Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 16.12.2016

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Hier kommt es auch schon … Türchen Nr. 16. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
Und HIER könnt ihr natürlich auch alle Türchen nachlesen.

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Türchen 16

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»Ich bin hier«, hörte er Angels Stimme. »Kaffee ist schon gekocht, du kannst aber auch gerne Tee haben, wenn dir das lieber ist.«

Gabriel lächelte, erhob sich und machte sich mit Henry im Schlepptau auf den Weg zur Küche. Angel saß über eine Tasse mit dampfendem Inhalt gebeugt und blätterte in der Tageszeitung. Neben ihm stand immer noch der volle Aschenbecher von letzter Nacht. Darin lag eine brennende Zigarette, deren Rauch er jedoch kaum roch.

»Wenn Sean das sieht, schimpft er«, rügte er ihn lachend.

»Ich streiche ihm die Wände und die Decke«, gab Angel grinsend zurück. »Sag an … Kaffee oder Tee?«

»Kaffee, bitte.«

Während Gabriel sich setzte, stand Angel auf, nahm eine Tasse aus dem Schrank und schenkte ihm aus einer kleinen Kanne ein. Danach stellte er sie vor Gabriel ab.

»Hier sind Milch und Zucker.« Er deutete auf eine offene Flasche Milch und eine Packung Würfelzucker. »Falls du etwas essen möchtest, dann kann ich dir Eier machen. Sorry, aber ich frühstücke morgens nie.«

»Ich auch nicht. Und mein Lebenselixier trinke ich schwarz. Danke.«

Beide lachten und Gabriel schnappte sich eine Zigarette. Genussvoll nippte er an dem Kaffee, der herrlich schmeckte und beobachtete nebenbei Angel. Der lehnte sich auf dem Stuhl zurück, zog ein Bein hoch auf die Sitzfläche und umschlang sein Knie mit gefalteten Händen. Da er immer noch oberkörperfrei war, stachen seine blauen Flecken im Tageslicht noch deutlicher hervor. Augenblicklich erinnerte er sich daran, was gestern geschehen war und der Stich in der Magengegend kehrte zurück.

»Wie geht’s dir heute Morgen?«, wollte Gabriel wissen und zündete sich die Zigarette an.

»Soweit ganz gut. In ein paar Tagen sieht man bestimmt schon nichts mehr.«

»So hatte ich das nicht gemeint«, hakte er nach. »Willst du wirklich nicht zur Polizei gehen?«

Angels sanfter Gesichtsausdruck verwandelte sich schlagartig in eine Maske. Er drehte den Kopf zur Seite und seufzte kaum hörbar. Ohne Gabriel anzusehen sagte er schließlich. »Sean hat das erledigt. Das reicht mir. Ansonsten will ich weder daran denken noch darüber reden. Du sollst das auch nicht tun.« Eine kurze Pause trat ein, dann sah Angel ihn wieder an. »Du kannst dir nicht vorstellen wie dankbar ich bin, dass du nicht gegangen bist.«

Anstatt zu antworten stand Gabriel auf und ging vor ihm in die Hocke. Er nahm Angels Hände in die seinen und blickte ihm von unten tief in die Augen. Es kam ihm vor, als würde sich hinter diesem leuchtenden Saphirblau eine unaussprechliche Angst verstecken, eine namenlose, tief sitzende Furcht, verborgen durch einen Schleier der Traurigkeit. Umso aussagekräftiger waren seine Worte. »Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber dein Vertrauen mir gegenüber bedeutet mir sehr viel. Das Einzige was ich möchte ist, dass es dir gut geht.« Anschließend erhob er sich und hauchte ihm einen sanften Kuss auf den Mund.

»Danke«, flüsterte Angel, legte beide Hände in Gabriels Nacken und zog ihn nah an sich heran. Nasenspitze an Nasenspitze blickten sie sich tief in die Augen. »So jemanden wie dich habe ich noch nie kennengelernt.«

Bereits im nächsten Moment waren sie in einem sanften, fast schon zurückhaltenden Kuss gefangen, der dennoch mehr war als nur ein Kuss. Es fühlte sich an, als suche Angel Schutz und Gabriel war nur allzu bereit ihm diesen jederzeit zu gewähren. Innerhalb eines Sekundenbruchteiles kehrte die Ameisenarmee zurück und versetzte seinen Bauch in Aufruhr.

»Glaubst du an das Schicksal?«, fragte er Angel, nachdem sie einander losgelassen und Gabriel wieder am Tisch Platz genommen hatte.

»Wie meinst du das?«

»Nun ja … ich bin hierhergekommen, um einen einfachen Job anzunehmen, doch ich habe mehr gefunden, als ich es je für möglich gehalten hätte. Verstehst du? Ich habe dich kennengelernt.«

Angel lächelte ihn an und nickte. »Wenn du das so sagst, dann glaube ich an das Schicksal.«

Gabriel schien zu schweben. Allerdings rief er sich zur Räson. Er wollte Angel nicht einfach überfallen, vor allem nicht nach gestriger Nacht. Aber er war egoistisch genug, mehr zu fordern, wenn Angel es zuließ.

Er erhaschte aus den Augenwinkeln einen Blick auf die Uhr und erschrak. »Verdammt! Schon halb elf! Warum hast du mich nicht geweckt?«

»Ganz ruhig.« Angel schüttelte amüsiert den Kopf. »Sean reißt dir nicht den Kopf ab, wenn du einmal zu spät kommst. Ansonsten sagst du ihm einfach … ich bin schuld.«

»Ähm … gute Idee. Trotzdem sollte ich mich jetzt besser beeilen.«

»Ich mache dir einen Vorschlag. Du trinkst jetzt in Ruhe deinen Kaffee und dann gehst du duschen. Der Serverraum ist gleich nebenan. Also läuft er dir nicht weg. Außerdem glaube ich kaum, dass Sean schon da ist.«

»Dein Wort in Gottes Gehörgang.«

Beide prusteten los und Henry, der bis eben ruhig unter dem Tisch gelegen hatte, sprang auf und fing lautstark an zu bellen.

Wenige Minuten später verschwand Gabriel im Badezimmer. Einen Augenblick fragte er sich, ob er sich verlaufen hatte. Sprachlos wanderte sein Blick umher. Der Raum war mindestens so groß wie das Schlafzimmer, und von oben bis unten mit weißgrauen, extragroßen Fliesen ausgekleidet. In die Decke waren Strahler eingelassen, die alles in ein sanftes Licht tauchten. In der Mitte entdeckte er eine breite Duschkabine. Dort wo der Wasserhahn und der Temperaturregler sich befanden, war die Kabine gefliest, die restlichen drei Wände bestanden vollständig aus Glas. Doch das allein machte diese Dusche nicht so einmalig. Ein quadratischer Duschkopf war in die Decke integriert und ringsherum leuchteten kleine Lichter, die alle paar Sekunden von Blau, zu Rot, zu Grün und Weiß wechselten und dann wiederholte sich der Farbverlauf.

Immer noch verblüfft von so viel Luxus umgeben zu sein, ging er zu einem Regal hinüber, wo er sich ein sauberes Handtuch herausnahm. Neugierig wie er war, besah er sich auf einem weiteren Glasregal über dem Waschbecken die vielen Cremes und Parfümfläschchen, die Angel gehörten. Zu gerne hätte er an jedem einzelnem gerochen, doch er musste sich beeilen. Angel tat zwar sein Zuspätkommen als Witz ab, doch er wollte Sean nicht verärgern.

Gabriel zog sich aus und legte seine Kleidung auf einem Hocker ab, der in der Ecke stand. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass es hier schön warm war. Den Grund bemerkte er, nachdem er barfuß über den Fliesenboden lief. Hier gab es eine Bodenheizung. Und er ging jede Wette ein, dass auch der Rest des Penthouses damit ausgestattet war, denn Heizkörper hatte er bisher nicht gesehen, aber ebenso wenig gefroren.

Gerade als er in die Duschkabine stieg, fiel ihm im Spiegel sein Veilchen unter dem linken Auge auf. Wutschnaubend wandte er sich ab. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Doch im Gegensatz zu Angel, war er glimpflich davon gekommen. Selbst Sean und Matt hatten mehr eingesteckt als er.

Ohne weiter darüber nachzudenken drehte er das Wasser auf. Unter einem lichtdurchfluteten warmen Wasserfall verpuffte sein Ärger im Handumdrehen. Neugierig betätigte er die Regler vor sich und stellte die Wärme und Intensität des Wassers ein. Wenn er gekonnt hätte, er wäre den ganzen Tag hier geblieben.

Leider unterbrach er den Komfort der angenehmen Dusche viel zu früh. Dafür freute er sich wie ein kleiner Junge an Weihnachten, dass er Angel jetzt den ganzen Tag über an sich riechen würde, denn er hatte sein Duschbad benutzt. Kurz darauf trocknete er sich ab und zog sich wieder an.

Kaum hatte er das Bad verlassen, rief Angel ihn zu sich ins Schlafzimmer. Er folgte der Aufforderung und fand ihn vor dem riesigen Kleiderschrank, dessen Türen alle offen standen.

Angel grinste ihn breit an. »Da ich immer noch davon ausgehe, dass wir die gleiche Größe haben, möchte ich dir etwas schenken.« Dabei griff er nach einer Bluejeans, an der noch das Preisschild hing. »Die möchte ich dir schenken … ach ja … und das auch noch.«

Konsterniert nahm Gabriel die Hose entgegen und hätte beinah vergessen zu atmen, als er die Zahlen auf dem Schild las. Fünfhundertfünfzig Pfund für ein Stück Stoff, das künstlich gebleicht und absichtlich mit Rissen und Aufnähern behandelt worden war. Seine Jeans, die er gerade trug, hatte keine zwanzig Pfund in einem Billigladen um die Ecke gekostet.

»Das hier … und das dazu«, sagte Angel mehr zu sich selbst und drückte ihm noch ein schwarzes T-Shirt und einen olivgrünen, dünnen Pullover in die Hand. Als er sich den Pullover näher betrachtete, erkannte er den Schriftzug Prada darauf und grinste.

»Du bist ja völlig verrückt«, flüsterte Gabriel.

»Vielleicht«, gab Angel feixend zurück. »Schau dir mal den Schrank an. Das ganze Zeug kann ich niemals im Leben anziehen. Ich bekomme so viel … von … von … Freunden geschenkt, da kann ich dir ruhig was davon abgeben.«

»Na gut, wenn du meinst.« Gabriel schüttelte den Kopf. »Ich hoffe nur, dass mir die Klamotten wirklich passen.«

»Tun sie. Du ziehst dich an und ich gehe unter die Dusche. Ach ja … und heute Mittag gibt es ganz klassisch Spaghetti Bolognese.« Angel zwinkerte ihm zu und gab ihm einen Klapps auf den Hintern. »Pünktlich um ein Uhr.«

Mit großen Augen sah er ihm hinterher, und mit einem Mal packte ihn die Neugier. Eilig zog er sich aus und die neuen Kleidungsstücke an. Angel hatte Recht, sie passten wie für ihn gemacht. Nach einem prüfenden Blick in einen mannshohen Spiegel, den er zwischen Schlafzimmer und Bad im schmalen Flur fand, segnete er sein neues Erscheinungsbild zufriedenstellend ab. Nun musste er aber wirklich los.

Gabriel verabschiedete sich noch von Henry und verließ das Penthouse. Gerade als er sich umdrehte und zum Serverraum laufen wollte, kam ihm ein grinsender Sean entgegen.

»Guten Morgen«, sagte er. »Neue Klamotten? Steht dir ausgesprochen gut.«

»Ähm … danke«, presste Gabriel verlegen zwischen zusammengepressten Lippen hervor.

© Madison Clark

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Ich sag jetzt nur … erwischt 😉 außerdem will ich ganz dringend so ein Bad. Wer noch? Och und gegen ein paar hyperteuere Designerklamotten hätte ich nichts einzuwenden.
Morgen geht’s weiter … ich sage nur … lasst euch überraschen.

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