihn, hob die Hand und legte sachte einen Finger auf Rileys Lippen. Schon bei dieser kleinen Berührung begannen die Schmetterlinge in seinem Bauch einen wilden Tanz aufzuführen.

»Ich gebe zu … ich hatte Hilfe von Sean und Tyler. Okay, Sams Freundin hat mir auch geholfen, sonst wäre ich nie rechtzeitig fertig geworden.« Gab lächelte ihn mit strahlenden Augen an. Sein Finger, der eben noch seine Lippen berührt hatte, streichelte ihm liebevoll über die Wange. »Keine Ahnung, ob Sean es dir schon erzählt hat oder nicht, doch es ist Zeit, dass ich aufhöre mich wie ein Idiot zu benehmen. Besser gesagt … wie ein in Selbstmitleid ertrinkender Idiot.« Sein Lächeln wurde verwegener. »Ich möchte mich bei dir entschuldigen, einfach für alles. Und ganz nebenbei möchte ich dich zur Abwechslung verwöhnen.«

»Entschuldigen? Für was entschuldigen?« Irritiert blickte er Gab an, wobei er ihm in jenem Moment alles verziehen hätte.

»Weil ich mich nicht mehr bei dir gemeldet habe. Es war nicht richtig.«

Riley seufzte ergeben. »Dafür nicht«, flüsterte er und näherte sich langsam Gabs Gesicht. »Sean hat mir gesagt, was er vorhat, doch mehr auch nicht. Heißt das, du kennst die Wahrheit?«

»Ja … ja, ich kenne sie. Er hat mir alles erzählt.«

»Und du bist mir nicht böse, weil ich … weil ich dich angelogen habe?« Rileys Kehle war auf einmal ganz trocken.

»Nein.« Gab schüttelte den Kopf. »Jetzt, wo ich es weiß, könnte ich niemals böse auf dich sein. Aber ich gebe zu, dass es für mich auch nicht leicht ist, das alles zu verdauen. Bisher war ich nie mit solchen Sachen konfrontiert. Ich bin wohlbehütet zu Hause aufgewachsen, hatte Freunde, wir haben jede Menge Unsinn angestellt und in den Tag hineingelebt. Wir haben sprichwörtlich die Nacht zum Tag gemacht. Daher hoffe ich, dass du mir verzeihen kannst, wenn ich mich erst noch daran gewöhnen muss.«

Rileys Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er legte Gabriel beide Arme in den Nacken und sie sahen sich tief in die Augen. Saphirblau traf auf Graublau.

»Eigentlich müsste ich mich bei dir entschuldigen.«

»Niemals«, hauchte Gab ihm entgegen.

Im nächsten Moment trafen sich ihre Lippen zu einem zärtlichen und doch hingebungsvollen Kuss. Gab war so sanft und er ließ ihn alles um sich herum vergessen. Wie in eine Seifenblase eingehüllt existierten nur noch sie beide, während er sich fest an ihn schmiegte und nie wieder missen wollte.

Als sie sich schließlich voneinander lösten, blickten sie sich mit einem glücklichen Lächeln an. Dann schnappte Gab Riley bei der Hand und zog ihn hinüber zum Tisch. Wie ein Gentleman, nahm er ihm zuerst die Lederjacke ab, um ihm daraufhin den Stuhl zurechtzurücken.

Neugierig beobachtete er, wie Gab den Backofen öffnete und zwei Teller herausholte. Es war Pizza und nicht eine gekaufte, sondern sie war selbstgemacht. Gab stellte die Teller auf den Tisch, lief zurück und holte aus dem Kühlschrank eine Flasche Rotwein.

»Ich gestehe, die hat Sean besorgt. Ich kenne mich da nicht so wirklich aus, was zu welchem Essen am besten passt.«

Zwinkernd schenkte er zuerst Riley ein und dann sich selbst. Zum krönenden Abschluss setzte er sich und betätigte einen Knopf an einer kleinen Bedienung und aus den Lautsprecherboxen im Wohnbereich erklang leise Klaviermusik.

»Womit habe ich das verdient? Das riecht richtig lecker. Hast du die selbst gemacht?« Riley wusste nicht, wie ihm geschah. So viel brach so plötzlich über ihn herein. Es war einfach unbeschreiblich schön.

Gab grinste. »Nicht fragen, einfach genießen. Der Teig ist selbstgemacht und auch die Deko ist von mir. Nur beim Saubermachen hatte ich Unterstützung. Hier hat schon lange keiner mehr gewohnt.«

»Seit Sean in der neuen Villa wohnt, kam keiner mehr hierher«, bestätigte Riley. »Auf der Couch habe ich früher geschlafen. Aber jetzt genug geredet, ich habe Hunger.«

Beide lachten und nahmen das Besteck zur Hand.

© Madison Clark

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Ohne große Worte entlasse ich euch heute aus diesem Abschnitt. Ihr dürft schon auf die restlichen zwei Türchen gespannt sein.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 21.12.2016

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Hier kommt Türchen 21. Ohne viele Worte entlasse ich euch heute gleich mal zum Text. Bin gespannt, was ihr dazu sagen werdet.
Und natürlich könnt ihr HIER alle Türchen nachlesen.

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Türchen 21

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So nervös, wie Gabriel sich momentan fühlte, war er das letzte Mal gewesen, als er seinen Eltern erzählte, dass er mit dem weiblichen Geschlecht nichts anfangen konnte. Auf dem Weg von seiner Wohnung zum Black Desire war er seine Worte mindestens zehn Mal durchgegangen. Doch nun stand er vor dem fünfstöckigen Gebäude, blickte hinauf zum Penthouse, und wusste nicht mehr, was er sagen wollte. Sein Kopf war wie leergefegt. Seine Gefühlswelt war dafür umso chaotischer. Seit Tylers gestrigem Besuch fühlte er sich mies. Nicht, weil Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte, sondern, weil er sich wie ein mieser Idiot aufgeführt hatte.

Gabriel waren gleich mehrere Dinge bewusst geworden. Angel hatte weder mit seinen Gefühlen gespielt, noch je beabsichtigt, das tun zu wollen. Inzwischen war ihm auch klar, warum Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte. Er selbst hätte auch nie gewollt, dass jemand von diesem schrecklichen Albtraum erfuhr. Es gab nur eine einzige Sache, die Gabriel nicht verstand, vielleicht auch niemals verstehen würde. Warum tat Angel sich freiwillig das an, wozu er früher niemals eine Wahl gehabt hatte? Die Antwort darauf konnte nur Angel ihm geben.

Seufzend trat er die aufgerauchte Zigarette mit dem Absatz aus und machte sich auf den Weg zum Hintereingang. Einerseits hoffte er niemandem zu begegnen, andererseits vermisste er Angel wahnsinnig und wollte ihn wiedersehen. Denn auch darüber war er sich zu hundert Prozent sicher, seine Gefühle für ihn waren noch genauso intensiv wie beim ersten Mal, wenn nicht sogar noch intensiver. Gabriel wollte ihn wieder lachen sehen, ihn berühren, ihn in den Arm nehmen und ihm Sicherheit geben. Er wollte für ihn da sein und würde ihm so gerne die Welt zeigen.

Doch dazu musste er seinen inneren Schweinehund besiegen. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch kam er an der Hintertür an, die er jedoch verlassen vorfand. Wehmütig blickte er über die Schulter, in der Hoffnung, Angel könnte mit Henry um die Ecke biegen. Aber er blieb allein. Ohne weiter darüber nachzudenken, betrat er das Gebäude  und hielt direkt auf den Aufzug zu.

Plötzlich hörte er ein Bellen. Freudig wirbelte Gabriel herum und sah Henry, der auf ihn zu rannte. Lachend ging er in die Hocke und begann das kleine Fellknäuel zu streicheln. Insgeheim hoffte er, Angel würde jeden Moment auftauchen.

»Hey du Kuscheltiger«, rief eine Stimme den Flur entlang. Als die Person näher kam, erkannte er Jamie. Er sah genauso verboten gut aus wie bei ihrem ersten Treffen. Nur dieses Mal trug er einen dicken Rollkragenpullover anstatt der aufreizenden Lederweste.

»Er ist doch eher ein Kampfhund«, warf eine zweite Stimme ein.

Gabriel nahm einen dunkelhäutigen jungen Mann an Jamies Seite wahr, der in eine dicke Jacke und einen Schal eingewickelt war. Beide hielten sich die Hand. Der Fremde blickte ihn mit leuchtenden dunklen Augen an und lächelte.

»Ich glaube eher, Henry ist ein Schlitzohr«, antwortete Gabriel, holte drei Hundeleckerli aus der Jackentasche und hielt sie dem Hund vor die Schnauze. Mit zwei Happen waren sie weg. »Er weiß, dass ich seit Neustem immer etwas für ihn einstecken habe.«

»Hi Süßer«, sagte Jamie und zwinkerte ihm zu. »So sieht man sich wieder.«

»Hi«, kam es von Gabriel, der wieder mal die Röte im Gesicht aufsteigen spürte und aufstand.

»Ihr kennt euch?«, erkundigte sich der junge Mann an Jamies Seite.

»Ich hätte ihn letztens beinahe zu Tode erschreckt«, sagte dieser. »Gabriel war dein Name, oder?«

Er nickte.

»Das hier ist Charly. Wir zwei passen zurzeit auf den kleinen Vielfraß auf.«

Gabriel nickte beiden zu und schluckte merklich. »Ist … ist Angel nicht da?«

»Nein. Er hat etwas gefaselt, dass er bis morgen beim Chef bleibt«, sagte Charly. »Und weil beim Chef so schöne teure Sachen rumstehen und der kleine Kampfhund schon einmal etwas kaputt gemacht hat, kümmern wir zwei uns um ihn. Dann hat der Club zur Abwechslung wenigstens mal einen Wachhund.«

Charly und Jamie prusteten los und auch Gabriel musste lachen. Henry bellte.

»Was ist denn hier so lustig, ich will auch mitlachen«, ertönte eine weitere Stimme, die Gabriel nur zu gut kannte.

Schlagartig erlosch sein Lachen und er biss sich fahrig auf die Unterlippe. Sean kam direkt auf sie zu, in der Hand hielt er eine Tasse mit dampfendem Kaffee.

»Wir finden nur, Henry gäbe den perfekten Wachhund ab«, antwortete Charly kichernd.

»Ihr und eure Ideen.« Sean grinste und sah dabei Gabriel tief in die Augen. Während er weitersprach, hielt er den Blickkontakt zu ihm aufrecht. »Wolltet ihr nicht eine Runde mit ihm spazieren gehen?«

»Sind schon unterwegs, Chef«, antwortete Jamie und küsste Charly auf den Mund. »Komm, Schatz.«

»Wir sehen uns doch bestimmt noch mal, oder?«, wandte sich Charly im Vorbeigehen ein letztes Mal an Gabriel. »Wer für Henry Leckerli einstecken hat, der kommt sicherlich öfter vorbei.«

»Gab ist unser künftiger IT-Administrator und wird Tyler und Sam ein wenig unter die Arme greifen«, beantwortete Sean die Frage und schüttelte amüsiert den Kopf. »Also keine Sorge, Charly. Du wirst ihn ganz sicher wiedersehen. Und jetzt macht die Fliege, wir zwei haben ein wichtiges Gespräch zu führen. Stimmt doch, oder?«

»Ähm … ähm … ja«, brachte Gab mühsam über die Lippen und senkte verlegen den Blick.

»Gut, dann gehen wir am besten in mein Büro.«

Keine fünf Minuten später saß Gabriel Sean gegenüber, der es sich auf seinem Bürostuhl gemütlich gemacht hatte. Er hielt die Tasse in der Hand und nippte gelegentlich daran.

Bedröppelt sah er ihn aus den Augenwinkeln an, wusste jedoch nicht, wo er anfangen sollte. Sein Herz hämmerte ihm bis zum Hals und er begann nervös die Finger zu kneten. Auf dem Weg hierher wusste er noch genau, was er sagen wollte, jetzt kam er sich wie ein dummer Schuljunge vor, der vor dem Direktor saß und seine Strafe erwartete.

»Ich gehe davon aus, du hast dich beruhigt?«, fragte Sean gerade heraus. »Scheint, dass mich meine Menschenkenntnis wohl doch nicht im Stich gelassen hat. Wie du wahrscheinlich von den beiden unten schon gehört hast, Riley ist nicht da.«

Gabriel nickte. »Ja … «, sagte er zögerlich. »Er … er ist bei dir.«

»Riley ist eher bei Finn. Ich habe die letzte Nacht hier geschlafen. Der Stress vor den Feiertagen ist manchmal wirklich heftig. Da ist mir die Fahrt durch die halbe Stadt dann zu viel.«

»Verstehe.«

»Möchtest du mir etwas sagen?« Sean blickte ihn auffordernd über den Tassenrand hinweg an.

Gabriel seufzte, schluckte den Kloß in seinem Hals herunter und nahm all seinen Mut zusammen. »Es … es tut … es tut mir leid«, nuschelte er. »Ich habe überreagiert. Ich … ich wollte dich nicht … schlagen. Und … und ich wollte auch nicht…«. Er unterbrach sich, holte einmal tief Luft und begann von neuem. Der Knoten, der sich inzwischen in seinem Magen gebildet hatte, zog sich immer mehr zusammen. »Kurz gesagt, ich bin gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen. Und auch bei Tyler. Ich war ein Arschloch, das sehe ich ein. Aber als du mir die Bilder gezeigt und mir dann erzählt hast, was es damit auf sich hat, da sah ich nur noch rot. Ich wusste nicht mehr, wohin mit meinen Gefühlen. Es war alles so viel auf einmal. Ich will mich nicht rausreden oder so, ich möchte mich nur aus tiefstem Herzen entschuldigen und hoffe, dass ihr mir verzeihen könnt.«

Nachdem er geendet hatte, senkte Gabriel den Blick.

Die Stille, die sich nach seinen Worten im Raum ausbreitete, zerrte an seinen Nerven. Doch Sean ließ sich Zeit. Schließlich sah Gabriel ihn an. Sean hatte die Tasse abgestellt und die Arme vor der Brust verschränkt.

»Es freut mich, dass du zur Vernunft gekommen bist«, antwortete ihm sein Gegenüber. »Die Entschuldigung ist angenommen.«

Gabriel fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen.

»Bei Tyler musst du dich selbst entschuldigen, aber der hat heute seinen freien Tag. Und für Riley kann ich auch nicht sprechen. Daran sollte es allerdings nicht scheitern.«

»Wird er mir überhaupt zuhören?«, erkundigte sich Gabriel, der am liebsten sofort mit Angel geredet hätte. Doch einfach anrufen wollte er ihn auch nicht.

Sean lächelte ihn beruhigend an. »Anders gefragt … warum sollte er das nicht? Ihr zwei hattet keinen Streit. Er weiß aber auch, dass ich mit dir geredet und du die Bilder gesehen hast. Glaub mir, wenn ich dir sage, er wartet höchstwahrscheinlich sehnsüchtig darauf, dass du dich bei ihm meldest.«

»Wirklich?« Gabriels Herz schlug vor Freude schneller. Die Angst, die er eben noch verspürt hatte, war verflogen.

Sean nickte. »Eine Sache möchte ich dir noch sagen, denn ich finde, du solltest alles wissen. Und damit meine ich nicht nur, dass du eine gute rechte Faust hast. Es liegt mir nämlich fern euch beide am Ende unglücklich zu sehen.«

Augenblick kehrte der Stich in Gabriels Magengegend zurück. Überrascht starrte er ihn an.

»Es ist besser so.«

Gabriel seufzte. »Okay. Aber dann musst du mir eine Frage beantworten, die ich einfach nicht verstehe. Aber zuerst du.«

»Gut.« Sean lehnte sich nach vorne und nahm den Kugelschreiber in die Hand, der vor ihm auf dem Tisch lag. Nervös spielte er damit, während er sprach. »Riley hat jahrelang … während seiner Zeit bei Luther … in einem Hundezwinger gelebt. Daher hat er auch Angst vor geschlossenen Räumen. So lange er die Kontrolle darüber hat, ist alles gut. Leider hat Edward … dieser Hurenbock … das ausgenutzt, als er ihn mit vierzehn kaufte. Er hat Riley einfach eingeschlossen. Riley, der dachte, endlich aus dem Höllenpfuhl entkommen zu sein, sah rot. Also hat er den Kopf so lange gegen die Wand geschlagen, bis er blutend und ohnmächtig einen Tag später von Edward gefunden wurde. Er hat ihn in ein Krankenhaus gebracht und den Ärzten irgendein Märchen aufgetischt. Am Ende wurde er im Krankenhausbett fixiert und mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt. Er lag fast zwei Wochen auf einer Überwachungsstation. Riley wurde medikamentös mit Psychopharmaka behandelt. Seitdem hat er nicht nur Angst vor Ärzten, sondern auch vor Krankenhäusern. Das ist der Grund, warum mein Freund Lian ihn behandelt. Er kennt ihn und auch seine Geschichte.«

Gabriel schluckte. Obwohl es ihm immer noch sehr schwer fiel das alles zu verkraften, blieb er erstaunlich ruhig. Dennoch blutete ihm das Herz, wenn er nur daran dachte, was er bisher alles erfahren hatte.

»Sorry, wenn ich das jetzt sage«, sagte Gabriel leise, »denn über Tote schimpft man nicht, vor allem, wenn man sie nicht gekannt hat … aber Edward war ein Arsch.«

Sean lachte. »Er war noch mehr als das. Sei froh ihn nicht gekannt zu haben. Ich bedaure mit ihm verwandt zu sein. Der Nachname ist das einzige, was ich je mit ihm gemeinsam hatte. Früher hat er mich regelmäßig verprügelt und mit Tyler hat er es genauso gemacht. Und nachdem wir beide ausgezogen waren, hat Riley alles abbekommen.«

Erneutes Schweigen breitete sich aus. Gabriel war wütend, doch dieses Mal weder auf Sean noch auf Riley.

»Es … es tut so weh, das zu hören«, sagte er, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte. »Gleichzeitig fühle ich mich geehrt. Du vertraust mir anscheinend und das bedeutet mir wiederum sehr viel. Und ich möchte noch einmal wiederholen, wie leid es mit tut, was vorgestern passiert ist.«

»Wir vergessen das einfach. Wer weiß, vielleicht hätte ich an deiner Stelle genauso reagiert. Wichtig ist jetzt nur, dass dir bewusst wird, auf was du dich einlässt, wenn eure Freundschaft tiefer gehen sollte. Und nun zu deiner Frage.«

»Danke«, antwortete Gabriel und seine Frage kam ihm plötzlich so unwichtig vor. Daher winkte er ab. Dafür hatte er eine spontane Idee. »Ist nicht so wichtig. Doch ich könnte ausnahmsweise bei etwas deine Hilfe benötigen.«

© Madison Clark

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Jetzt die große Frage, was hat Gabriel vor? Jemand eine Idee? 😉
Wir lesen uns dann morgen … das große Finale rückt immer näher.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 20.12.2016

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Hier kommt das Türchen Nr. 20 und somit nähern wir uns nicht nur Weihnachten, sondern auch mit großen Schritten langsam aber sicher dem Finale. Ihr dürft weiterhin gespannt sein.
Und wer alle Türchen gerne noch einmal nachlesen will, der klickt bitte HIER.

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Türchen 20

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»Brauchen wir das ganze Zeug eigentlich wirklich, Finn?«, fragte Riley zweifelnd und besah sich die Einkaufstüten, die sich im Flur von Seans Villa stapelten.

Es grenzte an ein Wunder, dass er überhaupt alles im Kofferraum hatte verstauen können, wobei auch einige Dinge für ihn dabei waren. Innerhalb von kaum zwei Stunden war sein Konto um eine fünfstellige Summe geschrumpft. Doch er konnte seinem besten Freund einfach keinen Wunsch abschlagen, immerhin hatten sie einen Deal. Finn brachte ihm alles bei, was es über moderne Technik wie Smartphone, Computer und sonstige Gerätschaften gab, dafür versuchte er Finn ein wenig Ordnung und vor allem das Kochen beizubringen. Wenn es Finn nicht gäbe, wäre er sicherlich hoffnungslos verloren. Ab und an lieh ihm Finn auch seine Schulbücher aus, wofür er ihm sehr dankbar war, denn eine Schule hatte er das letzte Mal besucht, als er in die zweite Klasse kam. Und dank Seans und Tylers Hilfe konnte er mittlerweile zumindest lesen, schreiben und auch rechnen. Ansonsten hätte er nie seinen Führerschein bestanden.

»Na und ob.« Finn zwinkerte ihm schelmisch zu. »Die neue Spielkonsole und die zwei Spiele brauche ich, wenn ich bei dir zu Besuch bin. Ein Tablet muss jeder vernünftige Mensch besitzen und mit dem Ebook-Reader kannst du noch mehr Bücher lesen. Außerdem ist eine neue Uhr immer viel Wert.«

»Fällt dir dabei eigentlich die Ironie auf?« Riley versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen.

»Nö.« Finn streckte ihm die Zunge raus und rannte ins Wohnzimmer.

Riley eilte ihm hinterher und bekam ihn gerade noch am Arm zu fassen, als er wieder zurück in den Flur laufen wollte.

»Ich darf die Sachen aber auch benutzen«, sagte Riley und gab Finn einen Kuss auf die Wange.

»Aber erst, nachdem ich mir alles ausgeliehen habe.« Finn lachte, zog Riley in eine Umarmung und küsste ihn auf die Stirn.

»Du bist ein Schlitzohr.«

»Und du einfach viel zu gut für diese Welt.«

»Lass uns die Sachen holen und einpacken, sonst können wir sie an Weihnachten nicht verschenken.« Finn schnappte Riley an der Hand und sie liefen zurück in den Flur, um die Einkaufstüten ins Wohnzimmer zu schleppen. Dort begannen sie alles herauszuholen und auf dem gläsernen Couchtisch auszubreiten.

»Wie willst du Sean eigentlich die Lieferung für den Großbildschirm erklären?«, fragte Riley, nachdem er die Rechnung und den Lieferschein dazu zur Seite legte. »Dir ist schon bewusst, dass er ihn kaum nutzen wird.«

»Ganz einfach.« Finn hob gewichtig den Zeigefinger und sein Schmunzeln war ansteckend. »Ich bin die meiste Zeit zu Hause und dann möchte ich wenigstens das genießen, wenn ich schon allein sein muss. Sean hat mir allerdings versprochen, dass er sich im kommenden Jahr mehr Auszeit nehmen möchte. Außerdem ist es unser Geschenk.«

Riley nickte. Den neuen Flachbildfernseher hatten sie gemeinsam gekauft, obwohl er erst einmal die Rechnung dafür übernommen hatte. Finn arbeitete in seiner Freizeit in einem Supermarkt und an den Wochenenden auch hin und wieder in der Wäscherei eines Krankenhauses. Damit verdiente er sich ein wenig Geld, denn er wollte sich nicht von Sean aushalten lassen. Manchmal musste Sean ihn regelrecht überreden, ihm etwas kaufen zu dürfen. Gerade das machte Finn einzigartig. Obgleich er wusste, wie viele Millionen Sean auf seinem Bankkonto besaß, hatte er diese Tatsache nie ausgenutzt und machte auch immer wieder deutlich, dass er es nicht wollte.

Geschäftig gingen sie zusammen ans Werk. Sie hatten sich sogar extra Geschenkpapier mit Weihnachtsmotiv besorgt. Tyler und Matt, sowie auch Sam würden ihre Geschenke erst auf der Weihnachtsfeier bekommen. Der Fernseher für Sean sollte bereits in den nächsten Tagen geliefert werden. Auch an Lian hatte Riley gedacht, sowie an dessen Verlobte Jacky.

Wehmütig schielte er zu einer etwas größeren Einkaufstasche hinüber und seufzte. Ob er das Geschenk jemals Gab übergeben konnte, stand in den Sternen.

»Sei nicht traurig«, meinte Finn. »Die Jungs wissen, was sie tun.«

»Das sagst du.«

»Ja, tu ich und ich meine es auch so.« Finn stand auf und setzte sich neben Riley. Er legte ihm einen Arm um die Schulter und drückte ihn an sich. »Tyler hat recht. Dein süßer Gabriel musste das erfahren. Stell dir vor, ihr zwei seit in der Kiste und wollt Sex … und dann streichelt er dir mit den Händen über den Rücken. Meinst du nicht, er würde das merken? Bei der Kundschaft ist es scheißegal, die wollen nur einen guten Fick. Aber nicht, wenn dein Freund dich berührt. Das geht viel tiefer. Also wenn Sean und ich kuscheln ist das jetzt nicht, weil wir unbedingt mehr wollen, sondern einfach, weil das manchmal viel schöner ist. Weißt du, seine Nähe spüren und einfach nur nebeneinander gekuschelt einschlafen.« Er unterbrach sich und hauchte Riley einen Kuss auf die Schläfe. »Ich bin jetzt nicht der große Gefühlsexperte, aber damit hat das auch nicht so viel zu tun … naja, irgendwie doch. Kurz gesagt, stell dir vor, er berührt dich und fühlt die Narben. Dann will er doch wissen, woher du sie hast. Und warum du sie versteckst. Verstehst du?«

»Hm. Ich glaube schon.«

»Siehst du. Und? Könntest du es ihm dann sagen? Mitten in so einem intimen Moment?«

Unsicher, was er darauf antworten sollte, löste Riley sich von Finn und blickte ihn ängstlich an.

»Genau das meine ich. Du weißt es nicht … oder anders gesagt, du hast Angst.«

»Woher…?«

»Woher ich das weiß?«

Riley nickte.

»Weil es mir so gehen würde. Genauso wie Sean, Tyler, Matt und eben auch dir.« Finn lächelte ihn aufmunternd an. Er nahm Rileys Hand in die seine und drückte sie leicht. »Das ist der Grund, warum Gabriel das wissen muss, bevor ihr euch beide vielleicht in etwas verrennt.«

»Aber was ist, wenn er das alles nicht versteht?« Riley schluckte einen Kloß im Hals herunter und spürte einen schmerzhaften Stich in der Magengegend. Gerade erst hatte er Gabriel kennengelernt und er wollte ihn nicht schon wieder verlieren.

»Ganz ehrlich? Dann ist er ein doofer Mistkerl.«

Riley wollte ihm wegen der frechen Antwort die Ohren lang ziehen, als unerwartet sein Smartphone klingelte. Neugierig holte er es aus der Hosentasche und hoffte auf eine positive Nachricht von Sean. Doch es war nicht Sean, sondern Jamie, der ihm eine Bildnachricht geschickt hatte. Kaum hatte er sie geöffnet, musste er laut lachen.

»Was ist denn los?«

»Jamie und Charly sind keine guten Hundesitter.« Er reichte das Handy weiter und Finn prustete sofort los.

Auf dem Bild war Henry zu sehen, der mit einem übergroßen Rentiergeweih aus Plüsch auf dem Kopf auf seiner roten Decke hockte, und treu doof in die Kamera guckte.

***

Gabriel fror, doch das war ihm egal. Genauso egal wie die zehn unbeantworteten Anrufe von Tyler seit gestern Abend auf seinem Handy. Er wusste ohnehin, warum er ihn versuchte zu erreichen. Aus Frust und um einen klaren Kopf zu bekommen, aber auch, um seine Kopfschmerzen zu lindern, spazierte er seit über drei Stunden in klirrender Kälte durch die Straßen. Ohne Ziel und ohne wirklich einen klaren Gedanken fassen zu können.

Gabriel war wütend, verzweifelt und absolut am Boden zerstört. Was er auf den Bildern gesehen hatte, verfolgte ihn wie ein nicht enden wollender Albtraum. Immer wieder tauchte der ausmergelte und verwahrloste Körper von Angel vor seinem geistigen Auge auf. Seine Narben, die von unaussprechlicher Gewalt und Perversion zeugten. Dabei musste er stets daran denken, was Sean ihm erzählt hatte. Vom eigenen Vater an einen Menschenhändlerring verkauft. Angel war zu Kinderpornografie gezwungen worden und Seans eigener Vater hatte ihn als Toy-Boy benutzt. All das war einfach zu viel für ihn.

An all dem, was ihm angetan worden war, trug Angel keine Schuld, das wusste Gabriel. Was ihm jedoch am meisten zu schaffen machte, war die Tatsache, dass Angel trotz alledem freiwillig seinen Körper verkaufte.

Er tut es freiwillig. Niemand zwingt ihn zu irgendetwas.

Diese Worte verfolgten Gabriel wie ein Mantra. Zugleich ärgerte er sich über sich selbst. Warum war er nur so naiv gewesen und hatte die Anzeichen nicht bemerkt? Hatte es überhaupt Anzeichen gegeben und er hatte sie vor blinder Schwärmerei schlichtweg übersehen?

Gabriel wusste es nicht und genau das machte ihn umso wütender. Warum hatte Angel ihn angelogen? Er hatte es bei ihm ja auch nicht getan.

Egal wie er es drehte und wendete, er hatte das Gefühl, Angel hatte ihn bewusst hintergangen und mit seinen Gefühlen gespielt.

Schließlich beschloss Gabriel nach Hause zu gehen. Zudem fing es an zu schneien. Es nützte ihm nichts, wenn er sich deswegen noch eine ordentliche Erkältung einfing. Gerade als er auf sein Wohnhaus zusteuerte, erkannte er von weitem Tyler, der bereits ungeduldig auf ihn wartete. Am liebsten wäre er auf der Stelle umgedreht, aber ihm war kalt und er wollte zurück ins Warme.

»Was willst du?«, fragte er knapp, als er den Schlüsselbund aus der Hosentasche kramte.

»Was glaubst du denn?«

»Kein Bedarf an einem Gespräch, wenn es das ist, weswegen du hier bist«, gab Gabriel frostig zurück.

»Na gut, dann kannst du mich wenigstens auf einen Tee einladen.« Tyler lächelte und rieb sich die kalten Hände.

Ohne ein Wort schloss Gabriel auf und achtete nicht darauf, ob Tyler ihm folgte. Das Gleiche tat er oben an seiner Wohnungstür. Er zog die Jacke aus, pfefferte sie in die Ecke und lief geradewegs ins Wohnzimmer und auf seine kleine Küchenzeile zu. Dort füllte er Wasser in den Kocher und schaltete ihn an. Als er sich umdrehte, hatte Tyler schon auf seinem Sofa Platz genommen und zündete sich eine Zigarette an.

Seufzend kam er mit dem Aschenbecher hinüber und stellte ihn auf dem Couchtisch ab. Anschließend ging er zurück, nahm zwei Tassen aus dem Schrank, ebenso zwei Teebeutel. Wenige Momente später goss er kochendes Wasser in die Tassen und kam mit beiden zurück zu Tyler.

»Danke«, sagte er und klopfte einladend neben sich auf das Sofa.

»Du lädst mich in meiner eigenen Wohnung ein Platz zu nehmen?«, fragte Gabriel mürrisch. »Wie zuvorkommend.«

Tyler seufzte theatralisch. »Nun schwing deinen Hintern schon neben mich, sonst zwing ich dich dazu. Und rauch eine, das beruhigt die Nerven.«

Gabriel war keineswegs zum Spaßen aufgelegt. Allerdings wollte er es sich mit Tyler auch nicht verscherzen, also kam er der Aufforderung widerwillig nach.

»Dann lass uns mal ein wenig quatschen. Wie war dein Tag? Hat dir der Alkohol geholfen?« Sein Freund deutete mit dem Kinn auf die leere Scotchflasche, die immer noch dort stand, wo er sie gestern Abend abgestellt hatte.

»Nein«, antwortete Gabriel und verdrehte die Augen. »Und nein, ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Das ist doch die Frage, die du mir stellen willst.«

»Wollte ich nicht, aber trotzdem danke für die Antwort.« Tyler zwinkerte ihm zu. »Ach komm schon. Meinst du, der ganze Aufwand war nur, damit du wie ein beleidigter kleiner Junge hier einsam vor dich hin schmollst?«

»Na, dann sag mir … warum? Warum sollte ich erfahren, dass Angel ein Callboy ist? Damit er sich weiter über mich lustig machen kann, weil ich nicht wusste, dass er sein Geld damit verdient? Oder wolltet ihr nur alle mal sehen, wie der doofe Gabriel sich von euch allen verarschen…«

Eine schallende Ohrfeige unterbrach ihn.

»Verfluchte Scheiße! Hör auf damit!«, fuhr Tyler ihn an und sprang auf. »Du tust gerade so, als wärst du derjenige, der die Arschkarte gezogen hat. Hast du dich mal selbst reden gehört? Selbstmitleid steht dir nicht.«

»Ach ja?« Nun stand auch Gabriel auf, die Hände zu Fäusten geballt. »Warum bekomme ich dann so eine bescheuerte Geschichte von Onkel und Neffe aufgetischt? Warum hat er mir nicht gleich gesagt, was Sache ist? Steht auf meiner Stirn vielleicht Arschloch?«

»Im Moment ja. Du willst ja gar nicht verstehen, was los ist. Nein. Lieber verkriechst du dich in deinem Schneckenhaus, gibst allen und jedem die Schuld, und überlegst für keinen müden Cent, warum das alles. Und wenn es wirklich deine Meinung ist, dass wir alle dich nur von Anfang an verarschen wollten, dann tut es mir leid. Dann habe ich mich gewaltig in dir getäuscht.«

Tyler drehte sich um und war im Begriff Gabriels Wohnung zu verlassen. Doch Gabriel wollte endlich Antworten. Antworten auf seine Fragen, die ihn wie ein gefräßiges Monster verfolgten und zu verschlingen drohten. Er lief ihm hinterher und schnappte Tyler am Arm.

»Was ist?«, giftete er ihn an.

»Dann sag’s mir. Sag mir endlich warum?«

»Du fragst mich allen Ernstes noch, warum?« Tyler schloss für einen Moment die Augen und holte einmal tief Luft.

Gabriels Puls raste und er spürte, wie er am ganzen Körper zu zittern anfing. Er wollte doch einfach nur verstehen.

»Angels Vergangenheit ist eine Sache«, sagte Tyler und verschränkte die Arme vor der Brust. »Sogar noch wichtiger als das, was er arbeitet. Klar wäre es besser, er würde dir die Gründe dafür persönlich sagen, da gebe ich dir recht, doch es ist eben nicht so einfach. Alles hängt eben auch miteinander zusammen. Angels Gefühlswelt ist die eines kleinen Jungen, der gerade erst die Gefühle für sich entdeckt. Verstehst du das?«

Gabriel nickte zögernd und versuchte zu verstehen.

»Jahrelang wurde er missbraucht und das würde kein Mensch einfach so leichtfertig wegstecken. Also hat Angel das Einzige getan, was er tun konnte. Einfach nichts mehr gefühlt. Erst als Edward das Zeitliche segnete und Sean ihn unter seine Fittiche nahm, kam Angel ganz langsam aus seinem Schneckenhaus heraus. Sean und ich waren sehr lange Zeit seine einzigen Bezugspersonen. Noch vor zwei Jahren hättest du ihn nicht einmal lachen gehört. Mittlerweile ist er ein ganz anderer Mensch, aber gefühlsmäßig immer noch unreif. Und nun gebe ich dir noch einen gut gemeinten Rat … denn du solltest eine Sache niemals tun … seine Tätigkeit als Callboy mit dem wahren Angel in einen Topf werfen. Ja, er verdient damit sein Geld, das darf er auch, wenn er es denn will. Weder Sean noch irgendjemand anderer hat ihn jemals dazu gezwungen. Den Sex, den er mit der Kundschaft hat, ist einfach nur genau das … Sex. Vielleicht klingt das jetzt megamäßig klischeehaft, doch ehrlich gesagt, kennt er nichts anderes. Außerdem war er nie in der Schule, das Schreiben und Lesen haben Sean und ich ihm beigebracht. Wie sollte er da einen normalen Job annehmen? Klar, er hätte irgendwo Teller waschen oder sonst irgendeine total unterbezahlte Arbeit tun können. Aber dazu kann ich dir auch etwas sagen. Angel geht erst seit ungefähr einem Jahr wirklich allein vor die Tür. Genau seit dem Tag, als Sean ihm Henry schenkte. Er ist nicht gerne unter Menschen und ich kann ihn gut verstehen. Er hat Angst. Doch inzwischen tut er so viele Dinge, an die er früher wahrscheinlich nie gedacht hätte. Er hat den Führerschein bestanden. Er geht allein Einkaufen. Ja, er geht auch inzwischen ohne Sean und mich zu fragen einfach spazieren. Und jetzt lass ich dich allein und du denkst darüber nach. Entscheide dich. Aber tu bitte eines nicht, ihn vorschnell verurteilen.«

Tyler drehte sich um und verschwand ohne ein weiteres Wort aus seiner Wohnung.

Gabriel stand da, sprachlos und mit Tränen in den Augen.

© Madison Clark

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Das Bild von Henry will ich sehen, ihr auch? Und nun hat Gabriel von Tyler den Kopf sprichtwörtlich gewaschen bekommen. Aber zugleich hat er jetzt auch die Möglichkeit, alles, was er bisher erfahren hat, zu verarbeiten und eine Entscheidung zu fällen. Was meint ihr, wie sie ausfallen wird?

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