Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 10.12.2016

.

Hier kommt es auch schon … Türchen Nr. 10 … und dieses Mal mit weiteren Überraschungen für euch.
Wer die restlichen Türchen noch nicht kennen sollte, der kann sie HIER nachlesen.

.

.

★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★·.·.·★

.

Türchen 10

.

»Rose, bitte lass es gut sein«, bedeutete Sean und blickte Riley entschuldigend an.

Nun war Riley auch klar, warum er so oft versucht hatte ihn anzurufen. Da es jedes Mal Streit gab, wenn Rose auftauchte, versuchte er immer, eine Begegnung der beiden zu vermeiden. Während Rose Riley abgrundtief hasste, war es umgekehrt genau das Gegenteil: Sie war ihm schlichtweg egal, und er wollte um nichts in der Welt etwas mit ihr zu tun haben.

»Sean, würdest du diese kleine Hure bitte aus deinem Büro entfernen?«, fragte sie schneidend und rümpfte die Nase. »Du weißt, dass ich mit dem da keinen Raum teile.«

Sean seufzte resignierend.

»Oh, keine Bange-Ich bin schon weg«, war alles was Riley sagte, bevor er sich abrupt umdrehte, schweigend den Raum verließ und die Tür betont langsam und leise wieder schloss. Draußen lehnte er sich an die Wand und atmete mehrmals tief durch.

»Das der überhaupt noch hier wohnt, ist eine Frechheit«, hörte er Rose, die absichtlich ihre Stimme erhoben hatte, weil sie wusste, dass er noch draußen stand.

»Wer hier wohnt und wer hier ein- und ausgeht, dass bestimme ich«, konterte Sean. »Riley hat weder dir, mir noch sonst jemandem etwas getan.«

»Du nimmst diesen … Abschaum … auch noch in Schutz?«

»Ich nehme niemanden in Schutz. Riley ist und bleibt ein sehr guter Freund von mir. Auch wenn du das nicht hören willst, aber für mich ist er, genauso wie Tyler, ein kleiner Bruder.«

Einen Moment war es komplett still im Büro und Riley versuchte den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, mühsam herunter zu schlucken.

»Außerdem müsstest du – wenn überhaupt jemandem – Edward Vorwürfe machen und nicht dem Jungen«, fuhr Sean fort. Sein sanfter Tonfall sollte ihn wohl beruhigen, doch dieses Mal schien es nicht wie sonst zu helfen. Schlagartig verkrampfte sich Riley und versuchte, die Bilder der Vergangenheit auszublenden, die ihre giftigen Tentakel nach ihm ausstreckten.

»Meinst du denn, ich hätte das nicht zu genüge getan?«, gab Rose schnippisch zurück. »Ich habe mich nicht umsonst von ihm scheiden lassen. Riley war ja nur der Gipfel von allem.«

»Wir sind uns also einig, das Edward das Problem war, und nicht der Junge …. Und jetzt vergiss ihn mal bitte für fünf Minuten und sag mir …«

Riley biss sich fest auf die Unterlippe und beschloss nicht weiter zuzuhören. Er stieß sich hart von der Wand ab und lief hinüber zu seiner Wohnungstür. Kaum hatte er sie geöffnet, schlug ihm bereits lautes Gebell entgegen. Henry raste auf ihn zu und sprang freudig an seinen Hosenbeinen nach oben.

»Na, mein Kleiner«, sagte er grinsend. »Ich weiß, ich war viel zu lange weg. Du hast mich bestimmt vermisst … ich dich auch.«

Zur Antwort erhielt er einen Stups mit dem Kopf gegen das Schienbein.

Riley schloss die Tür und nahm Henry auf den Arm, der ihm augenblicklich das Gesicht ableckte und kaum zu bändigen war. Erst als er sich mit ihm auf die Couch setzte und Henry sanft durch das weiße weiche Fell streichelte, beruhigte er sich langsam. Es dauerte auch nicht lange, da hatte er sich in Rileys Arme gekuschelt und war eingeschlafen.

Er genoss die Wärme des Hundes, der immer und jederzeit für ihn da war. Henry gab ihm immer wieder aufs Neue das Gefühl einen wahren Freund gefunden zu haben. Einer, der stets da war, wenn er ihn brauchte. Dass er wieder einmal auf Rose gestoßen war, machte ihn wütend. Noch mehr … ihre scharfen, verächtlichen Worte verletzten ihn jedes Mal, wenn sie sich begegneten und nicht einmal Sean konnte sie aufhalten, wenn sie in Rage geriet. Die Gedanken an ihre gemeinsame Vergangenheit hinterließen einen stechenden Schmerz in seiner Magengegend.

Sie war zwar mit Edward verheiratet gewesen, dieser hatte allerdings immer Riley als Bettgefährte und Freund bevorzugt. Wobei Riley nicht freiwillig mit ihm das Bett geteilt hatte. Aber er hatte – im Gegensatz zu ihr – niemals eine Wahl gehabt. Wenn er Sean glaubte, dann war es damals ein Fehler gewesen, den er zugelassen hatte. Eine große Dummheit, die Sean seitdem bei jeder Gelegenheit bei ihm wieder gutzumachen versuchte.

Anfangs hatten sie zu dritt in Edwards Villa gewohnt. Edward, Rose und er. Tyler war zum damaligen Zeitpunkt längst bei Sean eingezogen. Rose hatte jedoch alles daran gesetzt, um Riley das Leben schwer zu machen, bis Edward schließlich beschlossen hatte, er sollte ins Black Desire ziehen. Doch statt die Situation zu verbessern, machte diese Entscheidung alles nur umso schlimmer. Erst mit Edwards Tod fühlte sich Riley zum ersten Mal in seinem Leben frei, und all das gute, was danach passiert war, hatte er Sean und Tyler zu verdanken. Beide waren und würden immer seine besten Freunde sein, denn sie kannten seine wahre Vergangenheit und was ihn und ihren Vater verbunden hatte.

»Hey Kleiner, wie geht’s dir?«, riss ihn Seans sanfte Stimme aus seinen trüben Gedanken. »Sie ist weg, aber natürlich erst, nachdem ich ihr einen großzügigen Scheck ausgestellt hatte.«

Seufzend nickte Riley ihm zu. Das war so typisch für sie. Sean war zwar der Alleinerbe des Millionenschweren Vermögens, doch Rose wusste durchaus, wie sie an Geld kam. Erpressung stand dabei ganz oben auf ihrer Liste.

»Was wollte sie diesmal?«, fragte Riley, obwohl es ihn eigentlich nicht wirklich interessierte.

Sean setzte sich neben ihn und streichelte Henry, der kurz ein Auge öffnete und dann gleich wieder schloss, als er registriert hatte, wer gekommen war.

»Du wirst es nicht glauben, aber Rose hat vor nach Schottland zu ziehen. Weit weg von London und vor allem weit weg von Tyler.«

Riley lachte, aber es war kein echtes Lachen.

»Dann ist er sie hoffentlich endlich los«, sagte Sean feixend. »Noch weiß er es nicht, aber wenn ich es ihm später sage, feiert er heute Abend sicherlich eine Riesen-Party.« Anschließend wurde er ernst. »Und nun sag mir, ob es dir gut geht? Falls nicht, sage ich Stephen ab.«

»Das musst du nicht. Mir geht’s gut. Ich bin höchstens ein bisschen müde, weil ich nicht gut geschlafen habe.« Dass er ihn Wahrheit überhaupt nicht geschlafen hatte, weil er die ganze Nacht über ständig nur an Gabriel gedacht hatte, verschwieg er.

»Und? Wie war dein Treffen mit Gabriel?«

Perplex stierte Riley ihn an, während Sean ihn breit von einem Ohr zum anderen angrinste. Er glaubte, sein Herz würde für einen Moment stehen bleiben, nur um dann umso schneller weiter zu schlagen.

»Also hatte ich recht. Tut mir leid, ich finde es nur toll, dass ihr beide euch so gut versteht.«

»Ähm … woher? Ich … ich …«, stotterte Riley und spürte, wie ihm ganz warm wurde.

»Das war einfach. Du bist gestern nach Hause gekommen und hast von nichts anderem geredet, als von deiner Shoppingtour mit Gabriel. Und das er dir das Geld vorgelegt hat und du deswegen ein schlechtes Gewissen hast. Und das er dich gut beraten hat beim Shoppen. Soll ich weitermachen?«

Peinlich berührt senkte Riley den Kopf. Doch schon im nächsten Augenblick spürte er Seans Arm, der sich um seine Schultern legte.

»Das ist doch was ganz normales«, sagte er. »Ihr zwei hattet einen schönen Nachmittag zusammen, habt euch ein bisschen besser kennengelernt, und ich hab so das Gefühl, du magst ihn. Daran ist wirklich nichts Schlimmes.«

Etwas sprachlos schluckte Riley und versuchte seinen Herzschlag wieder zu beruhigen. Er wusste ja selbst nicht mal, was es war, das ihn an Gabriel so anzog. In seiner Nähe fühlte er sich genauso sicher wie bei Sean und Tyler. Eine Tatsache, die er noch nie zuvor erlebt hatte.

»Offensichtlich ist Gabriel wirklich ein ganz Netter«, sagte Sean und drückte Riley fest an sich. »Tyler kennt ihn und er ist einer von Matts besten Freunden. Mal abgesehen davon macht er seine Arbeit wirklich verdammt gut, sonst hätte ich ihm nicht die Festanstellung angeboten. Und jetzt wo Dean aufhört, ist es ganz gut, dass er künftig Tyler und auch Sam ein wenig unter die Arme greifen kann. Und wenn sogar Finn sagt, er wirkte auf ihn vertrauenswürdig, dann stimmt das. Du kennst Finn, er ist skeptisch allem und jedem gegenüber.«

Beide lachten leise.

»Jetzt lass ich dich aber allein. Denk dran, um Fünf kommt Stephen. Er hat die Suite Nummer Drei gebucht. Und nicht zu vergessen das Treffen am Sonntag.«

Sean stand auf, schenkte ihm noch ein Lächeln und verschwand.

Riley blieb sitzen und streichelte Henry gedankenversunken sanft durchs Fell. Sean meinte es gut mit ihm, aber irgendetwas war seit gestern anders. Normalerweise gelang es Sean immer ihn aus seinem Stimmungstief herauszuholen. Doch heute nicht. Riley vermisste Gabriel.

Nach einem kurzen Blick auf die Uhr beschloss er sich fertig zu machen. Zuerst wollte er aber noch eine Rauchen und eine Kleinigkeit essen. Er schnappte sich noch schnell ein paar Leckerbissen für den Hund, der voller Vorfreude um seine Beine herumwuselte.

Unten angekommen zündete er sich eine Zigarette an und ließ Henry rennen. Sein treuer Freund genoss den Freilauf sichtlich und sauste von einer Ecke in die andere, als er plötzlich stehen blieb und knurrte.

»Was ist los?«, fragte Riley und näherte sich dem Hund vorsichtig.

»Gehört diese Misttöle etwa dir?«, erklang eine Stimme hinter seinem Rücken und er wirbelte erschrocken herum. »So sieht man sich wieder, was? Wenn dein Hund mir zu nahe kommt, mache ich aus ihm Hundegulasch.«

Henry knurrte immer noch und zog die Lefzen hoch, sodass man seine Reißzähne sehen konnte.

»Das wagst du nicht, du Arsch«, antwortete er bissig und versuchte seine Stimme fest klingen zu lassen.« Dabei ging er in die Hocke und versuchte Henry zu beruhigen. »Wenn du nicht gleich verschwindest, rufe ich Sean.«

»Tu was du nicht lassen kannst. Aber vorher verpasse ich dir mit Freuden noch ein zweites Veilchen.«

Williams Drohung verfehlte in keinster Weise ihre Wirkung. Riley nahm Henry auf den Arm, erhob sich und spürte die Gänsehaut, die ihm über den Rücken fuhr. Es war erst einige Tage her, seit er ihn verprügelt hatte. Dass Riley dabei nur ein paar blaue Flecken und eine leichte Prellung am Oberarm davon getragen hatte, grenzte an ein Wunder. Allerdings trug die Salbe von Lian – Seans bestem Freund und Arzt – seinen Teil dazu bei, dass von den Verletzungen kaum noch etwas zu sehen war.

»Für heute hast du noch Glück«, sagte William mit einem hämischen Grinsen im Gesicht. »Aber glaub mir, beim nächsten Mal bleibt es nicht bei einem Veilchen – und dann können dich nicht mal dein Boss und deine Töle retten.«

© Madison Clark

.

Wer mag Rose und William genauso wenig wie ich? Bitte Hand heben.
Ich bin jetzt aber mächtig gespannt, wie euch dieser Abschnitt gefallen hat.
Morgen geht es wie gewohnt weiter.

.

.

Advertisements

2 Kommentare zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 10.12.2016

  1. Hallo Madison habe heute vom 5 ten bis heute nacheinander gelesen da ich umlag wegen Grippe. Ich finde die beiden so zucker in ihrer Schüchtenheit. Rose und William sind blöd. Freu mich schon auf Morgen.
    Liebe Grüße Heike

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.