Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 22.12.2016

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Aufgepasst … hier kommt Türchen Nr. 22 und eine Überraschung wartet auf euch 😉
Und noch eine kleine Ankündigung … am 24.12. gibt es nicht nur das Finale, sondern am 25.12. erwartet euch auch noch eine extra Weihnachtsüberraschung. Das solltet ihr nicht verpassen.
Und wer alle Türchen nachlesen will, der klickt bitte HIER.

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Türchen 22

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»Sind wir bald da?«, fragte Riley bereits das fünfte Mal in Folge.

Sehen konnte er nichts, denn er trug eine schwarze Augenbinde. Tyler saß neben ihm auf dem Rücksitz von Seans schwarzem BMW X6 und passte auf wie ein Wachhund, dass er nicht herausschielte.

»Gleich«, antwortete Tyler. »Wer wird denn hier ungeduldig werden?«

»Ich ganz bestimmt nicht.« Riley lachte. »Was soll das überhaupt? Ihr habt gesagt wir fahren essen. Seit wann darf ich dann nicht sehen, wohin wir fahren?«

»Weil es eine Überraschung ist und Überraschungen verrät man vorher nicht.«

»Danke, großer Bruder, das hätte ich nicht treffender sagen können«, feixte Tyler.

Seufzend lehnte Riley sich zurück und versuchte die Fahrt dennoch zu genießen. Bei jedem anderen hätte er panisch bereits das Auto verlassen. Doch es handelte sich um Sean und Tyler, und egal was sie vorhatten, er vertraute ihnen blind.

Noch vor einer Stunde hatte er eigentlich vorgehabt mit Finn nach Hause zu fahren. Zum einen, weil er Henry schrecklich vermisste, zum anderen, weil Finn Sean hatte überraschen wollen. Stattdessen stand Tyler plötzlich im Wohnzimmer und bat ihn sich seine Jacke zu schnappen und mit nach draußen zu kommen. In der Auffahrt wartete Sean mit laufendem Motor. Bevor er einsteigen durfte, hatte Tyler ihm noch die Augen verbunden und unter Androhung einer Kitzelattacke verboten, zu mogeln.

Kichernd stellte er sich vor, wie Tyler versuchte ihn zu kitzeln. Das hatte er einmal getan, danach nie wieder. Denn anschließend musste Tyler am linken Daumen mit drei Stichen genäht werden, weil Riley kreischend um sich geschlagen und dabei eine kostbare Vase umgeworfen, und in dessen Scherben er gegriffen hatte.

»Ihr seid Spinner«, sagte Riley und schüttelte amüsiert den Kopf.

»Das sagt ausgerechnet der Mann, der mich bei seinem ersten Computerspiel voll über den Tisch gezogen hat und das auch noch im Multiplayer-Modus und vor meinen ganzen Playerfreunden. Meine Revanche steht immer noch aus.«

Riley lachte und erinnerte sich noch ganz genau an diesen Tag. Bevor Finn in Seans Leben getreten war, hatte Tyler die Aufgabe übernommen ihm ein paar lebenswichtige Grundlagen der modernen Technik beizubringen, darunter auch Computerspiele.

»Hier wird nicht gelacht, kleiner Bruder.« Tyler boxte ihm kichernd gegen den Oberarm. »Die Sache ist ernst. Ich will auch mal gewinnen. Es reicht mir schon, wenn Finn mich ständig abzockt.«

»Jetzt wird nicht gespielt«, hörte er Sean, »denn wir sind da.«

Riley spürte wie das Auto zum Stehen kam und seine Nervosität wuchs. Sean schaltete den Motor aus, die Türen wurden geöffnet und dann sprach ihn eine bekannte Stimme an. Augenblicklich begann sein Herz wild zu schlagen und ein wohliges Kribbeln erfasste seinen Körper.

»Gib mir deine Hand, ich helfe dir.«

»Gab? Gab, bist du das?«

Statt einer Antwort fühlte er eine sanfte Berührung an seiner Wange, während eine Hand die seine nahm und ihm vorsichtig beim Aussteigen half. Der unverwechselbare und anziehende Duft von Gabs Aftershave stieg ihm in die Nase. Vor Freude konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen.

»Darf ich die Augenbinde jetzt…«

»Nein«, kam es von allen dreien gleichzeitig.

»Noch nicht«, fügte Gabriels Stimme hinzu. »Erst wenn wir da sind.«

»Aber wo sind wir?«

»Was hatte ich dir über Überraschungen gesagt?« Sean lachte leise.

Schweigend ließ er sich von Gab an der Hand führen und genoss die Wärme, die er dabei verströmte. Schließlich fuhren sie mit einem Aufzug nach oben und stiegen irgendwo wieder aus. Dann hörte er, wie jemand eine Tür aufschloss.

»Gabriel, du weißt Bescheid«, sagte Sean.

»Pass gut auf mein kleines Brüderchen auf«, ergänzte Tyler und küsste ihn auf die Wange.

»Ich dachte, wir gehen essen«, erkundigte sich Riley, dessen Aufregung kaum noch auszuhalten war. Hibbelig trat er von einem Fuß auf den anderen.

»Das tust du auch, nur eben mit mir allein. Bist du bereit?«

Riley nickte.

Einen Moment später wurde ihm die Augenbinde abgenommen und er blinzelte gegen die plötzliche Helligkeit an. Doch so hell war es nicht. Der Raum, in dem er sich befand war in angenehmes Kerzenlicht getaucht. Verwirrt sah er sich um und entdeckte Tyler, der ihm zuzwinkerte und dann die Wohnungstür schloss.

»Na, weißt du wo wir sind?«

Rileys Blick wanderte umher. Das Appartement war ihm sehr wohl vertraut. Hier hatte er fast drei Jahre mit Sean zusammengewohnt, bevor er in das Penthouse gezogen war. Hier hatte Sean ihm Lesen und Schreiben beigebracht. Hier hatte er ihm alles Lebenswichtige mit auf den Weg gegeben, um sich selbständig in der großen Welt zurechtzufinden, die ihm immer noch fremd war.

Es schien sich nichts verändert zu haben. Die Möbel standen an ihrem Platz, die Bücherwand und das Klavier sahen genauso aus, wie er sie bei seinem Auszug verlassen hatte. Und doch war etwas anders. Im Kamin brannte ein Feuer. Eine große und kuschelig aussehende Decken- und Kissenlandschaft war davor ausgebreitet worden. Abseits davon war der Tisch gedeckt und es roch herrlich nach Essen. Auf dem Tisch selbst brannten etliche Teelichter, die einen angenehmen Duft von Vanille und Zimt verströmten.

»Was … was … wie kommst du …«, mehr brachte Riley nicht heraus. Die Überraschung war ihnen gelungen. Er hatte mit vielem gerechnet, doch weder mit diesem Anblick und schon gar nicht mit Gabriel.

Gab stellte sich vor ihn, hob die Hand und legte sachte einen Finger auf Rileys Lippen. Schon bei dieser kleinen Berührung begannen die Schmetterlinge in seinem Bauch einen wilden Tanz aufzuführen.

»Ich gebe zu … ich hatte Hilfe von Sean und Tyler. Okay, Sams Freundin hat mir auch geholfen, sonst wäre ich nie rechtzeitig fertig geworden.« Gab lächelte ihn mit strahlenden Augen an. Sein Finger, der eben noch seine Lippen berührt hatte, streichelte ihm liebevoll über die Wange. »Keine Ahnung, ob Sean es dir schon erzählt hat oder nicht, doch es ist Zeit, dass ich aufhöre mich wie ein Idiot zu benehmen. Besser gesagt … wie ein in Selbstmitleid ertrinkender Idiot.« Sein Lächeln wurde verwegener. »Ich möchte mich bei dir entschuldigen, einfach für alles. Und ganz nebenbei möchte ich dich zur Abwechslung verwöhnen.«

»Entschuldigen? Für was entschuldigen?« Irritiert blickte er Gab an, wobei er ihm in jenem Moment alles verziehen hätte.

»Weil ich mich nicht mehr bei dir gemeldet habe. Es war nicht richtig.«

Riley seufzte ergeben. »Dafür nicht«, flüsterte er und näherte sich langsam Gabs Gesicht. »Sean hat mir gesagt, was er vorhat, doch mehr auch nicht. Heißt das, du kennst die Wahrheit?«

»Ja … ja, ich kenne sie. Er hat mir alles erzählt.«

»Und du bist mir nicht böse, weil ich … weil ich dich angelogen habe?« Rileys Kehle war auf einmal ganz trocken.

»Nein.« Gab schüttelte den Kopf. »Jetzt, wo ich es weiß, könnte ich niemals böse auf dich sein. Aber ich gebe zu, dass es für mich auch nicht leicht ist, das alles zu verdauen. Bisher war ich nie mit solchen Sachen konfrontiert. Ich bin wohlbehütet zu Hause aufgewachsen, hatte Freunde, wir haben jede Menge Unsinn angestellt und in den Tag hineingelebt. Wir haben sprichwörtlich die Nacht zum Tag gemacht. Daher hoffe ich, dass du mir verzeihen kannst, wenn ich mich erst noch daran gewöhnen muss.«

Rileys Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er legte Gabriel beide Arme in den Nacken und sie sahen sich tief in die Augen. Saphirblau traf auf Graublau.

»Eigentlich müsste ich mich bei dir entschuldigen.«

»Niemals«, hauchte Gab ihm entgegen.

Im nächsten Moment trafen sich ihre Lippen zu einem zärtlichen und doch hingebungsvollen Kuss. Gab war so sanft und er ließ ihn alles um sich herum vergessen. Wie in eine Seifenblase eingehüllt existierten nur noch sie beide, während er sich fest an ihn schmiegte und nie wieder missen wollte.

Als sie sich schließlich voneinander lösten, blickten sie sich mit einem glücklichen Lächeln an. Dann schnappte Gab Riley bei der Hand und zog ihn hinüber zum Tisch. Wie ein Gentleman, nahm er ihm zuerst die Lederjacke ab, um ihm daraufhin den Stuhl zurechtzurücken.

Neugierig beobachtete er, wie Gab den Backofen öffnete und zwei Teller herausholte. Es war Pizza und nicht eine gekaufte, sondern sie war selbstgemacht. Gab stellte die Teller auf den Tisch, lief zurück und holte aus dem Kühlschrank eine Flasche Rotwein.

»Ich gestehe, die hat Sean besorgt. Ich kenne mich da nicht so wirklich aus, was zu welchem Essen am besten passt.«

Zwinkernd schenkte er zuerst Riley ein und dann sich selbst. Zum krönenden Abschluss setzte er sich und betätigte einen Knopf an einer kleinen Bedienung und aus den Lautsprecherboxen im Wohnbereich erklang leise Klaviermusik.

»Womit habe ich das verdient? Das riecht richtig lecker. Hast du die selbst gemacht?« Riley wusste nicht, wie ihm geschah. So viel brach so plötzlich über ihn herein. Es war einfach unbeschreiblich schön.

Gab grinste. »Nicht fragen, einfach genießen. Der Teig ist selbstgemacht und auch die Deko ist von mir. Nur beim Saubermachen hatte ich Unterstützung. Hier hat schon lange keiner mehr gewohnt.«

»Seit Sean in der neuen Villa wohnt, kam keiner mehr hierher«, bestätigte Riley. »Auf der Couch habe ich früher geschlafen. Aber jetzt genug geredet, ich habe Hunger.«

Beide lachten und nahmen das Besteck zur Hand.

© Madison Clark

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Ohne große Worte entlasse ich euch heute aus diesem Abschnitt. Ihr dürft schon auf die restlichen zwei Türchen gespannt sein.

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2 Kommentare zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 22.12.2016

  1. Oh man war das schön ! Danke.
    Ich freue mich schon übelst auf die letzten Türchen. Auserdem muss ich zugeben, daß mir die Geschichte so gut gefällt, das ich sie gern irgendwann als Taschenbuch besitzen würde. Gibt es da eine Chance?
    LG, Conny

    • Das freut mich sehr Constanze 😀
      Und eine gute Nachricht habe ich für dich auch. Angel’s Guardian wird als Taschenbuch und ebook erhältlich sein. Die Veröffentlichung ist für den Januar 2017 geplant, aber ein genaues Datum kann ich leider noch nicht sagen, aber ich gebe es auf jeden Fall auf meinem Blog bekannt, sowie bei FB und Twitter.
      LG Madi

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