Leseprobe „Du bist meine Ewigkeit“

 

 

coverentwurf-du-bist-meine-ewigkeitGenre: Gay-Romance

Daran schreibe ich  zurzeit nebenbei. Also ist die Geschichte noch fertig. Bis jetzt kann ich auch noch nicht sagen wie lang die Geschichte wird. Von mir geplant ist sie als Kurzgeschichte … wobei da schon ein paar Seiten herauskommen werden. Denn wenn ich eines nicht kann, dann „Kurzgeschichten“ schreiben 😉

Aber exklusiv für euch hier schon einmal eine Leseprobe daraus.
Ich muss allerdings erwähnen, dass der Text bisher noch nicht beta gelesen wurde.

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Die Kirchturmuhr schlug pünktlich um fünf Uhr nachmittags. Draußen begann sich bereits die Abenddämmerung über London zu legen. Oliver erhob sich aus seinem Sessel und ging hinaus in den Flur der kleinen Wohnung. Er nahm seinen braunen Wintermantel von der Garderobe und zog ihn an. Seinen Rotschopf bedeckte er mit einer gestrickten beigefarbenen Wollmütze seiner Mutter, die Hände steckte er in die Manteltaschen. Nachdem er, wie jeden Tag um diese Uhrzeit die Wohnung verließ, umschlossen seine Finger einen ganz besonderen Stein. Der im Mondlicht bläulich fluorisierende Mondstein war vor einem Jahr sein Talisman geworden. Ohne ihn traute er sich nicht mehr vor die Tür. Ohne ihn ging er nirgendwohin, denn er war das letzte Erinnerungsstück an seinen besten Freund.

Wie in Trance lief Oliver auf dem Bürgersteig die Straße entlang. Seinen Blick hielt er stur auf den verschmutzten Boden gerichtet. Um ihn herum herrschte ohnehin nur Elend.

Seit dem Ende des großen Glaubenskrieges vor sechs Monaten sah es noch genauso aus, wie während den tagelangen Straßenkämpfen. Kaum jemand hatte sich bisher die Mühe gemacht Schutt und Geröll fortzuschaffen, denn niemand glaubte wirklich an das geschlossene Friedensabkommen zwischen dem Westen und dem Osten. Auf der einen Seite die Christen, auf der anderen Seite herrschten die Muslime.

Zwanzig Minuten später bog Oliver von der Straße auf einen schmalen Schotterweg ab. Vor einigen Jahren hatte einmal ein Zaun das Gelände von der Straße und den Häuserblocks getrennt, doch der existierte nicht mehr. Der Friedhof – einer der fünf großen Friedhöfe Londons -, lag mitten in der Stadt und glich mehr einer hügeligen Wiese. Grabsteine gab es kaum, dafür hier und da verwitterte Holzkreuze. Aber all das interessiere ihn nicht. Sein Weg führte Oliver direkt zu einem alten Mausoleum. Ringsherum säumten Eichen, Ahornbäume und einige Tannen das halb mit Moos bewachsene schwarze Marmorgebäude. Der Pfad dorthin war mit nassem Herbstlaub bedeckt und in jenem Moment fing es wieder an zu nieseln. Dazu pfiff ein kalter Wind.

Vor knapp einem Jahr waren sein bester Freund Andrew, seine Verlobte Megan und er schon einmal diesen Weg gegangen. Damals waren sie nicht alleine gewesen. Durch mannshohe Schneeverwehungen hatten sie sich mit einer ganzen Bataillon Freiheitskämpfer gekämpft, um gemeinsam mit dem britischen Militär den Süden Londons endgültig von den Besatzern aus dem Osten befreien. Doch dieser Kampf hatte in einem Blutbad geendet.

Hilflos hatte Oliver mit ansehen müssen, wie Andrew vom Kommandanten Yasin erschossen worden war, aber nicht, bevor er mehr als hundert Flüchtigen das Leben gerettet hatte, um als Nachhut dem Feind in die Hände zu fallen. Kommandant Yasin hatte dagestanden, Andrew seine Pistole an den Kopf gehalten und laut verkündet, wenn er sterben würde, dann ginge er nicht alleine in den Tod gehen. Genau so war es gekommen.

Während die Flüchtlinge ihre neu gewonnene Freiheit bejubelten, hatte Oliver um seinen besten Freund getrauert, und das tat er immer noch. Er konnte und wollte nicht akzeptieren, wieso Andrew von ihm gegangen war. So viel hatten sie zusammen erlebt, sich durch Feindesland gekämpft, hatten den schwersten Bombenangriff Londons mit nur einigen Kratzer überlebt, und am Ende war er bei dieser offenbar einfachen Mission so niederträchtig ermordet worden. Seitdem kam er jeden Tag um die gleiche Uhrzeit auf den Friedhof. Hier fühlte er sich Andrew nahe. Sie waren gemeinsam aufgewachsen, waren vor dem Krieg in die gleiche Schule gegangen, hatten stets alles zusammen getan und hatten viel Schlachten Seite an Seite mit dem Militär gewonnen. Nicht einmal seine Verlobte Megan war in der Lage die Leere auszufüllen, die Andrew in ihm zurückgelassen hatte.

Schließlich blieb Oliver vor dem drei Meter hohen und fünf auf fünf Meter quadratischem Mausoleum stehen. Es sah aus wie ein altgriechischer Tempel, der von kunstvoll verzierten Säulen gesäumt wurde. Den Glanz alter Zeiten hatte das Wetter bereits von den Wänden gespült und ein Einsturz gefährdetes Gebäude hinterlassen. Aber wenigstens erfüllte es noch einen Zweck. Anstatt Andrew in einem der vielen Hügelgräber zu bestatten, hatte man ihn hier in diesem Mausoleum aufgebahrt.

Oberhalb der drei Stufen, die ins Innere führten, hing eine steinerne Gedenktafel. Die Innschrift kannte Oliver auswendig und trotzdem las er sie bei jedem seiner Besuche aufs Neue.

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Andrew Morgan
Juli 2025 bis Mai 2050
Freiheitskämpfer und Held der Schlacht um Kingston
Ruhe deine Seele in Frieden

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Seufzend senkte Oliver den Kopf, lief hinein und wurde wie magisch von dem versiegelten, durchsichtigen Glassarg angezogen. Andrew wirkte auf dem roten Samt, als würde er schlafen. Von der tödlichen Kopfwunde war nichts zu erkennen. Bedächtig näherte er sich dem Totenschrein, als ihn plötzlich ein Rascheln hinter seinem Rücken erschreckte. Alarmiert drehte er sich um. Doch er war allein. Weit und breit konnte er niemanden sehen, nur ein paar Zweige der nahestehenden Tanne wippten ein wenig. Für einige Sekunden starrte auf diesen Punkt, seufzte und wandte sich wieder seinem Freund zu.

Zwei brennende Kerzen standen auf dem Boden. Das bedeutete, dass wieder ein paar Besucher ihren Helden besucht hatten. An manchen Tagen mehr, an anderen Tagen kamen weniger Bürger von London hier vorbei, um Andrew Morgan ihre Aufwartung zu machen.

Olivers grüne Augen blickten auf. Sein Freund war in seiner schwarzen Uniform bestattet worden. Am rechten Ärmel präsentierte ein runder, blauer Aufsticker mit einem weißen Stern in der Mitte und vier roten, kleinen Sternen darunter, dass Andrew einmal der Kommandant der Freiheitskämpfer von London gewesen war. Damit vermittelte er den Ausdruck von Tapferkeit und Heroismus. Für Oliver nur eine Farce, um den sinnlosen Tod eines Mannes zu würdigen, der viele Straßenkämpfe für sich hatte gewinnen können.

Schweigend stand er da, bis er leise vor sich hinzumurmeln begann.

»Kumpel … der Herbst ist endgültig bei uns angekommen. Megan sagt schon seit einer Woche, es würde bald anfangen zu schneien. Mir ist das egal, aber der Gedanke scheint sie gleich fröhlicher zu stimmen.« Langsam hob er seine Hand und berührte das Glas. »Ich muss dir noch etwas erzählen. Du wirst es mir nicht glauben, aber Megan und ich werden heiraten. Stell dir das vor. Ich endgültig unter der Haube. Aber mal ganz unter uns. Megan ist schwanger. Meine Mom hat darauf gepocht, dass unser Kind ehelich das Licht der Welt erblicken soll. Was kann ich da schon großartig sagen. Du kennst ja meine Mom. Wir wollen zwar erst im Frühling heiraten, aber die beiden sind schon kräftig am planen. Du weißt ja, wie Frauen sind …«

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© Text Madison Clark

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