Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 14.12.2016

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Wisst ihr, dass in 10 Tagen schon Weihnachten ist? Man, die Zeit vergeht wie im Flug. Heute habe ich euch natürlich das Türchen Nr. 14 mitgebracht. Am Ende gibt es sogar was zum Schmunzeln.
Die bisherigen Türchen findet ihr HIER.

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Türchen 14

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Gabriel war verwirrt, traurig und so voller Wut. Er wusste nicht wohin mit seinen Gefühlen. Am liebsten hätte er Angel fest in den Arm genommen und nicht mehr losgelassen. Aber vermutlich war Henry zurzeit wohl der bessere Seelentröster für ihn.

»Wer ist Lian?«, wollte er schließlich wissen.

»Seans bester Freund und Arzt. Wenn einer der Jungs ärztliche Hilfe braucht, behandelt er sie. Erspart eine Menge Zeit und vor allem Ärger.«

Gabriel nickte, obwohl er nur die Hälfte von dem verstand, was ihm Tyler da erzählte.

»Angel hat panische Angst vor Krankenhäusern«, klärte Tyler ihn auf, als er seinem fragenden Blick begegnete. »Seit ich ihn kenne, bekommst du ihn weder in ein Krankenhaus noch zu einem Arzt. Und Lian hat sich bereit erklärt auch Hausbesuche zu machen, wenn es mal sein muss. Denn eigentlich arbeitet er in der Notfallambulanz.«

»Dann soll er bitte herkommen.«

Tyler erhob sich und suchte nach seinem Handy. Kurz darauf hatte er es gefunden, tippte eine Nummer ein und sprach mit jemandem. Demnach, was Gabriel aus seinen Worten heraushörte, handelte es sich um Lian persönlich.

Während Tyler telefonierte, zog er seine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und steckte sich eine an. Es war ihm gerade sowas von egal, ob Sean das billigte oder nicht. Er musste sich selbst beruhigen und das klappte am besten, wenn er eine rauchte. Als Tyler nur wenige Momente später wieder auflegte, schnappte er sich mit einem Zwinkern ebenfalls eine Zigarette aus Gabriels Schachtel und zündete sie an.

Schweigend saßen sie da und rauchten noch zwei weitere Zigaretten, bis es an der Tür klingelte. Tyler sprang auf und öffnete. Herein trat ein dunkelhäutiger und äußerst attraktiver Mann. In der einen Hand hielt er eine Arzttasche. Er wirkte ziemlich besorgt.

»Ihr hattet Glück, dass ich gerade in der Nähe war«, sagte er mit tiefer, volltönender Stimme.

»Danke, dass du so schnell gekommen bist«, antwortete Tyler und führte ihn erst einmal an den Küchentisch. »Darf ich vorstellen: Das ist Gabriel. Gabriel, das ist Lian.«

Gabriel stand auf und sie reichten sich die Hand, dann setzte er sich wieder.

»Wo ist Sean? Und wo ist Riley? Und vor allem, was ist passiert?«

»Das erzählt dir am besten Gab. Ich bereite Angel schon mal darauf vor, dass du ihn untersuchen wirst.« Mit diesen Worten verschwand Tyler.

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch berichtete Gabriel was geschehen war, und endete niedergeschlagen damit, dass Angel sich mit dem Hund zurückgezogen hatte.

»Was für ein Arsch«, zischte Lian und seufzte. »Nun denn, dann werde ich ihn mir mal ansehen.«

Er verließ ihn mit einem bitteren Lächeln und blieb allein am Tisch zurück. Es machte ihn halb wahnsinnig nichts tun zu können, sondern zum Abwarten verdammt zu sein. Um seinen Frust ein wenig zu lindern, stellte er sich vor, was er mit diesem William alles tun würde, wenn er ihm jemals über den Weg liefe. Ihm so lange in die Weichteile treten, dass er ohne Schmerzen nie mehr laufen könnte, war nur eine von vielen Fantasien, die er sich zusammenreimte. Er verstand einfach nicht, wie ein Mensch zu etwas so Widerwärtigem fähig sein konnte. Zwar hatte er viel im Fernsehen und über die Nachrichten gehört, darunter auch vieles, was er bis dahin für unmöglich gehalten hatte. Doch es nun wirklich und persönlich mitzuerleben, das Gefühl der Hilflosigkeit zu spüren, war das Schlimmste, was er bisher durchmachen musste. Es schnürte ihm förmlich den Brustkorb zu, wenn er daran dachte, was noch alles hätte geschehen können, wären Matt und er nur ein wenig später in den Hinterhof gekommen.

Gedankenversunken steckte er sich eine weitere Zigarette an und wurde kurz darauf von einem dezenten Räuspern überrascht. Als er aufblickte standen Sean und Matt vor ihm.

Sean sah grauenhaft aus, wirkte aber sehr mit sich zufrieden. Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn und er hatte ein dick geschwollenes rechtes Auge, sowie eine aufgeplatzt Lippe. Sein blaues Hemd war mit Blutspritzern übersäht und auch seine Bluejeans war dreckig und seitlich aufgerissen. Er hielt sich vorsichtig die Rippen. Am deutlichsten stachen seine blutverkrusteten Handknöchel hervor. Matt hatte wohl auch ordentlich zugelangt, denn sein weißer Pullover und seine Hose wiesen rote Spritzer und schmutzige Stellen auf.

»Oh Gott … wie seht ihr denn aus?« Gabriel warf die Zigarette in den Aschenbecher, sprang auf und lief auf sie zu. »Habt ihr den Drecksack bekommen?«

»Haben wir«, antwortete Sean und setzte sich mit einem leisen Stöhnen an den Tisch. Matt folgte seinem Beispiel.

Gabriel suchte zwei Gläser und wollte ihnen gerade Wasser einschenken, als Sean ihn zurückhielt. »Schau mal in der Bar dort drüben. Ich brauche jetzt dringend etwas Stärkeres.«

Wenige Augenblicke später kehrte Gabriel mit einer Flasche Whisky zurück und schenkte den beiden ein. Auch er genehmigte sich einen Schluck. Die goldene Flüssigkeit brannte in seiner Kehle, entfaltete aber beinahe augenblicklich ihre Wirkung.

»Und jetzt erzählt mal«, forderte Gabriel sie auf. »Oder muss ich es euch aus der Nase ziehen?«

Matt lachte leise und Sean schloss sich ihm an, brach aber sofort mit schmerzverzerrtem Gesicht ab. Schließlich begann Sean zu reden. »Wir haben William zu Hause abgefangen. Dieser Mistkerl wollte sich tatsächlich zu Luther absetzen. Genau wie ich mir das schon dachte. Zum Glück konnten wir ihn vorher noch erwischen.«

»Kurz gesagt«, fuhr Matt fort, »hat er die Prügel seines Lebens kassiert. Zuerst hat er sich gewehrt, wie du sehen kannst, aber dann konnte ich ihn festhalten und Sean hat ordentlich ausgeteilt.«

»Künftig wird er keinen mehr hochkriegen. Der Hurenbock vergreift sich nie mehr wieder an unschuldigen jungen Männern. Sein neues Gebiss wird ganz schön teuer werden und vielleicht muss er sich einen guten Augenarzt suchen. Ein guter Chirurg für sein gebrochenes Schienbein und für die Schulter könnte auch nützlich sein.«

Sean und Matt sahen sich an und grinsten.

»Ist nicht euer Ernst?« Überrascht und doch hämisch lachend starrte er die beiden an. Er hätte weder Sean noch Matt so etwas zugetraut. Aber dieser William hatte es schließlich auch nicht anders verdient. Vor Schadenfreude vergaß er ganz zu fragen, wer überhaupt Luther ist.

»Was ist nicht euer Ernst?«, fragte Tyler der mit Lian zurück in die Küche kam.

Matt wiederholte, was sie eben berichtet hatten und dann fiel er Tyler um den Hals. Sean und Lian begrüßten sich mit einem Handschlag. Anschließend nahmen alle am Tisch Platz und Gabriel schenkte jedem einen Whisky ein.

»Wie geht es Angel?«, erkundigte sich Gabriel schließlich.

»Ich habe es geschafft, dass er duschen geht«, antwortete Lian und wurde von einem lauten Bellen unterbrochen. Henry schoss wie von der Tarantel gestochen durch das Penthouse auf sie zu und gab erst wieder Ruhe, als Gabriel ihn auf den Schoss nahm und streichelte.

»Also Riley geht es den Umständen entsprechend«, sprach Lian einen Moment später weiter. »Er hat ein verstauchtes Handgelenk und Prellungen. Die Platzwunde am Kopf konnte ich mit einem Klammerpflaster behandeln. Die Nase ist zum Glück nicht gebrochen. Der Rest sind blaue Flecke und Hautabschürfungen. Naja, und natürlich ein paar kleine Risse im Analbereich. Körperlich hatte er Glück im Unglück. Seelisch sieht es allerdings schon ganz anders aus.«

»Er wird das schaffen. Ich kenne meinen Kleinen und weiß, wie stark er ist.« Sean sah in die Runde und alle nickten ihm zu, nur Gabriel nicht.

Dann verfielen sie in Schweigen. Henry kuschelte sich in Gabriels Arme und schloss die Augen, während Gabriel ihn hinter den Ohren zu kraulen begann.

Keine zehn Minuten später gesellte sich Angel zu ihnen. Seine Haare waren nass und er trug nichts weiter als ein Handtuch um die Hüften. Gabriel beobachtete ihn aus den Augenwinkeln heraus und erschrak. Sein Oberkörper war größtenteils blau und mit Prellungen übersäht. Und obwohl er so übel zugerichtet worden war, sah er in Gabriels Augen immer noch aus wie ein Engel. Zugleich versetzte ihm der Gedanke an das, was Angel erlebt hatte einen Stich in der Magengegend. Sein Herz raste und er widerstand nur schwer der Versuchung aufzustehen und ihn in den Arm zu nehmen.

Angel schnappte sich Seans halbvolles Glas, schenkte sich von dem Whisky nach und leerte es in einem Zug ohne abzusetzen. Anschließend stellte er das Glas ab und nahm sich aus Gabriels Zigarettenschachtel eine heraus.

»Ich glaube, wir lassen dich und Henry mal allein«, sagte Sean und stand auf. »Wir können morgen in Ruhe reden.«

Angel nickte kaum merklich.

»Bevor ich gehe, schaue ich mir aber noch eure Verletzungen an«, sagte Lian an Sean und Matt gewandt. »Und keine Widerrede.«

»Und ich muss dringend wieder zu Dean. Ich bin Hals über Kopf rausgerannt, er wartet sicher schon sehnsüchtig auf mich«, meinte Tyler und küsste Angel zum Abschied auf die Wange. »Halt die Ohren steif.«

Gabriel entließ den Hund auf den Boden, erhob sich ebenfalls und erhaschte Henrys irritierten Blick. »Du kümmerst dich jetzt um dein Herrchen«, flüsterte er ihm zu und fuhr ihm ein letztes Mal über den Kopf. Dann drehte er sich seufzend zur Tür und wollte gerade Matt folgen, als ihm etwas einfiel.

»Geht schon mal vor, ich habe was vergessen.« Eilig rannte er zurück und schnappte sich seine Zigaretten. »Sorry, Angel? Wo ist mein Pullover? Ich bräuchte ihn, sonst friere ich mir gleich auf dem Weg nach Hause den Hintern ab.«

»Wenn ich mich nicht irre, liegt er im Schlafzimmer. Warte, ich hole ihn dir.« Angel ging mit Henry an seiner Seite fort und kam nur einige Momente später wieder zurück. »Hier. Tut mir leid, aber der ist wohl nicht mehr ganz sauber.«

»Macht doch nichts. Dafür gibt es schließlich Waschmaschinen.« Gabriel lächelte.

»Wenn es dir nichts ausmacht, einem halbnackten, geschundenen Wrack beim Trinken zuzusehen, kannst du auch bleiben«, meinte Angel mit einem ironischen Unterton und zwinkerte ihm mit einem Seufzer zu.

»Äh … wir … wir sehen uns dann morgen«, war alles, was Gabriel daraufhin einfiel, sich umdrehte und langsam auf die offene Tür zu schritt. Doch dann wandte er sich wieder um. Angels Lächeln schien ihn herauszufordern. »Ähm, sag mal … hast du das etwa ernst gemeint?«

© Madison Clark

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Na, hatte ich euch nicht etwas zum Schmunzel versprochen? Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine zwei Süßen am liebsten die ganze Zeit knuddeln möchte?
Ihr dürft schon auf das morgige Türchen gespannt sein.

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