Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 21.12.2016

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Hier kommt Türchen 21. Ohne viele Worte entlasse ich euch heute gleich mal zum Text. Bin gespannt, was ihr dazu sagen werdet.
Und natürlich könnt ihr HIER alle Türchen nachlesen.

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Türchen 21

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So nervös, wie Gabriel sich momentan fühlte, war er das letzte Mal gewesen, als er seinen Eltern erzählte, dass er mit dem weiblichen Geschlecht nichts anfangen konnte. Auf dem Weg von seiner Wohnung zum Black Desire war er seine Worte mindestens zehn Mal durchgegangen. Doch nun stand er vor dem fünfstöckigen Gebäude, blickte hinauf zum Penthouse, und wusste nicht mehr, was er sagen wollte. Sein Kopf war wie leergefegt. Seine Gefühlswelt war dafür umso chaotischer. Seit Tylers gestrigem Besuch fühlte er sich mies. Nicht, weil Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte, sondern, weil er sich wie ein mieser Idiot aufgeführt hatte.

Gabriel waren gleich mehrere Dinge bewusst geworden. Angel hatte weder mit seinen Gefühlen gespielt, noch je beabsichtigt, das tun zu wollen. Inzwischen war ihm auch klar, warum Angel ihm die Wahrheit verschwiegen hatte. Er selbst hätte auch nie gewollt, dass jemand von diesem schrecklichen Albtraum erfuhr. Es gab nur eine einzige Sache, die Gabriel nicht verstand, vielleicht auch niemals verstehen würde. Warum tat Angel sich freiwillig das an, wozu er früher niemals eine Wahl gehabt hatte? Die Antwort darauf konnte nur Angel ihm geben.

Seufzend trat er die aufgerauchte Zigarette mit dem Absatz aus und machte sich auf den Weg zum Hintereingang. Einerseits hoffte er niemandem zu begegnen, andererseits vermisste er Angel wahnsinnig und wollte ihn wiedersehen. Denn auch darüber war er sich zu hundert Prozent sicher, seine Gefühle für ihn waren noch genauso intensiv wie beim ersten Mal, wenn nicht sogar noch intensiver. Gabriel wollte ihn wieder lachen sehen, ihn berühren, ihn in den Arm nehmen und ihm Sicherheit geben. Er wollte für ihn da sein und würde ihm so gerne die Welt zeigen.

Doch dazu musste er seinen inneren Schweinehund besiegen. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch kam er an der Hintertür an, die er jedoch verlassen vorfand. Wehmütig blickte er über die Schulter, in der Hoffnung, Angel könnte mit Henry um die Ecke biegen. Aber er blieb allein. Ohne weiter darüber nachzudenken, betrat er das Gebäude  und hielt direkt auf den Aufzug zu.

Plötzlich hörte er ein Bellen. Freudig wirbelte Gabriel herum und sah Henry, der auf ihn zu rannte. Lachend ging er in die Hocke und begann das kleine Fellknäuel zu streicheln. Insgeheim hoffte er, Angel würde jeden Moment auftauchen.

»Hey du Kuscheltiger«, rief eine Stimme den Flur entlang. Als die Person näher kam, erkannte er Jamie. Er sah genauso verboten gut aus wie bei ihrem ersten Treffen. Nur dieses Mal trug er einen dicken Rollkragenpullover anstatt der aufreizenden Lederweste.

»Er ist doch eher ein Kampfhund«, warf eine zweite Stimme ein.

Gabriel nahm einen dunkelhäutigen jungen Mann an Jamies Seite wahr, der in eine dicke Jacke und einen Schal eingewickelt war. Beide hielten sich die Hand. Der Fremde blickte ihn mit leuchtenden dunklen Augen an und lächelte.

»Ich glaube eher, Henry ist ein Schlitzohr«, antwortete Gabriel, holte drei Hundeleckerli aus der Jackentasche und hielt sie dem Hund vor die Schnauze. Mit zwei Happen waren sie weg. »Er weiß, dass ich seit Neustem immer etwas für ihn einstecken habe.«

»Hi Süßer«, sagte Jamie und zwinkerte ihm zu. »So sieht man sich wieder.«

»Hi«, kam es von Gabriel, der wieder mal die Röte im Gesicht aufsteigen spürte und aufstand.

»Ihr kennt euch?«, erkundigte sich der junge Mann an Jamies Seite.

»Ich hätte ihn letztens beinahe zu Tode erschreckt«, sagte dieser. »Gabriel war dein Name, oder?«

Er nickte.

»Das hier ist Charly. Wir zwei passen zurzeit auf den kleinen Vielfraß auf.«

Gabriel nickte beiden zu und schluckte merklich. »Ist … ist Angel nicht da?«

»Nein. Er hat etwas gefaselt, dass er bis morgen beim Chef bleibt«, sagte Charly. »Und weil beim Chef so schöne teure Sachen rumstehen und der kleine Kampfhund schon einmal etwas kaputt gemacht hat, kümmern wir zwei uns um ihn. Dann hat der Club zur Abwechslung wenigstens mal einen Wachhund.«

Charly und Jamie prusteten los und auch Gabriel musste lachen. Henry bellte.

»Was ist denn hier so lustig, ich will auch mitlachen«, ertönte eine weitere Stimme, die Gabriel nur zu gut kannte.

Schlagartig erlosch sein Lachen und er biss sich fahrig auf die Unterlippe. Sean kam direkt auf sie zu, in der Hand hielt er eine Tasse mit dampfendem Kaffee.

»Wir finden nur, Henry gäbe den perfekten Wachhund ab«, antwortete Charly kichernd.

»Ihr und eure Ideen.« Sean grinste und sah dabei Gabriel tief in die Augen. Während er weitersprach, hielt er den Blickkontakt zu ihm aufrecht. »Wolltet ihr nicht eine Runde mit ihm spazieren gehen?«

»Sind schon unterwegs, Chef«, antwortete Jamie und küsste Charly auf den Mund. »Komm, Schatz.«

»Wir sehen uns doch bestimmt noch mal, oder?«, wandte sich Charly im Vorbeigehen ein letztes Mal an Gabriel. »Wer für Henry Leckerli einstecken hat, der kommt sicherlich öfter vorbei.«

»Gab ist unser künftiger IT-Administrator und wird Tyler und Sam ein wenig unter die Arme greifen«, beantwortete Sean die Frage und schüttelte amüsiert den Kopf. »Also keine Sorge, Charly. Du wirst ihn ganz sicher wiedersehen. Und jetzt macht die Fliege, wir zwei haben ein wichtiges Gespräch zu führen. Stimmt doch, oder?«

»Ähm … ähm … ja«, brachte Gab mühsam über die Lippen und senkte verlegen den Blick.

»Gut, dann gehen wir am besten in mein Büro.«

Keine fünf Minuten später saß Gabriel Sean gegenüber, der es sich auf seinem Bürostuhl gemütlich gemacht hatte. Er hielt die Tasse in der Hand und nippte gelegentlich daran.

Bedröppelt sah er ihn aus den Augenwinkeln an, wusste jedoch nicht, wo er anfangen sollte. Sein Herz hämmerte ihm bis zum Hals und er begann nervös die Finger zu kneten. Auf dem Weg hierher wusste er noch genau, was er sagen wollte, jetzt kam er sich wie ein dummer Schuljunge vor, der vor dem Direktor saß und seine Strafe erwartete.

»Ich gehe davon aus, du hast dich beruhigt?«, fragte Sean gerade heraus. »Scheint, dass mich meine Menschenkenntnis wohl doch nicht im Stich gelassen hat. Wie du wahrscheinlich von den beiden unten schon gehört hast, Riley ist nicht da.«

Gabriel nickte. »Ja … «, sagte er zögerlich. »Er … er ist bei dir.«

»Riley ist eher bei Finn. Ich habe die letzte Nacht hier geschlafen. Der Stress vor den Feiertagen ist manchmal wirklich heftig. Da ist mir die Fahrt durch die halbe Stadt dann zu viel.«

»Verstehe.«

»Möchtest du mir etwas sagen?« Sean blickte ihn auffordernd über den Tassenrand hinweg an.

Gabriel seufzte, schluckte den Kloß in seinem Hals herunter und nahm all seinen Mut zusammen. »Es … es tut … es tut mir leid«, nuschelte er. »Ich habe überreagiert. Ich … ich wollte dich nicht … schlagen. Und … und ich wollte auch nicht…«. Er unterbrach sich, holte einmal tief Luft und begann von neuem. Der Knoten, der sich inzwischen in seinem Magen gebildet hatte, zog sich immer mehr zusammen. »Kurz gesagt, ich bin gekommen, um mich bei dir zu entschuldigen. Und auch bei Tyler. Ich war ein Arschloch, das sehe ich ein. Aber als du mir die Bilder gezeigt und mir dann erzählt hast, was es damit auf sich hat, da sah ich nur noch rot. Ich wusste nicht mehr, wohin mit meinen Gefühlen. Es war alles so viel auf einmal. Ich will mich nicht rausreden oder so, ich möchte mich nur aus tiefstem Herzen entschuldigen und hoffe, dass ihr mir verzeihen könnt.«

Nachdem er geendet hatte, senkte Gabriel den Blick.

Die Stille, die sich nach seinen Worten im Raum ausbreitete, zerrte an seinen Nerven. Doch Sean ließ sich Zeit. Schließlich sah Gabriel ihn an. Sean hatte die Tasse abgestellt und die Arme vor der Brust verschränkt.

»Es freut mich, dass du zur Vernunft gekommen bist«, antwortete ihm sein Gegenüber. »Die Entschuldigung ist angenommen.«

Gabriel fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen.

»Bei Tyler musst du dich selbst entschuldigen, aber der hat heute seinen freien Tag. Und für Riley kann ich auch nicht sprechen. Daran sollte es allerdings nicht scheitern.«

»Wird er mir überhaupt zuhören?«, erkundigte sich Gabriel, der am liebsten sofort mit Angel geredet hätte. Doch einfach anrufen wollte er ihn auch nicht.

Sean lächelte ihn beruhigend an. »Anders gefragt … warum sollte er das nicht? Ihr zwei hattet keinen Streit. Er weiß aber auch, dass ich mit dir geredet und du die Bilder gesehen hast. Glaub mir, wenn ich dir sage, er wartet höchstwahrscheinlich sehnsüchtig darauf, dass du dich bei ihm meldest.«

»Wirklich?« Gabriels Herz schlug vor Freude schneller. Die Angst, die er eben noch verspürt hatte, war verflogen.

Sean nickte. »Eine Sache möchte ich dir noch sagen, denn ich finde, du solltest alles wissen. Und damit meine ich nicht nur, dass du eine gute rechte Faust hast. Es liegt mir nämlich fern euch beide am Ende unglücklich zu sehen.«

Augenblick kehrte der Stich in Gabriels Magengegend zurück. Überrascht starrte er ihn an.

»Es ist besser so.«

Gabriel seufzte. »Okay. Aber dann musst du mir eine Frage beantworten, die ich einfach nicht verstehe. Aber zuerst du.«

»Gut.« Sean lehnte sich nach vorne und nahm den Kugelschreiber in die Hand, der vor ihm auf dem Tisch lag. Nervös spielte er damit, während er sprach. »Riley hat jahrelang … während seiner Zeit bei Luther … in einem Hundezwinger gelebt. Daher hat er auch Angst vor geschlossenen Räumen. So lange er die Kontrolle darüber hat, ist alles gut. Leider hat Edward … dieser Hurenbock … das ausgenutzt, als er ihn mit vierzehn kaufte. Er hat Riley einfach eingeschlossen. Riley, der dachte, endlich aus dem Höllenpfuhl entkommen zu sein, sah rot. Also hat er den Kopf so lange gegen die Wand geschlagen, bis er blutend und ohnmächtig einen Tag später von Edward gefunden wurde. Er hat ihn in ein Krankenhaus gebracht und den Ärzten irgendein Märchen aufgetischt. Am Ende wurde er im Krankenhausbett fixiert und mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt. Er lag fast zwei Wochen auf einer Überwachungsstation. Riley wurde medikamentös mit Psychopharmaka behandelt. Seitdem hat er nicht nur Angst vor Ärzten, sondern auch vor Krankenhäusern. Das ist der Grund, warum mein Freund Lian ihn behandelt. Er kennt ihn und auch seine Geschichte.«

Gabriel schluckte. Obwohl es ihm immer noch sehr schwer fiel das alles zu verkraften, blieb er erstaunlich ruhig. Dennoch blutete ihm das Herz, wenn er nur daran dachte, was er bisher alles erfahren hatte.

»Sorry, wenn ich das jetzt sage«, sagte Gabriel leise, »denn über Tote schimpft man nicht, vor allem, wenn man sie nicht gekannt hat … aber Edward war ein Arsch.«

Sean lachte. »Er war noch mehr als das. Sei froh ihn nicht gekannt zu haben. Ich bedaure mit ihm verwandt zu sein. Der Nachname ist das einzige, was ich je mit ihm gemeinsam hatte. Früher hat er mich regelmäßig verprügelt und mit Tyler hat er es genauso gemacht. Und nachdem wir beide ausgezogen waren, hat Riley alles abbekommen.«

Erneutes Schweigen breitete sich aus. Gabriel war wütend, doch dieses Mal weder auf Sean noch auf Riley.

»Es … es tut so weh, das zu hören«, sagte er, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hatte. »Gleichzeitig fühle ich mich geehrt. Du vertraust mir anscheinend und das bedeutet mir wiederum sehr viel. Und ich möchte noch einmal wiederholen, wie leid es mit tut, was vorgestern passiert ist.«

»Wir vergessen das einfach. Wer weiß, vielleicht hätte ich an deiner Stelle genauso reagiert. Wichtig ist jetzt nur, dass dir bewusst wird, auf was du dich einlässt, wenn eure Freundschaft tiefer gehen sollte. Und nun zu deiner Frage.«

»Danke«, antwortete Gabriel und seine Frage kam ihm plötzlich so unwichtig vor. Daher winkte er ab. Dafür hatte er eine spontane Idee. »Ist nicht so wichtig. Doch ich könnte ausnahmsweise bei etwas deine Hilfe benötigen.«

© Madison Clark

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Jetzt die große Frage, was hat Gabriel vor? Jemand eine Idee? 😉
Wir lesen uns dann morgen … das große Finale rückt immer näher.

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Ein Kommentar zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 21.12.2016

  1. Ich konnte jetzt ewig viele Kapitel auf einmal lesen. Stress hat also auch seine Vorteile 😉
    Einiges hat mich nicht wirklich überrascht, anderes hingegen schon. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Kapitel!

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