Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 19.12.2016

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Ihr erwartet bestimmt schon sehnsüchtig Türchen Nr. 19 und hier ist es auch schon. Ihr dürft gespannt sein.
Und wer alle Türchen nachlesen möchte, der kann es HIER tun.

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Türchen 19

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»Ach wirklich?« Gabriel hielt es nichts mehr auf dem Stuhl und er sprang auf. Mit zu Fäusten geballten Händen fixierte er Sean, der weiterhin stur aus dem Fenster schaute. »Ist dein Callboy wirklich so feige, dass er es mir nicht selbst sagen kann?« Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus, und er spürte, wie seine Beherrschung allmählich verloren ging. Wie von einer Tarantel gestochen stürmte er auf Sean zu, packte ihn an der Schulter und riss ihn grob zu sich herum, so dass beide sich tief in die Augen blickten. »Die anderen Bilder sind doch nur gut gemachte Fakes. Willst du mich etwa verarschen?«

»Nein! Die Bilder sind alle echt.«

»Dann sag mir verdammt noch mal, warum du sie mir gezeigt hast?« Gabriel begriff einfach nicht, was das alles bedeutete. Hass brodelte in ihm. Hass auf sein Gegenüber. Hass auf Angel, der scheinbar nur mit ihm gespielt hatte. Hass auf diesen ganzen Laden hier.

»Also gut, hör‘ zu. Riley wurde mit Acht von seinem Vater an einen Menschenhändlerring sprichwörtlich verschachert«, begann Sean leise zu erzählen und sah zur Seite. Ihm war anzumerken, dass er ebenfalls um seine Fassung rang. »Dieser Arsch war in der damaligen Drogenszene sehr bekannt, für seine Ausschweifungen ebenso wie für die Tatsache, dass er ständig pleite war. Eines Tages konnte er seine Schulden nicht mehr bezahlen, also hat er im Suff kurzerhand seinen Sohn an Luther verkauft. Luther war und ist bis heute ganz groß im Geschäft. Mein Vater früher … und ich heute … versuchen so viele Jungs wie nur irgend möglich von der Straße zu holen, bevor er sie in die Hände bekommt. Wer einmal in seinen Fängen ist, kommt nicht mehr lebend dort heraus. Die Polizei ist schon seit Jahrzehnten hinter ihm her, doch sie können ihm einfach nichts nachweisen. Aber ich schweife ab. Luther hat Riley also gekauft und zur Kinderpornografie gezwungen. Er und ein halbes Dutzend weitere Jungs und ein paar Mädchen wurden systematisch missbraucht, für Videos, Bilder und noch ein paar Dinge mehr.« Sean machte eine kurze Pause, schluckte merklich, dann fuhr er fort. »Ich hasse meinen Vater Edward … ich hasse ihn wirklich … doch einmal in seinem Leben hat er tatsächlich etwas Gutes getan. Angel wäre beinahe nach Russland an einen besonders grausamen Zuhälter verkauft worden, doch Edward konnte diesen stinkreichen Hurenbock überbieten und nahm Riley mit nach Hause. Die Bilder, die du gesehen hast, wurden bei seiner Ankunft in unserem Haus gemacht. Doch leider war Edward … soll er bis in alle Ewigkeit in der Hölle schmoren … nicht gerade einer von der sanften Sorte. Schläge waren bei ihm an der Tagesordnung. Zuerst ich, dann Tyler und am Ende auch Riley. Er hielt sich Riley wie einen Toy-Boy. Zum Leidwesen von Tylers Mum. Riley und sie sind immer aneinandergeraten und ehrlich gesagt, ich konnte beide Seiten verstehen. Bis Edward überraschend starb. Ich habe Riley sofort bei mir aufgenommen und versuche ihm zu helfen, wo ich nur konnte. Das tu ich auch heute noch. Und genau das ist der Grund, warum ich wollte, dass du das siehst.«

»Du bist ein Arschloch!«, schleuderte Gabriel Sean entgegen, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. All sein Zorn, all sein Hass entluden sich mit einem Mal. Gabriel holte aus und donnerte Sean seine Faust mit voller Wucht aufs Kinn. »Ich bin fertig mit euch!«

Mit Tränen in den Augen rannte er aus dem Büro und wollte nur noch so weit weg wie möglich, sich einfach irgendwo in einer dunklen Ecke verkriechen und niemanden mehr sehen.

***

Seufzend rieb sich Sean den Unterkiefer. Der Schlag hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Angeschlagen setzte er sich auf seinen Bürostuhl und starrte auf den Bildschirm. Das Logo vom Black Desire war zu sehen. Es handelte sich dabei um seine Eigenkreation. Sein Vater hätte es sicherlich als modernen Unsinn abgetan, wie so vieles, was Sean seit der Übernahme des Clubs verändert hatte. Unweigerlich musste er an Edward und Riley denken. Er hätte schon vor acht Jahren handeln sollen, damals, als das Drecksschwein das sich sein Vater nannte, Riley von Luther abgekauft und mit nach Hause gebracht hatte. Damals hatte Edward geprahlt, wie billig er ihn erworben hatte. Und das auch nur, weil Riley zu diesem Zeitpunkt für die pädophilen Arschlöcher zu alt und eher für die Zuhälter interessant geworden war, die aber bei weitem nicht so gut zahlten wie die Privaten.

Doch genauso wie damals waren ihm heute die Hände gebunden. Zurzeit herrschte ein wackliger Frieden zwischen Luther und ihm. Das einzig Gute an der Gesamtsituation war, dass William weit über die Stränge geschlagen war, wenn auch auf Kosten von Riley. Und Luther hatte sich tatsächlich bei ihm telefonisch gemeldet. Nun hatte er etwas bei Luther gut.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken. Bevor er hereinbitten konnte, öffnete sie sich bereits und Tyler und Matt kamen herein. Ihnen war anzusehen, dass sie im Severraum weit mehr getan hatten, als nur brav zu warten. Beide nahmen auf den Stühlen vor Seans Schreibtisch Platz und musterten ihn neugierig.

»Ich glaub das jetzt nicht … ihr vergnügt euch da drüben und ich bekomme hier eine reingehauen.« Sean schüttelte den Kopf und massierte sich das Kinn.

»Er hat dir tatsächlich eine verpasst?« Tyler biss sich angestrengt auf die Unterlippe, um sein Grinsen zu verbergen.

»Jetzt werd du nicht auch noch frech«, konterte Sean. »Es war schließlich deine bescheuerte Idee.«

»Es war keine bescheuerte Idee«, warf Matt ein, der Tyler gegen den Oberarm boxte.

»Ach nein? Ihr habt ihn nicht erlebt. Ich habe ja schon etliche Ausraster am eigenen Leib zu spüren bekommen, aber das hier … das war eher ein Drama.« Sean dachte an Gabriels Zittern. »Er wusste überhaupt nicht mehr, wie ihm geschah.«

»Dafür kennt er nun endlich die Wahrheit«, sagte Tyler. »Ich gebe zu, Matt kennt Gab besser als ich, doch ich habe ihn kennengelernt und weiß wie er tickt.«

»Vor allem sollte man nicht vergessen«, bedeutete Matt und blickte Sean mit ernster Miene an. »Was bringt es beiden, wenn sie sich ineinander verlieben und ihre Beziehung von Anfang an auf Lügen aufgebaut ist? Für Riley ist das wahrscheinlich noch schlimmer, als für Gab. Gab ist wirklich ein herzensguter Mensch. Inzwischen sind wir fünf Jahre befreundet … gut befreundet … und in Sachen Liebe ist er genauso unerfahren wie Riley.«

»Das mag sein«, räumte Sean ein. »Doch nicht jeder kann mit der Wahrheit umgehen. Ich weiß nur eines, Gabriel hat jetzt jede Menge, woran er zu knabbern hat.«

»Gab hat sein Herz am richtigen Fleck«, sagte Matt und stand auf. Er lief zum Fenster und sah, wie zuvor Sean, hinaus über die Skyline der Stadt. »Unser Süßer wird sich schon bald beruhigen, da bin ich mir sicher. Außerdem erinnere ich ihn vorsichtshalber daran, dass er einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Aber mal abgesehen davon … ich hatte auch mit der Wahrheit zu kämpfen, als du sie mir gesagt hast.«

Sean sah Tyler an, der den Kopf senkte und auf dem Stuhl ein wenig nach unten rutschte. Sein kleiner Bruder und er hatten vor gut einem Jahr vor derselben Entscheidung gestanden, wie heute mit Gabriel. Doch Sean wusste auch, er hätte niemals eine gute Geschäftsbeziehung mit Matthew aufbauen können, wenn er nicht auch gewusst hätte, was wirklich hinten den Kulissen vor sich ging. Tyler hatte ihn schlichtweg angefleht, Matt ins Vertrauen zu ziehen und er hatte es bis heute nicht bereut. Im Gegenteil, inzwischen waren sie richtig gute Freunde und nicht nur geschäftlich ein gutes Team. Sean hatte Matt auch einiges zu verdanken.

»Und wie geht es Riley?«, erkundigte sich Tyler.

»Der ist bei Finn. Er hat bei uns übernachtet. Und Finn freut sich natürlich, weil er wenigstens einen Grund hat die Schule zu schwänzen.«

Matt lachte leise und Tyler fiel mit ein. Sean schüttelte nur den Kopf und beobachtete Matt, der sich ihnen wieder zuwandte und an die Fensterbank lehnte.

»Riley ist doch hoffentlich nicht mit seinem Auto gefahren?« Matt bedachte ihn mit einem verwegenen Schmunzeln.

»Du glaubst doch wohl nicht, dass die beiden Weihnachtshoppen?«

»Und ob«, unterbrach er ihn.

»Ich würde mal so behaupten, großer Bruder«, sagte Tyler und fing an zu grinsen, »dass du demnächst bei dir und hier anbauen kannst. Vor allem, wenn Riley seine Kreditkarte einstecken hat. Er hört bei allem auf Finn, der natürlich weiß, was ein junger Mann von Welt alles besitzen muss. Vielleicht war es doch keine so gute Idee ihn auf andere Gedanken zu bringen. Du weißt, wenn die beiden zusammen sind, sind sie ein eingeschworenes Team. Unser guter Finn hat Angel noch lange nicht alles von der modernen Technik beigebracht, was er denn so alles wissen sollte.«

Alle drei lachten.

»Rotzlöffel«, brummelte Sean, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. »Themawechsel. Hat sich deine verehrte Frau Mutter schon verabschiedet? Immerhin hat mich ihr Besuch über fünfhunderttausend Pfund gekostet.«

»Lass mich bloß mit Rose in Ruhe«, sagte Tyler und zog eine Grimasse. »Sie hat mich gestern angerufen und sich verabschiedet. Irgendwas von einem neuen Lover hat sie gelabert und dass sie nicht vorhat in nächster Zeit zurückzukommen.«

»Der Hölle sei Dank. Wann steigt die große Party?«, erkundigte sich Sean, der Tyler nur zu gut verstehen konnte. Rose und er hatten sich nie wirklich gemocht, aber ihren leiblichen Sohn hatte sie einfach im Stich gelassen.

»Sobald sie mir ihre Eigentumswohnung überschrieben und mir ihren Wagen überlassen hat.«

© Madison Clark

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Nun ist sie raus, die grauenhafte Wahrheit. Ich gehe davon aus, damit hat niemand gerechnet, oder? Ob sich Gabriel beruhigt und wie es mit Angel weitergeht, das erfahrt ihr Morgen.

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