Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 17.12.2016

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Hier kommt das Türchen Nr. 17 … und heute mit ein paar Details aus Rileys Vergangenheit. Die werden übrigens noch einen großen Stellenwert bekommen. Mehr möchte ich nicht verraten. Ich wünsche euch dann mal viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln.
Und HIER findet ihr alle Türchen zum nachlesen.

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Türchen 17

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Unzählige Gedanken schossen Riley durch den Kopf. Er stand vor dem Spiegel im Badezimmer und betrachtete sich. Die Platzwunde ziepte ein wenig. Erinnerungen schwirrten durch seinen Kopf, und ihm wurde schaudernd bewusst, dass er sprichwörtlich mit einem blauen Auge davon gekommen war. Er konnte von Glück reden, dass William nicht bis zum Äußersten gegangen war, und ihm keine Verletzungen zugefügt hatte, die weitere sichtbare Narben hinterließen. William hatte schon früher keinerlei Grenzen oder Regeln gekannt.

Rileys körperliche Stigmata waren zwar mittlerweile gänzlich verheilt, hatten jedoch schlimme Narben hinterlassen. Nicht umsonst trug er die Tattoos auf Brust, Rücken und der Hüfte. Die schwarzen Zeichnungen auf seiner Haut verdeckten die Zeichen seiner Vergangenheit. Nelly hatte großartige Arbeit geleistet, obwohl sie nur sehr ungern und erst auf mehrmaliges Bitten von Sean Rileys vernarbtes Fleisch mit der Tätowiernadel behandelt hatte. Die Schmerzen während der zahlreichen Sitzungen würde er sicherlich nie vergessen, doch dafür hatten sie ihm ein ganz neues Leben geschenkt.

Sexuelle und psychische Gewalt sowie andere körperliche Übergriffe waren Riley nicht fremd. Dies alles hatte ihn seit seiner frühesten Kindheit begleitet. Sean und Tyler wussten es. Ebenso Matt und Lian. Gabriel hingegen durfte es nie erfahren.

Ein Klingeln an der Tür und Henrys Bellen holten ihn abrupt zurück in die Gegenwart. Er wandte sich vom Spiegel ab, zog rasch seine Boxershorts und eine schwarze Jeans an und schlüpfte, während er zur Tür lief, in ein dunkles Langarmshirt. Als er öffnete, stand ihm Sean gegenüber.

»Seit wann klingelst du?« Verwirrt sah er ihn an. »Das ist deine Wohnung und du hast einen Schlüssel.«

»Ich wusste nicht, ob du vielleicht noch… schläfst«, antwortete er mit einem Schmunzeln.

»Das sind ja ganz neue Töne von dir.« Riley schüttelte mit hochgezogener Augenbraue den Kopf, drehte sich um und ging geradewegs in die Küche. »Willst du was trinken?«

Sean, der zuerst Henry begrüßte, folgte ihm und setzte sich an den Tisch. »Falls noch ein Schluck von Charlys köstlichem Kaffee da ist, nehme ich gerne eine Tasse.«

»Da hast du Glück. Bevor er heute Morgen gegangen ist, hat er mir eine Kanne vor die Tür gestellt.«

Beide lachten. Charly, einer der dunkelhäutigen Callboys, sah nicht nur verdammt gut aus und konnte die Männer verführen wie kein zweiter, er hatte es außerdem drauf einen der besten Kaffees ganz Londons aufzubrühen. Ganz altmodisch, mit Filterpapier und heißem Wasser. Das tat er immer nach seiner Schicht in der Gemeinschaftsküche, und bevor er seine neue Schicht antrat. Riley und er hatten daher ausgemacht, dass er ihm stets eine Kanne extra zubereitete. Riley ohne Kaffee, das war schlichtweg unmöglich.

»Und? Wie geht’s dir?«, erkundigte sich Sean, nachdem Riley ihm den letzten Rest aus der Kanne in eine Tasse gegossen und diese vor ihm abgestellt hatte.

Riley lehnte sich an die Arbeitsplatte und beobachtete ihn, wie er zwei Stück Zucker in den Kaffee warf und einen großen Schluck Milch dazugab. Seans Auge war immer noch geschwollen und an seiner aufgeplatzten Lippe hatte sich eine Kruste gebildet. Die Handknöchel beider Hände waren mit Verbandsmull bandagiert. Das hatte sicherlich Lian getan und ihm dann mit irgendwas gedroht, sonst hätte er die Verbände längst abgenommen.

»Mir geht’s gut«, log Riley und verschränkte die Arme vor der Brust. Körperlich ging es ihm den Umständen entsprechend auch gut, obwohl etwas in ihm sich seltsam anfühlte.

Mit einem »Hm« quittierte Sean die Antwort und nippte an der Tasse. »Hat Gabriel bei dir übernachtet?«

Überrascht senkte Riley den Blick und fühlte sich ertappt. Er schluckte einen Kloß im Hals herunter und nickte, ohne seinen besten Freund anzuschauen.

»Das ist doch toll. Oder nicht?«

»Wenn du das sagst.«

»Moment mal.« Sean stand auf und kam zu ihm herüber. Er legte einen Finger unter Rileys Kinn und zwang so ihn anzusehen. »Ich gestehe … ich habe vorhin Gabriel aus dem Penthouse kommen sehen und er trug neue Klamotten. Deine. Du kannst mir nicht verübeln, dass ich dann neugierig bin.« Er machte eine kurze Pause und seine Hände griffen nach Rileys Oberarmen. »Du hättest ihn wohl kaum gebeten zu bleiben, wenn du ihn nicht mögen würdest. Erinnere dich an unser Gespräch vom Freitag. Gabriels Herz sitzt am richtigen Fleck. Du musst keine Angst haben.«

Kaum waren die Worte verklungen, spürte Riley wieder seinen beschleunigten Herzschlag. Das geschah immer, wenn Gabriel bei ihm war, wenn er ihn küsste und auf ganz sanfte Art berührte oder auch wenn er nur daran dachte. Es war ein Gefühl, dass er weder bei Sean noch bei Tyler jemals empfunden hatte.

»Ich habe keine Angst«, antwortete Riley leise. »So genau weiß ich eigentlich gar nicht, was ich überhaupt habe.« Er ließ Sean stehen und lief ins Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa setzte und Henry zu sich rief, der augenblicklich angerannt kam und es sich auf seinem Schoß gemütlich machte. Sein bester Freund kam ihm nach und nahm neben ihm Platz.

»Was ist los? Du hast doch etwas«, bohrte er.

Seufzend schüttelte Riley den Kopf. »Nein … oder ja … ach ich weiß es nicht«, druckste er herum und schämte sich.

»Ich würde vorschlagen, du fängst am besten von vorne an. Wir haben ausgemacht, dass du mir immer sagst, wenn dich etwas bedrückt. Also raus mit der Sprache. Geht es um Luther oder vielleicht um William? Um beide musst du dir keine Sorgen machen.«

»Um William vielleicht nicht, aber was mit Luther? Er wird es doch erfahren?« Ängstlich klammerte er sich an Henrys weichem Fell fest.

»Dieser alte Sack soll sich um seine eigenen Sachen kümmern«, antwortete Sean mit scharfem Unterton. »Er und seine Leute haben hier nichts zu suchen. Wir haben einen Deal. Ich halte mich daran, aber einer seiner Männer hat das nicht getan. Glaub mir, William wird das zu spüren bekommen. Ich gehe davon aus, dass Luther sich spätestens heute Abend bei mir melden wird. Ansonsten wird Christopher ihm einen Besuch in meinen Auftrag abstatten. Ein Anruf genügt.«

Obwohl die Worte Riley beruhigten, war das merkwürdige Gefühl nicht verschwunden. Es hatte auch nichts mit dem nächtlichen Vorfall oder seiner Vergangenheit zu tun, sondern vielmehr mit Gabriel.

»Es geht auch nicht darum«, sagte Riley nach einem Moment der Stille. »Es … es ist … wie soll ich dir das erklären«, stammelte er und spürte die Hitze in sich aufsteigen, zusammen mit dem unbeschreiblich, ungewöhnlichen Gefühl. Er holte tief Luft, ließ sie langsam entweichen und beschloss einfach gradeheraus auszusprechen, was er empfand. »Es geht um Gabriel. Wenn er mich ansieht, mich berührt … und … und wenn er mich küsst, dann ist alles plötzlich so anders. Mir wird dann warm und kalt gleichzeitig, mein Herz rast und meine Kehle ist ganz trocken. Bei dir und Tyler ist das nicht. Bei niemandem, nur bei Gab. Sobald er vor mir steht, bekomme ich ganz weiche Knie und in meinem Bauch fühlt es sich an … als … als würden…«

»Als würden Schmetterlinge herumwuseln?«, beendete Sean den Satz.

Verblüfft sah Riley ihn an. »Ja. Sie gehen auch nicht weg. Wenn er nicht hier ist, ist es sogar noch schlimmer. Die ganze Zeit muss ich an ihn denken und frage mich, wann ich ihn wiedersehe. Das ist doch nicht normal.«

Sean lehnte sich zurück und presste die Lippen fest aufeinander. Plötzlich brach es aus ihm heraus und er fing lautstark an zu lachen. Henry schreckte hoch, bellte und gab erst wieder Ruhe, als Riley ihn auf dem Boden absetzte.

»Was ist denn jetzt los?«

»Sieh mir bitte fest in die Augen und wiederhole, was du mir eben gesagt hast«, bat Sean und grinste breit von einem Ohr zum anderen.

»Warum?« Riley war nur umso verwirrter. Was war daran so lustig? Er verstand es nicht.

»Okay, es geht auch so. Vielleicht glaubst du mir das nicht, aber genau das fühle ich immer, wenn Finn bei mir ist und noch schlimmer, wenn er nicht bei mir ist. Genauso geht es ihm und Tyler und Matt. Und so vielen anderen Menschen. Das ist etwas ganz normales. Und ich gehe jede Wette ein, dass Gabriel genauso fühlt.«

»Ah … okay … aber … aber was ist es?« Seans Worte irritierten ihn mehr, als dass sie ihm seine Frage beantworteten.

»Ganz einfach, mein Kleiner. Du hast dich in Gabriel verguckt. Anders gesagt … Riley, du hast dich Hals über Kopf in Gabriel verliebt.«

Riley starrte ihn sprachlos an. Sein Puls schoss in die Höhe und die Schmetterlinge in seinem Bauch flatterten wild umher.

»Schau mich nicht an wie Herbie, der Käfer auf Freiersfüßen.« Seans Grinsen wirkte auf einmal total ansteckend. »Lass das Gefühl zu … du hast es dir verdient. Mehr als alle anderen, die ich kenne. Ich gebe dir noch einen gut gemeinten Rat mit auf den Weg. Sei einfach du selbst und genieße die Zeit, die du mit ihm verbringst. Alles andere kommt von ganz allein. Und jetzt komm her, damit ich dich umarmen kann.«

© Madison Clark

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Nein, ich bin doch nicht neugierig 😉 Aber ist mir die Überraschung mit Schmunzeleffekt gelungen?
Ab morgen erwarten euch dann noch weitere Überraschungen.

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