Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 12.12.2016

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Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen 3. Advent. Und ohne große Worte entlasse ich euch gleich in das Türchen Nr. 12 … kleine Warnung … das hat es in sich.
Wer alle Türchen nachlesen möchte, HIER könnt ihr es.

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Türchen 12

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Riley stieg aus dem silbernen Mercedes E-Klasse Coupé aus und war froh, dass dieser Abend endlich ein Ende hatte. Bevor er die Autotür schloss, drehte er sich noch einmal um.

»Angel, ich kann dir gar nicht genug danken, dass du mich auf diese Vernissage begleitet hast«, sagte Stephen lächelnd. »Und als kleines Extra möchte ich, dass du das hier nimmst.«

Stephen lehnte sich vom Fahrersitz herüber und reichte ihm ein Bündel Geldscheine.

»Danke. Das habe ich doch gern gemacht.« Er nahm das Geld an sich und ließ es augenblicklich in seiner Hosentasche verschwinden. »Wir sehen uns dann nächste Woche?«

»Falls meine Geschäftsreise nicht vorverlegt wird, ja. Ansonsten telefoniere ich noch mit Sean.«

»Dann hoffen wir mal das Beste«, antwortete Riley, winkte ihm zu und schloss die Tür.

Er wartete noch einen Moment, bis Stephen losgefahren war und machte sich dann seufzend auf den Weg in den Hinterhof des Black Desire. Stephen war wirklich ein angenehmer Zeitgenosse und einer der wenigen auf seiner Kundenliste, der stets großzügiges Trinkgeld gab. Allerdings mochte er es gerne hin und wieder verdorben. So wie in ihrer letzten gemeinsamen Nacht vor zwei Tagen. Stephen hatte es gern, wenn Riley ihn fesselte, die Peitsche schwang und zahlreiche Sexspielzeuge benutzte, um ihn zum Höhepunkt zu treiben.

Dass er ihn heute ausnahmsweise auf diese Kunstausstellung mitgenommen hatte, hatte Riley Sean zu verdanken. Er konnte mit seltsam deformierten Metallgegenständen, die zu einem undeutlich zusammengewürfelten Haufen zusammengeschweißt waren und solch hochtrabend klingende Titel wie »Das dritte Bein« und »Themse bei Nacht« nichts anfangen. Stephen hingegen verdiente sich damit seinen Lebensunterhalt und eine einzige dieser Skulpturen verkaufte er für nicht weniger als fünfhunderttausend Pfund.

Riley nahm sich vor Sean zur Rede zu stellen. Ganz egal wie viel Stephen für die nächste Vernissage auch springen lassen würde, er stand dafür definitiv nicht mehr zur Verfügung. Ein Besuch im Gruselkabinett war deutlich amüsanter, als der vergeudete Abend. Wobei seine Gedanken ohnehin nur bei Gabriel gewesen waren.

Gabs überraschender Kuss hatte ihn vollkommen aus der Bahn geworfen. Lange hatten sie dagestanden, sich geküsst und anschließend gemeinsam einen wunderschönen Nachmittag verbracht. Wenig später waren sie mit Henry in den Park gegangen, hatten in einem Café Halt gemacht und sich unterhalten. Doch es war zu keinem weiteren Kuss gekommen und Gab war weder aufdringlich noch fordernd gewesen. Leider hatte ein Anruf von Sean diesen Tag frühzeitig beendet.

Wenn er an den Grund dachte, kochte Riley innerlich vor Wut. Sean hatte einen Brief erhalten, in dem der Schreiber Riley drohte seine Vergangenheit öffentlich zu machen?

Wieso konnte seine Vergangenheit nicht in der Versenkung verschwinden? Warum tauchte sie immer wieder auf und machte ihm das Leben zur Hölle? Ein Abgrund, den er bis heute nicht überwunden hatte und der nun erneut drohte ihn in ein bodenloses Loch zu ziehen. Ob sich jemals daran etwas ändern würde?

»Guten Abend«, sprach ihn überraschend eine ihm nur allzu bekannte Stimme an. Erschrocken fuhr er zusammen und blickte zur Seite. »Hatte ich nicht gesagt, dass wir uns bald wiedersehen.«

»Was willst du schon wieder?«, fragte Riley und machte automatisch zwei Schritte zur Seite, als William zwei auf ihn zumachte. Instinktiv ballte er die Hände zu Fäusten, doch das Zittern darin konnte er weder verhindern noch überspielen.

»Es wird Zeit, dass ich dir … und vor allem deinem Boss endlich mal zeige, dass nicht er allein das Sagen hat«, antwortete William mit schneidendem Unterton. »Ich hatte die vergangenen Tage ein nettes Gespräch mit Luther. Er hat mir meinen Verdacht bestätigt.«

»Dann warst also du das mit dem Drohbrief«, stellte Riley fest.

»Du bist ja schlauer, als ich dachte.« William lachte hämisch. »Luther erzählte mir auch von Eddis kleinem Deal.«

Die Angst kroch in Rileys Glieder und in diesem Moment wünschte er sich Henry an seiner Seite. Obwohl er nur ein kleiner Hund war, waren seine Zähne umso schärfer. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und stellte sich seinem breit grinsenden Gegenüber.

»Lass Edward aus dem Spiel und vor allem Sean.«

»Sieh mal einer an … die Hure beschützt ihren verweichlichten Boss. Wie niedlich.« William verengte die Augen zu Schlitzen, spie ihm vor die Füße und packte Riley grob am Handgelenk.

»Lass mich los, du Arschloch«, giftete Riley zurück und versuchte sich loszureißen.

Doch stattdessen wurde Williams Griff umso fester und er schnappte sich auch noch das andere Handgelenk. Gewaltsam zog er ihn in eine Ecke zwischen die Mülltonnen im hinteren Bereich des Hofes.

»Was ist los? Früher hast du dich auch nicht gewehrt. Oder hat Sean dich schon so verhätschelt, dass du nicht mehr weißt, wo dein Platz ist?«

»Wenn du nicht aufhörst, rufe ich ganz laut und dann wirst du schon sehen, was du davon hast«, versuchte Riley ihm im Gegenzug zu drohen. Aber er wusste auch, dass es nur leere Worte waren. William hatte ihn genau dort hingebracht, wo weder die Überwachungskameras ihn sehen noch einer der Security Leute ihn hören würden.

»Wie ich dir schon gestern sagte … du solltest dringend ein paar Manieren lernen«, sagte William und warf Riley mit Schwung zu Boden. »Ganz besonders, wie man sich Männern gegenüber wirklich verhält. Du bist und bleibst eine Hure, und du hast dich entsprechend zu benehmen.«

Riley, der hart auf dem Beton aufkam, spürte einen Stich im rechten Arm, der ihn vor Schmerz die Lippen fest aufeinanderpressen ließ. Als er einen Moment später nachzulassen schien und Riley versuchte sich aufzurappeln, war William bereits bei ihm. Er setzte sich rittlings auf ihn und bog ihm beide Arme über den Kopf. Mit der einen Hand presste er sie fest auf den Boden, mit der anderen riss er an Rileys Kleidung. Dabei war er so grob, dass er das Hemd, welches er erst mit Gab gekauft hatte, mit einem einzigen Reißen zerfetzte. Ebenso brutal ging er mit dem Verschluss seiner Jeans um.

Vor Angst bebend war Riley wie festgefroren. Er konnte sich nicht bewegen. Aber er wusste auch, wenn er sich gegen William weiter zur Wehr setzen würde, würde es für ihn nur umso unangenehmer und schmerzvoller werden.

***

Lachend lehnte Gabriel sich zurück. Als er sich ein wenig beruhigt hatte, nahm er den letzten Schluck seines Cocktails und stellte das Glas auf dem Tresen ab. Matt hatte nicht übertrieben, als er ihm sagte, Tyler würde die besten Cocktails weit und breit mixen. Zudem liefen heute all seine Getränke über Tyler, also sozusagen aufs Haus.

Seit zwei Stunden saßen Gabriel und Matt an der Bar und unterhielten sich, während Tyler immer wieder hinzukam, wenn die Zeit es zuließ oder sein Barkeeper-Kollege Dean die Bestellung für ihn übernahm.

Obwohl Gabriel heute Vormittag immer noch unentschlossen gewesen war, als Matt ihn anrief und ins Black Desire einlud, waren seine Bedenken inzwischen längst verschwunden. Dass es nur ein Stockwerk weiter oben käufliche Liebe der etwas anderen Art gab, merkte man im Barbereich nicht. Es wirkte alles so normal, als würden sie gemeinsam in einer der anderen zahlreichen Bars Londons etwas trinken gehen. Mit vielleicht einem Unterschied. Hier liefen mehr attraktive junge Männer in anregenden Klamotten herum, als sonst wo. Doch keiner kam an Angel heran.

Das Fehlen von Angel war für ihn der einzige Wehrmutstropfen. Er vermisste ihn. Gestern hatte er endlich den Mut aufgebracht ihn zu küssen, und umso intensiver vermisste er jetzt das Gefühl, ihn an seiner Seite zu haben. Was in jenem gestrigen Moment in ihn gefahren war, konnte er sich selbst nicht erklären, doch es hatte sich richtig angefühlt. Riley hatte den Kuss sogar erwidert. Von da an war alles Drumherum nebensächlich gewesen.

»Hier … trink«, sagte Tyler und holte ihn aus seinen Gedanken zurück in die Gegenwart. Sein Freund stellte ihm ein weiteres Cocktailglas vor die Nase und zwinkerte ihm zu. Seine rehbraunen Augen leuchteten dabei verwegen.

»Wenn du so weiter machst, komm ich morgen mit einem heftigen Kater zur Arbeit.«

»Dann werde ich Sean einfach sagen, dass du dir frei nimmst«, sagte Tyler frech grinsend und kleine Lachfältchen bildeten sich um seine Mundwinkel. »Schon gut. Der Nächste für dich ist ohne Alkohol.«

»Wo ist Sean überhaupt?«, meldete sich Matt zu Wort und beugte sich leicht über den Tresen, um sich von Tyler einen Kuss abzuholen.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er seine beiden Freunde. Tyler war der Halbbruder von Sean, doch äußerlich hatten beide nicht viel gemein. Sie hatten einen gemeinsamen Vater, doch verschiedene Mütter. Während Sean dunkle Haare hatte, waren Tylers strohblond. Auch von der Statur her unterschieden sie sich. Sean war groß und sportlich, sein Halbbruder einen Kopf kleiner und schmaler. Zurzeit trug Tyler eine schwarze Jeans und darüber eine offene Lederweste, die seine natürliche Attraktivität unterstrich. In seinem aufreizenden Outfit, das alle Jungs trugen die hier arbeiteten, sah er sehr deutlich Tylers Schlangentattoo auf der rechten Schulter. Es zog sich den Oberarm hinauf und endete am Halsansatz.

»Der ist in seinem Büro«, antwortete Tyler, nachdem er und Matt sich wieder voneinander getrennt hatten. »Er wollte etwas herausfinden oder so etwas ähnliches. Fragt mich nicht.«

So genau wollte es Gabriel nicht wissen und nahm einen Schluck seines Hemmingways. Er schmeckte himmlisch. Doch er spürte allmählich auch den Alkohol. Ein kurzer Blick auf die Uhr über der Bar verriet ihm, dass es inzwischen weit nach dreiundzwanzig Uhr war. Riley hatte ihm gesagt, dass er gegen Mitternacht Zuhause sein wollte. Gabriel wusste, dass er heute Abend von einem Freund zu einer Vernissage eingeladen gewesen war, ansonsten hätte er ihn kurzerhand eingeladen mit ihm etwas trinken zu gehen.

»Wisst ihr was … ich schnappe mal kurz frische Luft,« meinte Gabriel und rutschte vom Barhocken. Ihm kam es weniger auf die Luft an, eher auf die Gelegenheit womöglich Angel treffen zu können.

»Gute Idee«, sagte Matt. »Ich komme mit.«

© Madison Clark

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Lebt ihr noch? Bitte nicht hauen, ich weiß, das war gerade harter Tobak. Nun die Frage, kommen Gabriel und Matt noch rechtzeitig? Was meint ihr?
Wir lesen uns dann morgen.

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Ein Kommentar zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 12.12.2016

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