Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 11.12.2016

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Wie die Zeit vergeht … jetzt haben wir schon das 3. Adventwochenende. Aber dafür habe ich heute ein sehr romantisches Türchen Nr. 11 für euch.
Und für alle, die die ersten zehn Türchen nachlesen wollen, die findet ihr HIER.

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Türchen 11

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Mit einem merkwürdigen Kribbeln im Bauch stand Riley vor Gabriels Haustür und atmete mehrmals tief durch. Henry blickte ihn immer wieder auffordernd an, weil er unbedingt weiterlaufen wollte, doch Riley tat keinen Schritt und starrte zwischen dem Namen neben der Türklingel und dem Hund hin und her. Immer wieder beschäftigten ihn Seans Worte. Ihr zwei hattet einen schönen Nachmittag zusammen, habt euch ein bisschen besser kennengelernt, und ich hab so das Gefühl, du magst ihn. Daran ist wirklich nichts Schlimmes.

Wenn es etwas so Normales war, warum fühlte es sich dann so komisch an? Das Herz hämmerte wild in seiner Brust und er hatte feuchte Hände. Dazu gesellte sich ständig die Angst, Gab könnte etwas über seine Vergangenheit herausfinden. Wenn das je passieren sollte, würde er sicherlich nichts mehr von ihm wissen wollen.

Ein Bellen riss ihn aus seiner Grübelei und Henry zog ungeduldig an der Leine.

»Nein, wir gehen jetzt nicht weiter«, sagte Riley und hob die Hand zum Klingelknopf. »Wir besuchen jetzt Gab.«

Als wollte Henry die Entscheidung befürworten, bellte er erneut und stupste ihn mit dem Kopf am Schienbein an. Riley klingelte und wartete.

»Ja«, hörte er Gabs Stimme durch die Sprechanlage.

»Ich bin‘s, Angel«, antwortete er und prompt wurde der Schließmechanismus der Haustür betätigt.

»Erster Stock, Wohnung Zwei.«

»Okay«, sagte Riley, öffnete die Tür und fand sich in einem schummerigen Hausflur wieder.

Henry, der offensichtlich Gabs Fährte aufgenommen hatte, zog ihn unweigerlich in die richtige Richtung. Sie stiegen die Treppe nach oben und bereits an der ersten Wohnungstür begrüßte Gabriel sie mit einem breiten Lächeln.

Heute sah er so total anders aus, als in den vergangen Tagen. Er hatte sich das Gesicht rasiert und die dunkelblonden Haare mit Gel stylisch verwuschelt. Dazu trug er eine verwaschene Bluejeans und ein schwarzes T-Shirt. Gabs graublaue Augen leuchteten und er ging in die Hocke, um Henry zu streicheln.

Riley machte den aufgeregten Hund von der Leine los. Freudig bellend und mit wedelndem Schwanz ließ er sich durch das weiche Fell kraulen, während Gab sich vergeblich gegen die nassen Hundeküsse zur Wehr zu setzen versuchte.

»Hallo, mein Kleiner. Ich freue mich auch dich zu sehen. Aber ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich dir verrate, das es mich am meisten freut, dass du dein Herrchen mitgebracht hast.« Augenzwinkernd erhob er sich und zu Rileys großer Überraschung zog er ihn fest in seine Arme.

Zuerst zögerlich, dann jedoch mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl, erwiderte er die Umarmung. Dabei stieg ihm wieder dieser erregende Duft von Gabs Aftershave in die Nase. Für einen Moment schloss er die Augen und glaubte fast zu träumen.

»Dann kommt mal rein in die gute Stube«, forderte Gab sie auf und es fiel Riley schwer sich von ihm loszureißen. Er hoffte nur, dass es nicht auffiel.

Neugierig und mit einer ordentlichen Portion Nervosität trat er ein und staunte. Die Zweizimmer-Wohnung war zwar nicht größer als sein Wohnzimmer, dafür wirkte sie viel gemütlicher. Gleich zu seiner Rechten entdeckte er einen Wandschrank, über und über mit Büchern belagert. Davor standen ein Sofa und ein kleiner Glastisch mit brennenden Teelichtern. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine kleine Küchenzeile. Den meisten Platz nahm jedoch ein riesiger Schreibtisch ein, der vollgestellt war mit einem Laptop und einem großen Plasmabildschirm, darunter sah er zwei Computertower stehen. Auf der Tischplatte selbst türmten sich Stapel mit CD’s und etliche Bücher. Notizzettel klebten auf allem, was sich dafür anbot und an den Tischecken standen zwei kleine Lautsprecherboxen.

»Ich weiß, es ist nicht so groß und auch nicht so toll wie bei dir, aber für meine Zwecke reicht es«, murmelte Gab verlegen. »Es gibt nur noch ein Schlafzimmer, da passen grade eben so mein Bett und ein Schrank rein.«

»Mir gefällt es«, sagte Riley und zog die Lederjacke aus. Jacke und Hundeleine legte er auf das Sofa.

»Echt?«, hakte Gab nach und strahlte.

Riley nickte. »Der ganze Luxus war eher Seans Idee. Ursprünglich wollte er selbst dort einziehen, hat sich dann aber entschieden lieber in seinem Haus wohnen zu bleiben.«

»Möchtest du etwas trinken?«, erkundigte sich Gab und lief die paar Schritte zur Küche. »Ich habe gestern auch noch ein bisschen was für Henry besorgt.« Mit einem verschwörerischen Grinsen drehte er sich um und Riley hörte etwas klappern, anschließend ein leises rascheln und kurz darauf stellte er eine befüllte Wasserschüssel auf dem Boden ab. In der Hand hielt er einen Knochen.

Augenblicklich erhielt er Henrys ungeteilte Aufmerksamkeit, der zu ihm rannte und sich den Kauknochen schnappte.

»Damit seid ihr jetzt offiziell die besten Freunde.« Riley lachte. »Und ich nehme gerne eine Cola, wenn du welche da hast.«

Aus den Augenwinkeln beobachtete er Gab, der zuerst zwei Gläser aus dem Küchenschrank und zum Schluss eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank nahm. Damit kam er herüber zum Sofa und schenkte ihnen ein, bevor er sich setzte. Riley hatte bereits Platz genommen und sah sich immer wieder begeistert um. So unscheinbar und normal die Wohnung war, umso mehr erinnerte sie ihn an seine frühe Kindheit. Viele Erinnerungen daran besaß er zwar nicht mehr, doch was er nie vergessen hatte waren die gemeinsamen Abende mit seiner Mutter. Er hatte ihr immer beim Kochen geholfen und anschließend aßen sie zusammen vor dem Fernseher zu Abend. Sein Vater kam immer erst spät nach Hause, meistens dann, wenn er schon schlief. Allerdings  konnte er sich nicht mehr erinnern, wo er mit seinen Eltern gelebt hatte und er aufgewachsen war.

»Wenn du etwas essen möchtest«, sagte Gab und holte ihn die Gegenwart zurück, »kann ich uns etwas bestellen. Ich wollte vorhin noch einkaufen, aber ich gestehe, ich bin erst vor knapp einer Stunde aufgestanden. Eigentlich erst nach deinem Anruf. Du warst also sozusagen mit mir im Bett.«

Beide lachten.

»Danke, das ist lieb, aber im Moment habe ich keinen Hunger. Mich interessiert eher, was du an Weihnachten machst«, wollte Riley wissen.

»Gute Frage.« Gab runzelte die Stirn. »Eigentlich bin ich bei meinen Eltern eingeladen. Aber es ist nicht so, dass ich mich unbedingt darum reiße die vier Stunden Zugfahrt dafür auf mich zu nehmen.«

»Wo wohnen sie denn?«

»An der Nordwestküste … in Blackpool.«

Riley nickte, obwohl  er noch nie etwas von diesem Ort gehört hatte.

»Warum fragst du?«

»Ich habe mich gefragt, ob du nicht vielleicht Lust hättest mit mir auf unsere Weihnachtsfeier zu kommen. Alle Jungs sind da, auch Tyler, Matt und Finn. Sam kommt bestimmt auch mit seiner Freundin.«

Gabs Augen glänzten aufgeregt und das war für Riley bereits Antwort genug. »Und ob ich komme. Das ist die perfekte Ausrede für meine Eltern. Außerdem fange ich ab Januar schließlich ganz offiziell an im Club zu arbeiten. Siehst du, dass muss ich ihnen auch noch unbedingt erzählen. Dass es sich dabei um einen Club der etwas … sagen wir … anderen Art handelt, muss ich ihnen ja nicht unbedingt auf die Nase binden.« Gab zwinkerte ihm schelmisch grinsend zu.

»Wunderbar, dann lernst du endlich auch mal die ganzen Jungs kennen.« Riley freute sich tierisch und hätte ihn am liebsten umarmt. »Erzähl mal, wie ist es in Blackpool überhaupt? Und wie kommst du dazu in London zu wohnen?«

Fasziniert lauschte er Gabs Stimme und hatte auch nur noch Augen und Ohren für ihn. Er erzählte von seinem Umzug nach London und das seine Eltern gar nicht davon begeistert gewesen waren, dass er so weit weg wohnte. Zudem erfuhr er von seinem älterem Bruder und vieles über seine Familie. Sie unterhielten sich über Gabs Studienzeit, über sein Coming-out und über den Unfall, bei dem er seinen heißgeliebten Mini-Cooper zu Schrott verwandelt hatte.

»Jetzt habe ich die ganze Zeit nur von mir geredet. Was für Manieren.« Gab zwinkerte ihm zu und lächelte. »Erzähl doch mal ein wenig über dich. Wo bist du aufgewachsen? Was hast du gelernt? Oder studierst du? Außerdem interessiert es mich brennend, wo man so ein geiles Tattoo herbekommt, wie deine Engelsflügel.«

Diese Fragen überrumpelte Riley. Was sollte er jetzt nur antworten? Wie sollte er reagieren? Er konnte ihm einfach nicht die Wahrheit sagen, aber er wollte ihn auch nicht anlügen. Vor allem wusste er nicht, wie er ihm beichten sollte, dass er bisher noch nie einen richtigen Freund gehabt hatte. Ein ängstlicher Schauder jagte ihm über den Rücken und er musste sich stark zusammenreißen, damit Gab es nicht mitbekam. Schließlich stand er auf und ging hinüber zum Fenster. Solange er ihn nicht ansah, wäre er zumindest in der Lage, ihm das zu erzählen, was Sean ihm einmal für den Notfall zurecht gelegt hatte.

»Nun ja …«, sagte er leise und mehr zu sich, als zu Gab. »Viel gibt es da nicht. Mit Acht haben sich meine Eltern scheiden lassen und ich kam zu meiner Mum. Nur leider verstarb sie kurz darauf und Sean hat mich dann bei sich aufgenommen. Seitdem lebe ich bei ihm. Früher habe ich unten in der Bar ausgeholfen, aber das war nichts für mich. Dafür koche ich gerne und vielleicht, aber das weiß Sean noch nicht, möchte ich einmal Koch lernen. Aber du darfst es ihm bitte nicht verraten.«

»Es tut mir leid«, hörte er plötzlich Gabs Stimme direkt an seinem Ohr. Als er sich umdrehte, stand er direkt vor ihm. Sein Lächeln wirkte verständnisvoll. »Ich meine, das mit deinen Eltern.«

»Das … das muss es nicht.« Zum wiederholten Mal beschleunigte sich sein Herzschlag und seine Kehle wurde ganz trocken.

»Weißt du eigentlich, dass ich dich in den letzten Tagen richtig lieb gewonnen habe?« Gabs Lächeln wurde verschmitzter. »Wir kennen uns zwar erst eine Woche, aber irgendetwas an dir ist so ganz anders, als bei den Männern, die ich bisher kennengelernt habe. Bitte, versteh mich nicht falsch, aber … es fühlt sich so richtig an. Du … du bist…«, er unterbrach sich und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Wahrscheinlich denkst du gerade … was für ein Idiot ich doch bin und was ich für einen Scheiß labere. Womöglich bin ich das auch. Aber ich kann dir versichern … ich … ich meine jedes Wort todernst.«

Riley blickte in Gabs leuchtende Augen, die ihn völlig gefangen nahmen, und sich ihm langsam näherten. Sein Atem ging auf einmal schneller und das merkwürdige Kribbeln, das er stets verspürte, wenn sie sich näher kamen, wanderte über seine Haut. Es war ein wunderschönes Gefühl und dabei vergaß er sogar, dass er eben zu einer Notlüge gegriffen hatte. Instinktiv schloss er die Augen und einen Moment später fühlte er Gabs weiche Lippen auf seinen.

Was Riley niemals für möglich gehalten hatte, wurde plötzlich wahr. Sein Herz raste und er bekam weiche Knie. Gab legte die Arme um seinen Nacken, während seine Zunge zärtlich um Einlass bat. Und Riley gewährte ihn. Er öffnete die Lippen und spürte, wie Gabs Zunge seine leicht zu liebkosen begann. Es war das schönste, was Riley je in seinem Leben erlebt hatte. In dieser Berührung steckten so viele Emotionen, dass sie ihn fast zu ersticken drohten. Zugleich drifteten seine Gedanken ab und nichts um ihn herum existierte mehr. Es gab nur noch Gabriel und ihn, wie sie sich leidenschaftlich und voller Gefühl küssten.

© Madison Clark

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Jaaaaaa … sie haben es getan 😉 Dann bleibt nur die Frage, was verbirgt Riley wirklich? Allein die Tatsache, womit er sein Geld verdient ist es nicht. Habt ihr schon ein paar Ideen?
Morgen geht’s weiter.

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