Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 13.12.2016

.

Hier kommt es … das Türchen Nr. 13 … und dieses Mal gibt es doch etliches zu verkraften.
Wer die vorangegangenen Türchen noch nicht gelesen hat, der findet sie HIER.

.

cover-angels-guardian

.

★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★

.

Türchen 13

.

Kurz darauf verließen Gabriel und Matt die Bar in Richtung Hintereingang, der in den Hinterhof führte. Dort würden sie wenigstens ungestört sein. Gabriel wäre lieber allein gewesen, doch seinen besten Freund konnte und wollte er nicht einfach wegschicken.

»Jetzt bin ich aber neugierig«, meinte Matt unverblümt und blieb ein paar Schritte vor der Tür stehen.

»Neugierig? Weswegen?« Gabriel sah ihn verwirrt an.

»Tu nicht so, als wüsstest du nicht wovon ich rede. Selbst Tyler ist es aufgefallen.«

Immer noch irritiert zuckte er mit den Schultern.

»Dir muss ich wohl alles aus der Nase ziehen.« Matt lachte. »Wie läuft es bei dir und Riley? Deutlich genug?«

Überrascht blickte Gabriel ihn an und schluckte merklich.

»Keine Sorge. Dein Geheimnis … oder sollte ich lieber sagen euer Geheimnis ist bei uns sicher.«

»Es ist kein Geheimnis.« Gabriel schüttelte den Kopf und lächelte verlegen. »Und keine Ahnung was ihr zwei euch da zusammenreimt, aber es ist alles in bester Ordnung.«

Matt zwinkerte ihm zu. »Deswegen redest du auch schon den ganzen Abend ständig nur von Riley. Dass ihr gemeinsam shoppen gewesen seid und er sein Geld vergessen hatte. Dass ihr euch in einem Café getroffen habt und er gestern bei dir zu Besuch war. Soll ich weiter machen? Witzig, dass Riley genau das gleiche gestern Abend bei Tyler getan hat. Müssten wir da etwas wissen?«

»Was solltet ihr denn da wissen müssen?« Gabriel spürte die Hitze, die sich in ihm ausbreitete. Ihm war bis eben nicht bewusst gewesen, dass er so viel über Angel gesprochen hatte. Die Tatsache, dass Angel bei Tyler ebenfalls über ihre gemeinsamen Unternehmungen gesprochen hatte, zeigte ihm, dass er es offenbar ebenso genossen hatte wie er, sonst hätte er wohl nichts darüber erzählt.

»Hm … wie soll ich sagen«, fing Matt an und grinste dabei. »Ihr zwei habt euch geküsst.«

»Das hat Angel Tyler gesagt?« Gabriel wäre am liebsten auf der Stelle im Boden versunken.

»Oh … du darfst ihn bei seinem Spitznamen nennen.« Matts Grinsen wurde noch breiter. Er lief weiter zur Tür und öffnete sie. »So gut kenne ich ihn persönlich auch nicht, aber dafür Tyler. Eigentlich weiß ich nur, dass er ein sehr zurückhaltender junger Mann …«

Mitten im Satz brach er ab. Von draußen hörten sie einen lauten Schrei, gefolgt von ordinären Flüchen.

»Du dreckige kleine Hure«, rief jemand. »Du wehrst dich ja gar nicht. Das scheint dir wohl zu gefallen, was? Du stehst wohl auf die harte Tour. Was will man von so einem wertlosen Stück Dreck auch schon erwarten. Ich fick dich so, dass du die nächsten zwei Wochen nicht mehr sitzen kannst.«

Erschrocken starrte Gabriel Matt an.

»Das kommt von da vorne«, Gabriel deutete in die Richtung, wo die Müllcontainer standen.

Seite an Seite rannten sie los. Als sie die Container erreichten, blieb Gabriel entsetzt stehen und stierte mit schockgeweiteten Augen auf die sich ihm darbietende Szene.

Angel lag auf dem schmutzigen Boden. Sein Oberkörper war halb nackt, seine Jeans bis zu den Kniekehlen heruntergezogen. Über ihm ein grobschlächtiger Kerl mit heruntergelassener Hose. Mit der einen Hand presste er Angels Gesicht fest auf den Asphalt, die andere fixierte seinen Oberkörper wie einen Schraubstock, während er mit einem dreckigen, kehligen Lachen gewaltsam in ihn eindrang. Er schaffte noch zwei grobe Stöße, bevor Gabriel und Matt ihn erreichten.

Gemeinsam stürzten sie sich auf den Mann, der sofort anfing, rücksichtslos um sich zu schlagen und Gabriel dabei einen heftigen Schlag aufs Auge verpasste. Getroffen taumelte er zwei Schritte zurück. Matt war jedoch gleich zur Stelle und riss den Fremden endgültig von Angel fort. Der begann sich wild zu wehren und entkam Matts Griff nur mit Müh und Not. Gabriel beobachtete, wie der Mann panisch davonrannte, ihm dicht auf den Fersen sein bester Freund.

Gabriel erwachte aus seiner Schreckstarre und kniete sich sofort neben Angel, der seinen Blick von ihm abwandte. Gabriels Herz raste. Vorsichtig nahm er Angels zitternde Hand in die seine und streichelte sie sanft.

»Shit … Angel. Bitte komm. Du … du musst von diesem kalten Boden aufstehen«, sagte er leise. Als dieser nicht reagierte und nur bebend vor sich hin starrte, fasste Gabriel ihn sachte unters Kinn und drehte seinen Kopf zu sich herum, um ihm in die Augen sehen zu können und ihn so zurück in die Wirklichkeit zu holen. Er sog scharf die Luft ein, als er Angels Gesicht erblickte. Seine Augen waren tränennass und seine Nase blutete heftig. Dieser miese Kerl hatte ihm offensichtlich einige kräftige Schläge ins Gesicht verpasst. Außerdem war die inzwischen gut verheilte Lippe wieder aufgeplatzt, und über der linken Augenbraue blutete er ebenfalls aus einer kleinen Platzwunde.

Eilig suchte Gabriel in seiner Hosentasche nach etwas, womit er das Blut abwischen konnte, fand jedoch nichts. Kurzerhand zog er seinen Pullover aus. Die Kälte, die an seinen nur noch mit einem T-Shirt bedeckten Oberkörper drang, nahm er gar nicht wahr, so konzentriert war er auf sein Tun. Anschließend half er Angel sich langsam aufzusetzen, wobei dieser leise stöhnte.

»Alles gut … der Typ ist weg«, sagte Gabriel mehr zu sich selbst. »Matt verfolgt ihn.«

Mit einem gequälten Seufzer blickte Angel zu ihm auf. In seinen Augen stand die Angst geschrieben. Er bebte am ganzen Körper. Gabriel wischte ihm vorsichtig und so gut es ging das Blut aus dem Gesicht, dann schlang er ihm seinen Pullover fest um die Schultern.

Fast im gleichen Moment kam Matt zurück. Laut nach Luft schnappend sagte er: »Der … der Typ … ist weg. Er ist … in sein Auto … gestiegen. Aber ich konnte … mir sein … Kennzeichen merken.«

»Wir müssen sofort die Polizei rufen«, sagte Gabriel und spürte, wie Angel sich an ihn drückte. Behutsam legte er den Arm um ihn.

»Keine … keine Polizei«, flüsterte er zitternd. »Sean … sag es Sean.«

Matt nickte knapp und verschwand.

»Kannst du aufstehen?«, fragte Gabriel und erhob sich.

Angel nickte und versuchte es, aber seine Knie waren so wackelig, dass er sich von Gabriel helfen lassen musste. Sein schönes Hemd lag komplett zerrissen am Boden, und die Hose rutschte ihm bis auf die Knöchel hinab. Eilig zog Gabriel ihm die Hose wieder hoch, knöpfte sie zu und nahm ihn fest in den Arm.

»Riley!«, Tyler kam in den Hinterhof gestürzt und eilte auf sie zu. »Was ist passiert?«, erkundigte er sich, als er bei ihnen zum Stehen kann.

»So ein Arsch hat … hat versucht…«, weiter kam er nicht, als bereits Sean in Begleitung von Matt auf sie zu gerannt kam.

Sean starrte entsetzt auf Angel, der ihn mit schmerzerfülltem Blick ansah.

»War es William?«, fragte er geradeheraus und ballte die Hände zu Fäusten. Urgewaltiger Zorn schien sich in ihm breit zumachen, als Angel mit einem kaum wahrnehmbare Nicken antwortete. »Den schnapp ich mir. Matt, kommst du mit?«

Matt nickte grimmig.

»Gut. Tyler, Gab, ihr beiden bringt Riley nach oben. Den Rest erledige ich.«

»Was hast du vor?«, wollte Gabriel wissen.

»Ich werde ihm eine Lektion erteilen, die er sein Lebtag nicht mehr vergessen wird«, antwortete Sean mit scharfem, kaltem Unterton.

»Dann will ich mit. Bitte, lasst mich mit euch gehen.«

»Nein. Bleib du mit Tyler bei Riley. Er braucht euch jetzt«, war alles, was Sean sagte bevor er zusammen mit Matt zu seinem Auto rannte.

Gabriel seufzte ergeben, denn obwohl er bisher immer ein sanftmütiger Mensch gewesen war, brodelte in ihm ein Vulkan aus Wut und Hass. Was er soeben erlebt hatte, war mehr als er ertragen konnte. Angel klammerte sich an ihn wie ein Ertrinkender auf Hoher See, was sich einerseits nicht übel anfühlte, aber ihn zugleich auch sehr traurig stimmte.

Tyler lief voraus und Gabriel folgte ihm langsam und vorsichtig mit Angel. Zusammen fuhren sie mit dem Aufzug nach oben. Im Penthouse angekommen rannte Henry auf sie zu und auf einmal war Angel wie ausgewechselt. Er ließ Gabriel los und nahm den Hund auf den Arm. Sofort schmiegte er sich an Henry, der sofort merkte, dass etwas nicht stimmte und Angel mit Hundeküssen überschüttete. Mit ihm auf dem Arm ging er ins Wohnzimmer und ließ Gabriel und Tyler wortlos stehen.

»Am besten lassen wir ihn einen Moment in Ruhe«, sagte Tyler leise und winkte Gabriel zu, am Tisch in der offenen Küche Platz zu nehmen.

Gabriel, der Angel am liebsten gar nicht allein lassen wollte, kam nur schweren Herzens der Aufforderung nach und setzte sich. Tyler holte drei Gläser aus dem Schrank, schenkte in jedes Wasser ein und stellte eines davon vor Gabriel ab. Eines brachte er zu Angel und kam wieder zurück.

»Heißt das, Sean kennt diesen … diesen William?«, fragte er aufgeregt. Gabriel musste sich stark zusammenreißen, denn am liebsten hätte er diesen Typen auf der Stelle zu Mus verarbeitet.

Tyler setzte sich ihm gegenüber. »Leider. Ich kenne ihn auch. Er war schon immer ein echt unangenehmer Kerl. Einmal hat er unten in der Bar randaliert und bekam daraufhin für ein Jahr Hausverbot, und er hat sich noch andere starke Stückchen geleistet. Aber das dieses Arschloch zu so etwas fähig ist…« Den Rest des Satzes ließ er unausgesprochen und schüttelte mehrmals den Kopf. »Sean wird ihn kriegen und fertig machen.«

»Sollten wir nicht besser die Polizei anrufen? Angel sollte vielleicht auch ins Krankenhaus. Er hat ganz schön was abbekommen.«

»Nein.« Tylers Tonfall ließ keinen Raum für Diskussionen und die darin mitschwingende Härte erschreckte Gabriel. »Zum einen weiß ich, dass du Angel nie im Leben in ein Krankenhaus kriegen wirst, und zum anderen, kann Lian sich das anschauen. Zu ihm hat er absolutes Vertrauen.«

© Madison Clark

.

Es tut mir leid für alle Beteiligten, doch am meisten für Angel. Ob Sean und Matt diesen Mistkerl kriegen werden?
Ihr dürft gespannt sein, denn noch ist nicht alles erzählt.

.

.

Advertisements