Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 22.12.2016

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Aufgepasst … hier kommt Türchen Nr. 22 und eine Überraschung wartet auf euch 😉
Und noch eine kleine Ankündigung … am 24.12. gibt es nicht nur das Finale, sondern am 25.12. erwartet euch auch noch eine extra Weihnachtsüberraschung. Das solltet ihr nicht verpassen.
Und wer alle Türchen nachlesen will, der klickt bitte HIER.

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Türchen 22

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»Sind wir bald da?«, fragte Riley bereits das fünfte Mal in Folge.

Sehen konnte er nichts, denn er trug eine schwarze Augenbinde. Tyler saß neben ihm auf dem Rücksitz von Seans schwarzem BMW X6 und passte auf wie ein Wachhund, dass er nicht herausschielte.

»Gleich«, antwortete Tyler. »Wer wird denn hier ungeduldig werden?«

»Ich ganz bestimmt nicht.« Riley lachte. »Was soll das überhaupt? Ihr habt gesagt wir fahren essen. Seit wann darf ich dann nicht sehen, wohin wir fahren?«

»Weil es eine Überraschung ist und Überraschungen verrät man vorher nicht.«

»Danke, großer Bruder, das hätte ich nicht treffender sagen können«, feixte Tyler.

Seufzend lehnte Riley sich zurück und versuchte die Fahrt dennoch zu genießen. Bei jedem anderen hätte er panisch bereits das Auto verlassen. Doch es handelte sich um Sean und Tyler, und egal was sie vorhatten, er vertraute ihnen blind.

Noch vor einer Stunde hatte er eigentlich vorgehabt mit Finn nach Hause zu fahren. Zum einen, weil er Henry schrecklich vermisste, zum anderen, weil Finn Sean hatte überraschen wollen. Stattdessen stand Tyler plötzlich im Wohnzimmer und bat ihn sich seine Jacke zu schnappen und mit nach draußen zu kommen. In der Auffahrt wartete Sean mit laufendem Motor. Bevor er einsteigen durfte, hatte Tyler ihm noch die Augen verbunden und unter Androhung einer Kitzelattacke verboten, zu mogeln.

Kichernd stellte er sich vor, wie Tyler versuchte ihn zu kitzeln. Das hatte er einmal getan, danach nie wieder. Denn anschließend musste Tyler am linken Daumen mit drei Stichen genäht werden, weil Riley kreischend um sich geschlagen und dabei eine kostbare Vase umgeworfen, und in dessen Scherben er gegriffen hatte.

»Ihr seid Spinner«, sagte Riley und schüttelte amüsiert den Kopf.

»Das sagt ausgerechnet der Mann, der mich bei seinem ersten Computerspiel voll über den Tisch gezogen hat und das auch noch im Multiplayer-Modus und vor meinen ganzen Playerfreunden. Meine Revanche steht immer noch aus.«

Riley lachte und erinnerte sich noch ganz genau an diesen Tag. Bevor Finn in Seans Leben getreten war, hatte Tyler die Aufgabe übernommen ihm ein paar lebenswichtige Grundlagen der modernen Technik beizubringen, darunter auch Computerspiele.

»Hier wird nicht gelacht, kleiner Bruder.« Tyler boxte ihm kichernd gegen den Oberarm. »Die Sache ist ernst. Ich will auch mal gewinnen. Es reicht mir schon, wenn Finn mich ständig abzockt.«

»Jetzt wird nicht gespielt«, hörte er Sean, »denn wir sind da.«

Riley spürte wie das Auto zum Stehen kam und seine Nervosität wuchs. Sean schaltete den Motor aus, die Türen wurden geöffnet und dann sprach ihn eine bekannte Stimme an. Augenblicklich begann sein Herz wild zu schlagen und ein wohliges Kribbeln erfasste seinen Körper.

»Gib mir deine Hand, ich helfe dir.«

»Gab? Gab, bist du das?«

Statt einer Antwort fühlte er eine sanfte Berührung an seiner Wange, während eine Hand die seine nahm und ihm vorsichtig beim Aussteigen half. Der unverwechselbare und anziehende Duft von Gabs Aftershave stieg ihm in die Nase. Vor Freude konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen.

»Darf ich die Augenbinde jetzt…«

»Nein«, kam es von allen dreien gleichzeitig.

»Noch nicht«, fügte Gabriels Stimme hinzu. »Erst wenn wir da sind.«

»Aber wo sind wir?«

»Was hatte ich dir über Überraschungen gesagt?« Sean lachte leise.

Schweigend ließ er sich von Gab an der Hand führen und genoss die Wärme, die er dabei verströmte. Schließlich fuhren sie mit einem Aufzug nach oben und stiegen irgendwo wieder aus. Dann hörte er, wie jemand eine Tür aufschloss.

»Gabriel, du weißt Bescheid«, sagte Sean.

»Pass gut auf mein kleines Brüderchen auf«, ergänzte Tyler und küsste ihn auf die Wange.

»Ich dachte, wir gehen essen«, erkundigte sich Riley, dessen Aufregung kaum noch auszuhalten war. Hibbelig trat er von einem Fuß auf den anderen.

»Das tust du auch, nur eben mit mir allein. Bist du bereit?«

Riley nickte.

Einen Moment später wurde ihm die Augenbinde abgenommen und er blinzelte gegen die plötzliche Helligkeit an. Doch so hell war es nicht. Der Raum, in dem er sich befand war in angenehmes Kerzenlicht getaucht. Verwirrt sah er sich um und entdeckte Tyler, der ihm zuzwinkerte und dann die Wohnungstür schloss.

»Na, weißt du wo wir sind?«

Rileys Blick wanderte umher. Das Appartement war ihm sehr wohl vertraut. Hier hatte er fast drei Jahre mit Sean zusammengewohnt, bevor er in das Penthouse gezogen war. Hier hatte Sean ihm Lesen und Schreiben beigebracht. Hier hatte er ihm alles Lebenswichtige mit auf den Weg gegeben, um sich selbständig in der großen Welt zurechtzufinden, die ihm immer noch fremd war.

Es schien sich nichts verändert zu haben. Die Möbel standen an ihrem Platz, die Bücherwand und das Klavier sahen genauso aus, wie er sie bei seinem Auszug verlassen hatte. Und doch war etwas anders. Im Kamin brannte ein Feuer. Eine große und kuschelig aussehende Decken- und Kissenlandschaft war davor ausgebreitet worden. Abseits davon war der Tisch gedeckt und es roch herrlich nach Essen. Auf dem Tisch selbst brannten etliche Teelichter, die einen angenehmen Duft von Vanille und Zimt verströmten.

»Was … was … wie kommst du …«, mehr brachte Riley nicht heraus. Die Überraschung war ihnen gelungen. Er hatte mit vielem gerechnet, doch weder mit diesem Anblick und schon gar nicht mit Gabriel.

Gab stellte sich vor ihn, hob die Hand und legte sachte einen Finger auf Rileys Lippen. Schon bei dieser kleinen Berührung begannen die Schmetterlinge in seinem Bauch einen wilden Tanz aufzuführen.

»Ich gebe zu … ich hatte Hilfe von Sean und Tyler. Okay, Sams Freundin hat mir auch geholfen, sonst wäre ich nie rechtzeitig fertig geworden.« Gab lächelte ihn mit strahlenden Augen an. Sein Finger, der eben noch seine Lippen berührt hatte, streichelte ihm liebevoll über die Wange. »Keine Ahnung, ob Sean es dir schon erzählt hat oder nicht, doch es ist Zeit, dass ich aufhöre mich wie ein Idiot zu benehmen. Besser gesagt … wie ein in Selbstmitleid ertrinkender Idiot.« Sein Lächeln wurde verwegener. »Ich möchte mich bei dir entschuldigen, einfach für alles. Und ganz nebenbei möchte ich dich zur Abwechslung verwöhnen.«

»Entschuldigen? Für was entschuldigen?« Irritiert blickte er Gab an, wobei er ihm in jenem Moment alles verziehen hätte.

»Weil ich mich nicht mehr bei dir gemeldet habe. Es war nicht richtig.«

Riley seufzte ergeben. »Dafür nicht«, flüsterte er und näherte sich langsam Gabs Gesicht. »Sean hat mir gesagt, was er vorhat, doch mehr auch nicht. Heißt das, du kennst die Wahrheit?«

»Ja … ja, ich kenne sie. Er hat mir alles erzählt.«

»Und du bist mir nicht böse, weil ich … weil ich dich angelogen habe?« Rileys Kehle war auf einmal ganz trocken.

»Nein.« Gab schüttelte den Kopf. »Jetzt, wo ich es weiß, könnte ich niemals böse auf dich sein. Aber ich gebe zu, dass es für mich auch nicht leicht ist, das alles zu verdauen. Bisher war ich nie mit solchen Sachen konfrontiert. Ich bin wohlbehütet zu Hause aufgewachsen, hatte Freunde, wir haben jede Menge Unsinn angestellt und in den Tag hineingelebt. Wir haben sprichwörtlich die Nacht zum Tag gemacht. Daher hoffe ich, dass du mir verzeihen kannst, wenn ich mich erst noch daran gewöhnen muss.«

Rileys Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er legte Gabriel beide Arme in den Nacken und sie sahen sich tief in die Augen. Saphirblau traf auf Graublau.

»Eigentlich müsste ich mich bei dir entschuldigen.«

»Niemals«, hauchte Gab ihm entgegen.

Im nächsten Moment trafen sich ihre Lippen zu einem zärtlichen und doch hingebungsvollen Kuss. Gab war so sanft und er ließ ihn alles um sich herum vergessen. Wie in eine Seifenblase eingehüllt existierten nur noch sie beide, während er sich fest an ihn schmiegte und nie wieder missen wollte.

Als sie sich schließlich voneinander lösten, blickten sie sich mit einem glücklichen Lächeln an. Dann schnappte Gab Riley bei der Hand und zog ihn hinüber zum Tisch. Wie ein Gentleman, nahm er ihm zuerst die Lederjacke ab, um ihm daraufhin den Stuhl zurechtzurücken.

Neugierig beobachtete er, wie Gab den Backofen öffnete und zwei Teller herausholte. Es war Pizza und nicht eine gekaufte, sondern sie war selbstgemacht. Gab stellte die Teller auf den Tisch, lief zurück und holte aus dem Kühlschrank eine Flasche Rotwein.

»Ich gestehe, die hat Sean besorgt. Ich kenne mich da nicht so wirklich aus, was zu welchem Essen am besten passt.«

Zwinkernd schenkte er zuerst Riley ein und dann sich selbst. Zum krönenden Abschluss setzte er sich und betätigte einen Knopf an einer kleinen Bedienung und aus den Lautsprecherboxen im Wohnbereich erklang leise Klaviermusik.

»Womit habe ich das verdient? Das riecht richtig lecker. Hast du die selbst gemacht?« Riley wusste nicht, wie ihm geschah. So viel brach so plötzlich über ihn herein. Es war einfach unbeschreiblich schön.

Gab grinste. »Nicht fragen, einfach genießen. Der Teig ist selbstgemacht und auch die Deko ist von mir. Nur beim Saubermachen hatte ich Unterstützung. Hier hat schon lange keiner mehr gewohnt.«

»Seit Sean in der neuen Villa wohnt, kam keiner mehr hierher«, bestätigte Riley. »Auf der Couch habe ich früher geschlafen. Aber jetzt genug geredet, ich habe Hunger.«

Beide lachten und nahmen das Besteck zur Hand.

© Madison Clark

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Ohne große Worte entlasse ich euch heute aus diesem Abschnitt. Ihr dürft schon auf die restlichen zwei Türchen gespannt sein.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 21.12.2016

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Hier kommt Türchen 21. Ohne viele Worte entlasse ich euch heute gleich mal zum Text. Bin gespannt, was ihr dazu sagen werdet.
Und natürlich könnt ihr HIER alle Türchen nachlesen.

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Türchen 21

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So nervös, wie Gabriel sich momentan fühlte, war er das letzte Mal gewesen, als er seinen Eltern erzählte, dass er mit dem weiblichen Geschlecht nichts anfangen konnte. Auf dem Weg von seiner Wohnung zum Black Desire war er seine Worte mindestens zehn Mal durchgegangen. Doch nun stand er vor dem fünfstöckigen Gebäude, blickte hinauf zum Penthouse, und wusste nicht mehr, was er sagen wollte. Sein Kopf war wie leergefegt. Seine Gefühlswelt war dafür umso chaotischer. Seit Tylers gestrigem Besuch fühlte er sich mies. Nicht, weil Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte, sondern, weil er sich wie ein mieser Idiot aufgeführt hatte.

Gabriel waren gleich mehrere Dinge bewusst geworden. Angel hatte weder mit seinen Gefühlen gespielt, noch je beabsichtigt, das tun zu wollen. Inzwischen war ihm auch klar, warum Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte. Er selbst hätte auch nie gewollt, dass jemand von diesem schrecklichen Albtraum erfuhr. Es gab nur eine einzige Sache, die Gabriel nicht verstand, vielleicht auch niemals verstehen würde. Warum tat Angel sich freiwillig das an, wozu er früher niemals eine Wahl gehabt hatte? Die Antwort darauf konnte nur Angel ihm geben.

Seufzend trat er die aufgerauchte Zigarette mit dem Absatz aus und machte sich auf den Weg zum Hintereingang. Einerseits hoffte er niemandem zu begegnen, andererseits vermisste er Angel wahnsinnig und wollte ihn wiedersehen. Denn auch darüber war er sich zu hundert Prozent sicher, seine Gefühle für ihn waren noch genauso intensiv wie beim ersten Mal, wenn nicht sogar noch intensiver. Gabriel wollte ihn wieder lachen sehen, ihn berühren, ihn in den Arm nehmen und ihm Sicherheit geben. Er wollte für ihn da sein und würde ihm so gerne die Welt zeigen.

Doch dazu musste er seinen inneren Schweinehund besiegen. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch kam er an der Hintertür an, die er jedoch verlassen vorfand. Wehmütig blickte er über die Schulter, in der Hoffnung, Angel könnte mit Henry um die Ecke biegen. Aber er blieb allein. Ohne weiter darüber nachzudenken, betrat er das Gebäude  und hielt direkt auf den Aufzug zu.

Plötzlich hörte er ein Bellen. Freudig wirbelte Gabriel herum und sah Henry, der auf ihn zu rannte. Lachend ging er in die Hocke und begann das kleine Fellknäuel zu streicheln. Insgeheim hoffte er, Angel würde jeden Moment auftauchen.

»Hey du Kuscheltiger«, rief eine Stimme den Flur entlang. Als die Person näher kam, erkannte er Jamie. Er sah genauso verboten gut aus wie bei ihrem ersten Treffen. Nur dieses Mal trug er einen dicken Rollkragenpullover anstatt der aufreizenden Lederweste.

»Er ist doch eher ein Kampfhund«, warf eine zweite Stimme ein.

Gabriel nahm einen dunkelhäutigen jungen Mann an Jamies Seite wahr, der in eine dicke Jacke und einen Schal eingewickelt war. Beide hielten sich die Hand. Der Fremde blickte ihn mit leuchtenden dunklen Augen an und lächelte.

»Ich glaube eher, Henry ist ein Schlitzohr«, antwortete Gabriel, holte drei Hundeleckerli aus der Jackentasche und hielt sie dem Hund vor die Schnauze. Mit zwei Happen waren sie weg. »Er weiß, dass ich seit Neustem immer etwas für ihn einstecken habe.«

»Hi Süßer«, sagte Jamie und zwinkerte ihm zu. »So sieht man sich wieder.«

»Hi«, kam es von Gabriel, der wieder mal die Röte im Gesicht aufsteigen spürte und aufstand.

»Ihr kennt euch?«, erkundigte sich der junge Mann an Jamies Seite.

»Ich hätte ihn letztens beinahe zu Tode erschreckt«, sagte dieser. »Gabriel war dein Name, oder?«

Er nickte.

»Das hier ist Charly. Wir zwei passen zurzeit auf den kleinen Vielfraß auf.«

Gabriel nickte beiden zu und schluckte merklich. »Ist … ist Angel nicht da?«

»Nein. Er hat etwas gefaselt, dass er bis morgen beim Chef bleibt«, sagte Charly. »Und weil beim Chef so schöne teure Sachen rumstehen und der kleine Kampfhund schon einmal etwas kaputt gemacht hat, kümmern wir zwei uns um ihn. Dann hat der Club zur Abwechslung wenigstens mal einen Wachhund.«

Charly und Jamie prusteten los und auch Gabriel musste lachen. Henry bellte.

»Was ist denn hier so lustig, ich will auch mitlachen«, ertönte eine weitere Stimme, die Gabriel nur zu gut kannte.

Schlagartig erlosch sein Lachen und er biss sich fahrig auf die Unterlippe. Sean kam direkt auf sie zu, in der Hand hielt er eine Tasse mit dampfendem Kaffee.

»Wir finden nur, Henry gäbe den perfekten Wachhund ab«, antwortete Charly kichernd.

»Ihr und eure Ideen.« Sean grinste und sah dabei Gabriel tief in die Augen. Während er weitersprach, hielt er den Blickkontakt zu ihm aufrecht. »Wolltet ihr nicht eine Runde mit ihm spazieren gehen?«

»Sind schon unterwegs, Chef«, antwortete Jamie und küsste Charly auf den Mund. »Komm, Schatz.«

»Wir sehen uns doch bestimmt noch mal, oder?«, wandte sich Charly im Vorbeigehen ein letztes Mal an Gabriel. »Wer für Henry Leckerli einstecken hat, der kommt sicherlich öfter vorbei.«

»Gab ist unser künftiger IT-Administrator und wird Tyler und Sam ein wenig unter die Arme greifen«, beantwortete Sean die Frage und schüttelte amüsiert den Kopf. »Also keine Sorge, Charly. Du wirst ihn ganz sicher wiedersehen. Und jetzt macht die Fliege, wir zwei haben ein wichtiges Gespräch zu führen. Stimmt doch, oder?«

»Ähm … ähm … ja«, brachte Gab mühsam über die Lippen und senkte verlegen den Blick.

»Gut, dann gehen wir am besten in mein Büro.«

Keine fünf Minuten später saß Gabriel Sean gegenüber, der es sich auf seinem Bürostuhl gemütlich gemacht hatte. Er hielt die Tasse in der Hand und nippte gelegentlich daran.

Bedröppelt sah er ihn aus den Augenwinkeln an, wusste jedoch nicht, wo er anfangen sollte. Sein Herz hämmerte ihm bis zum Hals und er begann nervös die Finger zu kneten. Auf dem Weg hierher wusste er noch genau, was er sagen wollte, jetzt kam er sich wie ein dummer Schuljunge vor, der vor dem Direktor saß und seine Strafe erwartete.

»Ich gehe davon aus, du hast dich beruhigt?«, fragte Sean gerade heraus. »Scheint, dass mich meine Menschenkenntnis wohl doch nicht im Stich gelassen hat. Wie du wahrscheinlich von den beiden unten schon gehört hast, Riley ist nicht da.«

Gabriel nickte. »Ja … «, sagte er zögerlich. »Er … er ist bei dir.«

»Riley ist eher bei Finn. Ich habe die letzte Nacht hier geschlafen. Der Stress vor den Feiertagen ist manchmal wirklich heftig. Da ist mir die Fahrt durch die halbe Stadt dann zu viel.«

»Verstehe.«

»Möchtest du mir etwas sagen?« Sean blickte ihn auffordernd über den Tassenrand hinweg an.

Gabriel seufzte, schluckte den Kloß in seinem Hals herunter und nahm all seinen Mut zusammen. »Es … es tut … es tut mir leid«, nuschelte er. »Ich habe überreagiert. Ich … ich wollte dich nicht … schlagen. Und … und ich wollte auch nicht…«. Er unterbrach sich, holte einmal tief Luft und begann von neuem. Der Knoten, der sich inzwischen in seinem Magen gebildet hatte, zog sich immer mehr zusammen. »Kurz gesagt, ich bin gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen. Und auch bei Tyler. Ich war ein Arschloch, das sehe ich ein. Aber als du mir die Bilder gezeigt und mir dann erzählt hast, was es damit auf sich hat, da sah ich nur noch rot. Ich wusste nicht mehr, wohin mit meinen Gefühlen. Es war alles so viel auf einmal. Ich will mich nicht rausreden oder so, ich möchte mich nur aus tiefstem Herzen entschuldigen und hoffe, dass ihr mir verzeihen könnt.«

Nachdem er geendet hatte, senkte Gabriel den Blick.

Die Stille, die sich nach seinen Worten im Raum ausbreitete, zerrte an seinen Nerven. Doch Sean ließ sich Zeit. Schließlich sah Gabriel ihn an. Sean hatte die Tasse abgestellt und die Arme vor der Brust verschränkt.

»Es freut mich, dass du zur Vernunft gekommen bist«, antwortete ihm sein Gegenüber. »Die Entschuldigung ist angenommen.«

Gabriel fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen.

»Bei Tyler musst du dich selbst entschuldigen, aber der hat heute seinen freien Tag. Und für Riley kann ich auch nicht sprechen. Daran sollte es allerdings nicht scheitern.«

»Wird er mir überhaupt zuhören?«, erkundigte sich Gabriel, der am liebsten sofort mit Angel geredet hätte. Doch einfach anrufen wollte er ihn auch nicht.

Sean lächelte ihn beruhigend an. »Anders gefragt … warum sollte er das nicht? Ihr zwei hattet keinen Streit. Er weiß aber auch, dass ich mit dir geredet und du die Bilder gesehen hast. Glaub mir, wenn ich dir sage, er wartet höchstwahrscheinlich sehnsüchtig darauf, dass du dich bei ihm meldest.«

»Wirklich?« Gabriels Herz schlug vor Freude schneller. Die Angst, die er eben noch verspürt hatte, war verflogen.

Sean nickte. »Eine Sache möchte ich dir noch sagen, denn ich finde, du solltest alles wissen. Und damit meine ich nicht nur, dass du eine gute rechte Faust hast. Es liegt mir nämlich fern euch beide am Ende unglücklich zu sehen.«

Augenblick kehrte der Stich in Gabriels Magengegend zurück. Überrascht starrte er ihn an.

»Es ist besser so.«

Gabriel seufzte. »Okay. Aber dann musst du mir eine Frage beantworten, die ich einfach nicht verstehe. Aber zuerst du.«

»Gut.« Sean lehnte sich nach vorne und nahm den Kugelschreiber in die Hand, der vor ihm auf dem Tisch lag. Nervös spielte er damit, während er sprach. »Riley hat jahrelang … während seiner Zeit bei Luther … in einem Hundezwinger gelebt. Daher hat er auch Angst vor geschlossenen Räumen. So lange er die Kontrolle darüber hat, ist alles gut. Leider hat Edward … dieser Hurenbock … das ausgenutzt, als er ihn mit vierzehn kaufte. Er hat Riley einfach eingeschlossen. Riley, der dachte, endlich aus dem Höllenpfuhl entkommen zu sein, sah rot. Also hat er den Kopf so lange gegen die Wand geschlagen, bis er blutend und ohnmächtig einen Tag später von Edward gefunden wurde. Er hat ihn in ein Krankenhaus gebracht und den Ärzten irgendein Märchen aufgetischt. Am Ende wurde er im Krankenhausbett fixiert und mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt. Er lag fast zwei Wochen auf einer Überwachungsstation. Riley wurde medikamentös mit Psychopharmaka behandelt. Seitdem hat er nicht nur Angst vor Ärzten, sondern auch vor Krankenhäusern. Das ist der Grund, warum mein Freund Lian ihn behandelt. Er kennt ihn und auch seine Geschichte.«

Gabriel schluckte. Obwohl es ihm immer noch sehr schwer fiel das alles zu verkraften, blieb er erstaunlich ruhig. Dennoch blutete ihm das Herz, wenn er nur daran dachte, was er bisher alles erfahren hatte.

»Sorry, wenn ich das jetzt sage«, sagte Gabriel leise, »denn über Tote schimpft man nicht, vor allem, wenn man sie nicht gekannt hat … aber Edward war ein Arsch.«

Sean lachte. »Er war noch mehr als das. Sei froh ihn nicht gekannt zu haben. Ich bedaure mit ihm verwandt zu sein. Der Nachname ist das einzige, was ich je mit ihm gemeinsam hatte. Früher hat er mich regelmäßig verprügelt und mit Tyler hat er es genauso gemacht. Und nachdem wir beide ausgezogen waren, hat Riley alles abbekommen.«

Erneutes Schweigen breitete sich aus. Gabriel war wütend, doch dieses Mal weder auf Sean noch auf Riley.

»Es … es tut so weh, das zu hören«, sagte er, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte. »Gleichzeitig fühle ich mich geehrt. Du vertraust mir anscheinend und das bedeutet mir wiederum sehr viel. Und ich möchte noch einmal wiederholen, wie leid es mit tut, was vorgestern passiert ist.«

»Wir vergessen das einfach. Wer weiß, vielleicht hätte ich an deiner Stelle genauso reagiert. Wichtig ist jetzt nur, dass dir bewusst wird, auf was du dich einlässt, wenn eure Freundschaft tiefer gehen sollte. Und nun zu deiner Frage.«

»Danke«, antwortete Gabriel und seine Frage kam ihm plötzlich so unwichtig vor. Daher winkte er ab. Dafür hatte er eine spontane Idee. »Ist nicht so wichtig. Doch ich könnte ausnahmsweise bei etwas deine Hilfe benötigen.«

© Madison Clark

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Jetzt die große Frage, was hat Gabriel vor? Jemand eine Idee? 😉
Wir lesen uns dann morgen … das große Finale rückt immer näher.

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 20.12.2016

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Hier kommt das Türchen Nr. 20 und somit nähern wir uns nicht nur Weihnachten, sondern auch mit großen Schritten langsam aber sicher dem Finale. Ihr dürft weiterhin gespannt sein.
Und wer alle Türchen gerne noch einmal nachlesen will, der klickt bitte HIER.

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Türchen 20

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»Brauchen wir das ganze Zeug eigentlich wirklich, Finn?«, fragte Riley zweifelnd und besah sich die Einkaufstüten, die sich im Flur von Seans Villa stapelten.

Es grenzte an ein Wunder, dass er überhaupt alles im Kofferraum hatte verstauen können, wobei auch einige Dinge für ihn dabei waren. Innerhalb von kaum zwei Stunden war sein Konto um eine fünfstellige Summe geschrumpft. Doch er konnte seinem besten Freund einfach keinen Wunsch abschlagen, immerhin hatten sie einen Deal. Finn brachte ihm alles bei, was es über moderne Technik wie Smartphone, Computer und sonstige Gerätschaften gab, dafür versuchte er Finn ein wenig Ordnung und vor allem das Kochen beizubringen. Wenn es Finn nicht gäbe, wäre er sicherlich hoffnungslos verloren. Ab und an lieh ihm Finn auch seine Schulbücher aus, wofür er ihm sehr dankbar war, denn eine Schule hatte er das letzte Mal besucht, als er in die zweite Klasse kam. Und dank Seans und Tylers Hilfe konnte er mittlerweile zumindest lesen, schreiben und auch rechnen. Ansonsten hätte er nie seinen Führerschein bestanden.

»Na und ob.« Finn zwinkerte ihm schelmisch zu. »Die neue Spielkonsole und die zwei Spiele brauche ich, wenn ich bei dir zu Besuch bin. Ein Tablet muss jeder vernünftige Mensch besitzen und mit dem Ebook-Reader kannst du noch mehr Bücher lesen. Außerdem ist eine neue Uhr immer viel Wert.«

»Fällt dir dabei eigentlich die Ironie auf?« Riley versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen.

»Nö.« Finn streckte ihm die Zunge raus und rannte ins Wohnzimmer.

Riley eilte ihm hinterher und bekam ihn gerade noch am Arm zu fassen, als er wieder zurück in den Flur laufen wollte.

»Ich darf die Sachen aber auch benutzen«, sagte Riley und gab Finn einen Kuss auf die Wange.

»Aber erst, nachdem ich mir alles ausgeliehen habe.« Finn lachte, zog Riley in eine Umarmung und küsste ihn auf die Stirn.

»Du bist ein Schlitzohr.«

»Und du einfach viel zu gut für diese Welt.«

»Lass uns die Sachen holen und einpacken, sonst können wir sie an Weihnachten nicht verschenken.« Finn schnappte Riley an der Hand und sie liefen zurück in den Flur, um die Einkaufstüten ins Wohnzimmer zu schleppen. Dort begannen sie alles herauszuholen und auf dem gläsernen Couchtisch auszubreiten.

»Wie willst du Sean eigentlich die Lieferung für den Großbildschirm erklären?«, fragte Riley, nachdem er die Rechnung und den Lieferschein dazu zur Seite legte. »Dir ist schon bewusst, dass er ihn kaum nutzen wird.«

»Ganz einfach.« Finn hob gewichtig den Zeigefinger und sein Schmunzeln war ansteckend. »Ich bin die meiste Zeit zu Hause und dann möchte ich wenigstens das genießen, wenn ich schon allein sein muss. Sean hat mir allerdings versprochen, dass er sich im kommenden Jahr mehr Auszeit nehmen möchte. Außerdem ist es unser Geschenk.«

Riley nickte. Den neuen Flachbildfernseher hatten sie gemeinsam gekauft, obwohl er erst einmal die Rechnung dafür übernommen hatte. Finn arbeitete in seiner Freizeit in einem Supermarkt und an den Wochenenden auch hin und wieder in der Wäscherei eines Krankenhauses. Damit verdiente er sich ein wenig Geld, denn er wollte sich nicht von Sean aushalten lassen. Manchmal musste Sean ihn regelrecht überreden, ihm etwas kaufen zu dürfen. Gerade das machte Finn einzigartig. Obgleich er wusste, wie viele Millionen Sean auf seinem Bankkonto besaß, hatte er diese Tatsache nie ausgenutzt und machte auch immer wieder deutlich, dass er es nicht wollte.

Geschäftig gingen sie zusammen ans Werk. Sie hatten sich sogar extra Geschenkpapier mit Weihnachtsmotiv besorgt. Tyler und Matt, sowie auch Sam würden ihre Geschenke erst auf der Weihnachtsfeier bekommen. Der Fernseher für Sean sollte bereits in den nächsten Tagen geliefert werden. Auch an Lian hatte Riley gedacht, sowie an dessen Verlobte Jacky.

Wehmütig schielte er zu einer etwas größeren Einkaufstasche hinüber und seufzte. Ob er das Geschenk jemals Gab übergeben konnte, stand in den Sternen.

»Sei nicht traurig«, meinte Finn. »Die Jungs wissen, was sie tun.«

»Das sagst du.«

»Ja, tu ich und ich meine es auch so.« Finn stand auf und setzte sich neben Riley. Er legte ihm einen Arm um die Schulter und drückte ihn an sich. »Tyler hat recht. Dein süßer Gabriel musste das erfahren. Stell dir vor, ihr zwei seit in der Kiste und wollt Sex … und dann streichelt er dir mit den Händen über den Rücken. Meinst du nicht, er würde das merken? Bei der Kundschaft ist es scheißegal, die wollen nur einen guten Fick. Aber nicht, wenn dein Freund dich berührt. Das geht viel tiefer. Also wenn Sean und ich kuscheln ist das jetzt nicht, weil wir unbedingt mehr wollen, sondern einfach, weil das manchmal viel schöner ist. Weißt du, seine Nähe spüren und einfach nur nebeneinander gekuschelt einschlafen.« Er unterbrach sich und hauchte Riley einen Kuss auf die Schläfe. »Ich bin jetzt nicht der große Gefühlsexperte, aber damit hat das auch nicht so viel zu tun … naja, irgendwie doch. Kurz gesagt, stell dir vor, er berührt dich und fühlt die Narben. Dann will er doch wissen, woher du sie hast. Und warum du sie versteckst. Verstehst du?«

»Hm. Ich glaube schon.«

»Siehst du. Und? Könntest du es ihm dann sagen? Mitten in so einem intimen Moment?«

Unsicher, was er darauf antworten sollte, löste Riley sich von Finn und blickte ihn ängstlich an.

»Genau das meine ich. Du weißt es nicht … oder anders gesagt, du hast Angst.«

»Woher…?«

»Woher ich das weiß?«

Riley nickte.

»Weil es mir so gehen würde. Genauso wie Sean, Tyler, Matt und eben auch dir.« Finn lächelte ihn aufmunternd an. Er nahm Rileys Hand in die seine und drückte sie leicht. »Das ist der Grund, warum Gabriel das wissen muss, bevor ihr euch beide vielleicht in etwas verrennt.«

»Aber was ist, wenn er das alles nicht versteht?« Riley schluckte einen Kloß im Hals herunter und spürte einen schmerzhaften Stich in der Magengegend. Gerade erst hatte er Gabriel kennengelernt und er wollte ihn nicht schon wieder verlieren.

»Ganz ehrlich? Dann ist er ein doofer Mistkerl.«

Riley wollte ihm wegen der frechen Antwort die Ohren lang ziehen, als unerwartet sein Smartphone klingelte. Neugierig holte er es aus der Hosentasche und hoffte auf eine positive Nachricht von Sean. Doch es war nicht Sean, sondern Jamie, der ihm eine Bildnachricht geschickt hatte. Kaum hatte er sie geöffnet, musste er laut lachen.

»Was ist denn los?«

»Jamie und Charly sind keine guten Hundesitter.« Er reichte das Handy weiter und Finn prustete sofort los.

Auf dem Bild war Henry zu sehen, der mit einem übergroßen Rentiergeweih aus Plüsch auf dem Kopf auf seiner roten Decke hockte, und treu doof in die Kamera guckte.

***

Gabriel fror, doch das war ihm egal. Genauso egal wie die zehn unbeantworteten Anrufe von Tyler seit gestern Abend auf seinem Handy. Er wusste ohnehin, warum er ihn versuchte zu erreichen. Aus Frust und um einen klaren Kopf zu bekommen, aber auch, um seine Kopfschmerzen zu lindern, spazierte er seit über drei Stunden in klirrender Kälte durch die Straßen. Ohne Ziel und ohne wirklich einen klaren Gedanken fassen zu können.

Gabriel war wütend, verzweifelt und absolut am Boden zerstört. Was er auf den Bildern gesehen hatte, verfolgte ihn wie ein nicht enden wollender Albtraum. Immer wieder tauchte der ausmergelte und verwahrloste Körper von Angel vor seinem geistigen Auge auf. Seine Narben, die von unaussprechlicher Gewalt und Perversion zeugten. Dabei musste er stets daran denken, was Sean ihm erzählt hatte. Vom eigenen Vater an einen Menschenhändlerring verkauft. Angel war zu Kinderpornografie gezwungen worden und Seans eigener Vater hatte ihn als Toy-Boy benutzt. All das war einfach zu viel für ihn.

An all dem, was ihm angetan worden war, trug Angel keine Schuld, das wusste Gabriel. Was ihm jedoch am meisten zu schaffen machte, war die Tatsache, dass Angel trotz alledem freiwillig seinen Körper verkaufte.

Er tut es freiwillig. Niemand zwingt ihn zu irgendetwas.

Diese Worte verfolgten Gabriel wie ein Mantra. Zugleich ärgerte er sich über sich selbst. Warum war er nur so naiv gewesen und hatte die Anzeichen nicht bemerkt? Hatte es überhaupt Anzeichen gegeben und er hatte sie vor blinder Schwärmerei schlichtweg übersehen?

Gabriel wusste es nicht und genau das machte ihn umso wütender. Warum hatte Angel ihn angelogen? Er hatte es bei ihm ja auch nicht getan.

Egal wie er es drehte und wendete, er hatte das Gefühl, Angel hatte ihn bewusst hintergangen und mit seinen Gefühlen gespielt.

Schließlich beschloss Gabriel nach Hause zu gehen. Zudem fing es an zu schneien. Es nützte ihm nichts, wenn er sich deswegen noch eine ordentliche Erkältung einfing. Gerade als er auf sein Wohnhaus zusteuerte, erkannte er von weitem Tyler, der bereits ungeduldig auf ihn wartete. Am liebsten wäre er auf der Stelle umgedreht, aber ihm war kalt und er wollte zurück ins Warme.

»Was willst du?«, fragte er knapp, als er den Schlüsselbund aus der Hosentasche kramte.

»Was glaubst du denn?«

»Kein Bedarf an einem Gespräch, wenn es das ist, weswegen du hier bist«, gab Gabriel frostig zurück.

»Na gut, dann kannst du mich wenigstens auf einen Tee einladen.« Tyler lächelte und rieb sich die kalten Hände.

Ohne ein Wort schloss Gabriel auf und achtete nicht darauf, ob Tyler ihm folgte. Das Gleiche tat er oben an seiner Wohnungstür. Er zog die Jacke aus, pfefferte sie in die Ecke und lief geradewegs ins Wohnzimmer und auf seine kleine Küchenzeile zu. Dort füllte er Wasser in den Kocher und schaltete ihn an. Als er sich umdrehte, hatte Tyler schon auf seinem Sofa Platz genommen und zündete sich eine Zigarette an.

Seufzend kam er mit dem Aschenbecher hinüber und stellte ihn auf dem Couchtisch ab. Anschließend ging er zurück, nahm zwei Tassen aus dem Schrank, ebenso zwei Teebeutel. Wenige Momente später goss er kochendes Wasser in die Tassen und kam mit beiden zurück zu Tyler.

»Danke«, sagte er und klopfte einladend neben sich auf das Sofa.

»Du lädst mich in meiner eigenen Wohnung ein Platz zu nehmen?«, fragte Gabriel mürrisch. »Wie zuvorkommend.«

Tyler seufzte theatralisch. »Nun schwing deinen Hintern schon neben mich, sonst zwing ich dich dazu. Und rauch eine, das beruhigt die Nerven.«

Gabriel war keineswegs zum Spaßen aufgelegt. Allerdings wollte er es sich mit Tyler auch nicht verscherzen, also kam er der Aufforderung widerwillig nach.

»Dann lass uns mal ein wenig quatschen. Wie war dein Tag? Hat dir der Alkohol geholfen?« Sein Freund deutete mit dem Kinn auf die leere Scotchflasche, die immer noch dort stand, wo er sie gestern Abend abgestellt hatte.

»Nein«, antwortete Gabriel und verdrehte die Augen. »Und nein, ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Das ist doch die Frage, die du mir stellen willst.«

»Wollte ich nicht, aber trotzdem danke für die Antwort.« Tyler zwinkerte ihm zu. »Ach komm schon. Meinst du, der ganze Aufwand war nur, damit du wie ein beleidigter kleiner Junge hier einsam vor dich hin schmollst?«

»Na, dann sag mir … warum? Warum sollte ich erfahren, dass Angel ein Callboy ist? Damit er sich weiter über mich lustig machen kann, weil ich nicht wusste, dass er sein Geld damit verdient? Oder wolltet ihr nur alle mal sehen, wie der doofe Gabriel sich von euch allen verarschen…«

Eine schallende Ohrfeige unterbrach ihn.

»Verfluchte Scheiße! Hör auf damit!«, fuhr Tyler ihn an und sprang auf. »Du tust gerade so, als wärst du derjenige, der die Arschkarte gezogen hat. Hast du dich mal selbst reden gehört? Selbstmitleid steht dir nicht.«

»Ach ja?« Nun stand auch Gabriel auf, die Hände zu Fäusten geballt. »Warum bekomme ich dann so eine bescheuerte Geschichte von Onkel und Neffe aufgetischt? Warum hat er mir nicht gleich gesagt, was Sache ist? Steht auf meiner Stirn vielleicht Arschloch?«

»Im Moment ja. Du willst ja gar nicht verstehen, was los ist. Nein. Lieber verkriechst du dich in deinem Schneckenhaus, gibst allen und jedem die Schuld, und überlegst für keinen müden Cent, warum das alles. Und wenn es wirklich deine Meinung ist, dass wir alle dich nur von Anfang an verarschen wollten, dann tut es mir leid. Dann habe ich mich gewaltig in dir getäuscht.«

Tyler drehte sich um und war im Begriff Gabriels Wohnung zu verlassen. Doch Gabriel wollte endlich Antworten. Antworten auf seine Fragen, die ihn wie ein gefräßiges Monster verfolgten und zu verschlingen drohten. Er lief ihm hinterher und schnappte Tyler am Arm.

»Was ist?«, giftete er ihn an.

»Dann sag’s mir. Sag mir endlich warum?«

»Du fragst mich allen Ernstes noch, warum?« Tyler schloss für einen Moment die Augen und holte einmal tief Luft.

Gabriels Puls raste und er spürte, wie er am ganzen Körper zu zittern anfing. Er wollte doch einfach nur verstehen.

»Angels Vergangenheit ist eine Sache«, sagte Tyler und verschränkte die Arme vor der Brust. »Sogar noch wichtiger als das, was er arbeitet. Klar wäre es besser, er würde dir die Gründe dafür persönlich sagen, da gebe ich dir recht, doch es ist eben nicht so einfach. Alles hängt eben auch miteinander zusammen. Angels Gefühlswelt ist die eines kleinen Jungen, der gerade erst die Gefühle für sich entdeckt. Verstehst du das?«

Gabriel nickte zögernd und versuchte zu verstehen.

»Jahrelang wurde er missbraucht und das würde kein Mensch einfach so leichtfertig wegstecken. Also hat Angel das Einzige getan, was er tun konnte. Einfach nichts mehr gefühlt. Erst als Edward das Zeitliche segnete und Sean ihn unter seine Fittiche nahm, kam Angel ganz langsam aus seinem Schneckenhaus heraus. Sean und ich waren sehr lange Zeit seine einzigen Bezugspersonen. Noch vor zwei Jahren hättest du ihn nicht einmal lachen gehört. Mittlerweile ist er ein ganz anderer Mensch, aber gefühlsmäßig immer noch unreif. Und nun gebe ich dir noch einen gut gemeinten Rat … denn du solltest eine Sache niemals tun … seine Tätigkeit als Callboy mit dem wahren Angel in einen Topf werfen. Ja, er verdient damit sein Geld, das darf er auch, wenn er es denn will. Weder Sean noch irgendjemand anderer hat ihn jemals dazu gezwungen. Den Sex, den er mit der Kundschaft hat, ist einfach nur genau das … Sex. Vielleicht klingt das jetzt megamäßig klischeehaft, doch ehrlich gesagt, kennt er nichts anderes. Außerdem war er nie in der Schule, das Schreiben und Lesen haben Sean und ich ihm beigebracht. Wie sollte er da einen normalen Job annehmen? Klar, er hätte irgendwo Teller waschen oder sonst irgendeine total unterbezahlte Arbeit tun können. Aber dazu kann ich dir auch etwas sagen. Angel geht erst seit ungefähr einem Jahr wirklich allein vor die Tür. Genau seit dem Tag, als Sean ihm Henry schenkte. Er ist nicht gerne unter Menschen und ich kann ihn gut verstehen. Er hat Angst. Doch inzwischen tut er so viele Dinge, an die er früher wahrscheinlich nie gedacht hätte. Er hat den Führerschein bestanden. Er geht allein Einkaufen. Ja, er geht auch inzwischen ohne Sean und mich zu fragen einfach spazieren. Und jetzt lass ich dich allein und du denkst darüber nach. Entscheide dich. Aber tu bitte eines nicht, ihn vorschnell verurteilen.«

Tyler drehte sich um und verschwand ohne ein weiteres Wort aus seiner Wohnung.

Gabriel stand da, sprachlos und mit Tränen in den Augen.

© Madison Clark

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Das Bild von Henry will ich sehen, ihr auch? Und nun hat Gabriel von Tyler den Kopf sprichtwörtlich gewaschen bekommen. Aber zugleich hat er jetzt auch die Möglichkeit, alles, was er bisher erfahren hat, zu verarbeiten und eine Entscheidung zu fällen. Was meint ihr, wie sie ausfallen wird?

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 19.12.2016

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Ihr erwartet bestimmt schon sehnsüchtig Türchen Nr. 19 und hier ist es auch schon. Ihr dürft gespannt sein.
Und wer alle Türchen nachlesen möchte, der kann es HIER tun.

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Türchen 19

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»Ach wirklich?« Gabriel hielt es nichts mehr auf dem Stuhl und er sprang auf. Mit zu Fäusten geballten Händen fixierte er Sean, der weiterhin stur aus dem Fenster schaute. »Ist dein Callboy wirklich so feige, dass er es mir nicht selbst sagen kann?« Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus, und er spürte, wie seine Beherrschung allmählich verloren ging. Wie von einer Tarantel gestochen stürmte er auf Sean zu, packte ihn an der Schulter und riss ihn grob zu sich herum, so dass beide sich tief in die Augen blickten. »Die anderen Bilder sind doch nur gut gemachte Fakes. Willst du mich etwa verarschen?«

»Nein! Die Bilder sind alle echt.«

»Dann sag mir verdammt noch mal, warum du sie mir gezeigt hast?« Gabriel begriff einfach nicht, was das alles bedeutete. Hass brodelte in ihm. Hass auf sein Gegenüber. Hass auf Angel, der scheinbar nur mit ihm gespielt hatte. Hass auf diesen ganzen Laden hier.

»Also gut, hör‘ zu. Riley wurde mit Acht von seinem Vater an einen Menschenhändlerring sprichwörtlich verschachert«, begann Sean leise zu erzählen und sah zur Seite. Ihm war anzumerken, dass er ebenfalls um seine Fassung rang. »Dieser Arsch war in der damaligen Drogenszene sehr bekannt, für seine Ausschweifungen ebenso wie für die Tatsache, dass er ständig pleite war. Eines Tages konnte er seine Schulden nicht mehr bezahlen, also hat er im Suff kurzerhand seinen Sohn an Luther verkauft. Luther war und ist bis heute ganz groß im Geschäft. Mein Vater früher … und ich heute … versuchen so viele Jungs wie nur irgend möglich von der Straße zu holen, bevor er sie in die Hände bekommt. Wer einmal in seinen Fängen ist, kommt nicht mehr lebend dort heraus. Die Polizei ist schon seit Jahrzehnten hinter ihm her, doch sie können ihm einfach nichts nachweisen. Aber ich schweife ab. Luther hat Riley also gekauft und zur Kinderpornografie gezwungen. Er und ein halbes Dutzend weitere Jungs und ein paar Mädchen wurden systematisch missbraucht, für Videos, Bilder und noch ein paar Dinge mehr.« Sean machte eine kurze Pause, schluckte merklich, dann fuhr er fort. »Ich hasse meinen Vater Edward … ich hasse ihn wirklich … doch einmal in seinem Leben hat er tatsächlich etwas Gutes getan. Angel wäre beinahe nach Russland an einen besonders grausamen Zuhälter verkauft worden, doch Edward konnte diesen stinkreichen Hurenbock überbieten und nahm Riley mit nach Hause. Die Bilder, die du gesehen hast, wurden bei seiner Ankunft in unserem Haus gemacht. Doch leider war Edward … soll er bis in alle Ewigkeit in der Hölle schmoren … nicht gerade einer von der sanften Sorte. Schläge waren bei ihm an der Tagesordnung. Zuerst ich, dann Tyler und am Ende auch Riley. Er hielt sich Riley wie einen Toy-Boy. Zum Leidwesen von Tylers Mum. Riley und sie sind immer aneinandergeraten und ehrlich gesagt, ich konnte beide Seiten verstehen. Bis Edward überraschend starb. Ich habe Riley sofort bei mir aufgenommen und versuche ihm zu helfen, wo ich nur konnte. Das tu ich auch heute noch. Und genau das ist der Grund, warum ich wollte, dass du das siehst.«

»Du bist ein Arschloch!«, schleuderte Gabriel Sean entgegen, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. All sein Zorn, all sein Hass entluden sich mit einem Mal. Gabriel holte aus und donnerte Sean seine Faust mit voller Wucht aufs Kinn. »Ich bin fertig mit euch!«

Mit Tränen in den Augen rannte er aus dem Büro und wollte nur noch so weit weg wie möglich, sich einfach irgendwo in einer dunklen Ecke verkriechen und niemanden mehr sehen.

***

Seufzend rieb sich Sean den Unterkiefer. Der Schlag hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Angeschlagen setzte er sich auf seinen Bürostuhl und starrte auf den Bildschirm. Das Logo vom Black Desire war zu sehen. Es handelte sich dabei um seine Eigenkreation. Sein Vater hätte es sicherlich als modernen Unsinn abgetan, wie so vieles, was Sean seit der Übernahme des Clubs verändert hatte. Unweigerlich musste er an Edward und Riley denken. Er hätte schon vor acht Jahren handeln sollen, damals, als das Drecksschwein das sich sein Vater nannte, Riley von Luther abgekauft und mit nach Hause gebracht hatte. Damals hatte Edward geprahlt, wie billig er ihn erworben hatte. Und das auch nur, weil Riley zu diesem Zeitpunkt für die pädophilen Arschlöcher zu alt und eher für die Zuhälter interessant geworden war, die aber bei weitem nicht so gut zahlten wie die Privaten.

Doch genauso wie damals waren ihm heute die Hände gebunden. Zurzeit herrschte ein wackliger Frieden zwischen Luther und ihm. Das einzig Gute an der Gesamtsituation war, dass William weit über die Stränge geschlagen war, wenn auch auf Kosten von Riley. Und Luther hatte sich tatsächlich bei ihm telefonisch gemeldet. Nun hatte er etwas bei Luther gut.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Bevor er hereinbitten konnte, öffnete sie sich bereits und Tyler und Matt kamen herein. Ihnen war anzusehen, dass sie im Severraum weit mehr getan hatten, als nur brav zu warten. Beide nahmen auf den Stühlen vor Seans Schreibtisch Platz und musterten ihn neugierig.

»Ich glaub das jetzt nicht … ihr vergnügt euch da drüben und ich bekomme hier eine reingehauen.« Sean schüttelte den Kopf und massierte sich das Kinn.

»Er hat dir tatsächlich eine verpasst?« Tyler biss sich angestrengt auf die Unterlippe, um sein Grinsen zu verbergen.

»Jetzt werd du nicht auch noch frech«, konterte Sean. »Es war schließlich deine bescheuerte Idee.«

»Es war keine bescheuerte Idee«, warf Matt ein, der Tyler gegen den Oberarm boxte.

»Ach nein? Ihr habt ihn nicht erlebt. Ich habe ja schon etliche Ausraster am eigenen Leib zu spüren bekommen, aber das hier … das war eher ein Drama.« Sean dachte an Gabriels Zittern. »Er wusste überhaupt nicht mehr, wie ihm geschah.«

»Dafür kennt er nun endlich die Wahrheit«, sagte Tyler. »Ich gebe zu, Matt kennt Gab besser als ich, doch ich habe ihn kennengelernt und weiß wie er tickt.«

»Vor allem sollte man nicht vergessen«, bedeutete Matt und blickte Sean mit ernster Miene an. »Was bringt es beiden, wenn sie sich ineinander verlieben und ihre Beziehung von Anfang an auf Lügen aufgebaut ist? Für Riley ist das wahrscheinlich noch schlimmer, als für Gab. Gab ist wirklich ein herzensguter Mensch. Inzwischen sind wir fünf Jahre befreundet … gut befreundet … und in Sachen Liebe ist er genauso unerfahren wie Riley.«

»Das mag sein«, räumte Sean ein. »Doch nicht jeder kann mit der Wahrheit umgehen. Ich weiß nur eines, Gabriel hat jetzt jede Menge, woran er zu knabbern hat.«

»Gab hat sein Herz am richtigen Fleck«, sagte Matt und stand auf. Er lief zum Fenster und sah, wie zuvor Sean, hinaus über die Skyline der Stadt. »Unser Süßer wird sich schon bald beruhigen, da bin ich mir sicher. Außerdem erinnere ich ihn vorsichtshalber daran, dass er einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Aber mal abgesehen davon … ich hatte auch mit der Wahrheit zu kämpfen, als du sie mir gesagt hast.«

Sean sah Tyler an, der den Kopf senkte und auf dem Stuhl ein wenig nach unten rutschte. Sein kleiner Bruder und er hatten vor gut einem Jahr vor derselben Entscheidung gestanden, wie heute mit Gabriel. Doch Sean wusste auch, er hätte niemals eine gute Geschäftsbeziehung mit Matthew aufbauen können, wenn er nicht auch gewusst hätte, was wirklich hinten den Kulissen vor sich ging. Tyler hatte ihn schlichtweg angefleht, Matt ins Vertrauen zu ziehen und er hatte es bis heute nicht bereut. Im Gegenteil, inzwischen waren sie richtig gute Freunde und nicht nur geschäftlich ein gutes Team. Sean hatte Matt auch einiges zu verdanken.

»Und wie geht es Riley?«, erkundigte sich Tyler.

»Der ist bei Finn. Er hat bei uns übernachtet. Und Finn freut sich natürlich, weil er wenigstens einen Grund hat die Schule zu schwänzen.«

Matt lachte leise und Tyler fiel mit ein. Sean schüttelte nur den Kopf und beobachtete Matt, der sich ihnen wieder zuwandte und an die Fensterbank lehnte.

»Riley ist doch hoffentlich nicht mit seinem Auto gefahren?« Matt bedachte ihn mit einem verwegenen Schmunzeln.

»Du glaubst doch wohl nicht, dass die beiden Weihnachtshoppen?«

»Und ob«, unterbrach er ihn.

»Ich würde mal so behaupten, großer Bruder«, sagte Tyler und fing an zu grinsen, »dass du demnächst bei dir und hier anbauen kannst. Vor allem, wenn Riley seine Kreditkarte einstecken hat. Er hört bei allem auf Finn, der natürlich weiß, was ein junger Mann von Welt alles besitzen muss. Vielleicht war es doch keine so gute Idee ihn auf andere Gedanken zu bringen. Du weißt, wenn die beiden zusammen sind, sind sie ein eingeschworenes Team. Unser guter Finn hat Angel noch lange nicht alles von der modernen Technik beigebracht, was er denn so alles wissen sollte.«

Alle drei lachten.

»Rotzlöffel«, brummelte Sean, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. »Themawechsel. Hat sich deine verehrte Frau Mutter schon verabschiedet? Immerhin hat mich ihr Besuch über fünfhunderttausend Pfund gekostet.«

»Lass mich bloß mit Rose in Ruhe«, sagte Tyler und zog eine Grimasse. »Sie hat mich gestern angerufen und sich verabschiedet. Irgendwas von einem neuen Lover hat sie gelabert und dass sie nicht vorhat in nächster Zeit zurückzukommen.«

»Der Hölle sei Dank. Wann steigt die große Party?«, erkundigte sich Sean, der Tyler nur zu gut verstehen konnte. Rose und er hatten sich nie wirklich gemocht, aber ihren leiblichen Sohn hatte sie einfach im Stich gelassen.

»Sobald sie mir ihre Eigentumswohnung überschrieben und mir ihren Wagen überlassen hat.«

© Madison Clark

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Nun ist sie raus, die grauenhafte Wahrheit. Ich gehe davon aus, damit hat niemand gerechnet, oder? Ob sich Gabriel beruhigt und wie es mit Angel weitergeht, das erfahrt ihr Morgen.

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Frohen 4. Advent

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Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt!
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür!

Einen schönen 4. Advent wünscht euch eure Madison

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Inzwischen wurde 18 Türchen meiner Adventsgeschichte geöffnet. Und bis zum 24.12. erwarten euch auch noch so einige Überraschungen … und nicht nur in der Geschichte.
Nicht vergessen, das große Finale gibt es pünklich am 24.12. für euch.

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