Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 09.12.2016

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Heute gibt es gleich mehrere Überraschungen für euch hinter Türchen Nr. 9. Aber ich möchte euch nichts verraten, lest es selbst.
Und HIER findet ihr alle Türchen zum Nachlesen.

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Türchen 9

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Nervös trat Riley von einem Fuß auf den anderen. Heute hatte er seine erste private Verabredung, und seine Aufregung steigerte sich schier ins Unermessliche. Bis gestern hätte er so etwas nicht einmal in Erwägung gezogen. Nicht einmal Sean wusste, was er heute vorhatte und das kam eigentlich nie vor. Ihm hatte er kurzerhand eine Notlüge aufgetischt und erzählt, er wollte neues Spielzeug für Henry kaufen. Warum er das getan hatte, konnte er sich selbst nicht beantworten.

Nur in einer Sache war er sich mehr als sicher, er wollte einfach mit Gab allein sein.

Unruhig griff er in die Jackentasche und holte die Zigarettenschachtel heraus. Doch kaum hatte er sich eine Zigarette angezündet und daran gezogen, warf er sie wieder weg. Er rauchte in den letzten Tagen viel zu viel.

»Hi Angel«, ertönte auf einmal eine Stimme, die sein Herz in Aufruhr versetzte. Er schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch.

Dann wirbelte er herum und entdeckte Gab keine zehn Meter vor sich, der mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf ihn zusteuerte.

»Ich bin doch nicht zu spät, oder?«

»Nein. Ich bin nur etwas früher, weil ich heute ausnahmsweise nicht mit dem Auto unterwegs bin.« Dass er schon seit zwei Stunden ziellos durch die Londoner Innenstadt gewandert war, verschwieg er geflissentlich.

»Zum Glück. Sean hat mich noch kurz aufgehalten. Ich wollte doch pünktlich sein«, sagte Gab und blieb vor ihm stehen.

»Oh, was wollte er denn?«, erkundigte sich Riley und bereute seine Neugier sofort. So etwas fragte man nicht, hatte Sean ihm beigebracht.

»Nichts Wichtiges. Im Prinzip ging es um meinen neuen Job. Ich bekomme das Büro im Erdgeschoss und er wollte nur wissen, ob er dafür neue Möbel bestellen soll.« Gab schüttelte amüsiert den Kopf. »So kann man natürlich auch das Geld zum Fenster rauswerfen. Aber ich habe abgelehnt und gesagt, mir reichen ein Schreibtisch und ein ordentlicher Bürostuhl. Und jetzt, wo der Server einwandfrei funktioniert und die Alarmanlage auch keine Zicken mehr macht, kann ich kommende Woche damit anfangen auch die restlichen Rechner auf Vordermann zu bringen. Vor allem weil das Kassensystem aktualisiert werden soll.«

Riley versuchte sich die Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Zudem hatte er eh nur noch Augen für Gab. Seine leuchtend blaugrauen Augen blickten ihn strahlend an. Sie waren atemberaubend schön und nahmen ihn jedes Mal aufs Neue wieder gefangen. Der Drei-Tage-Bart, den er sich zurzeit wachsen ließ, machte ihn in seinen Augen noch Attraktiver als ohnehin schon, obwohl sich Gab seiner eigenen Attraktivität kaum bewusst war. Jedenfalls machten die Unscheinbare Art, wie er sich kleidete sowie sein schüchternes, ja oftmals schon fast Unterwürfiges Verhalten auf ihn diesen Eindruck.

Dabei könnte Gab seinen Körper ohne schlechtes Gewissen zeigen. Im Whirlpool hatte Riley ausreichend Zeit gehabt ihn genau in Augenschein zu nehmen. Leicht ausgeprägte Muskelpartien an den richtigen Stellen und dazu ein unbehaarter Oberkörper. Für seinen Geschmack fehlte nur noch ein Tattoo. Vielleicht, so hatte er sich bereits überlegt, könnte er ihn irgendwann zu einem überreden. Das würde ihn noch verführerischer erscheinen lassen. Er hätte dazu das passende Motiv und kannte zudem die beste Tätowiererin von ganz London.

»Kennst du das neue Café an der Creechurch Lane? Das ist gleich dort vorne um die Ecke«, hörte Riley Gabs Stimme und er musste sich zusammenreißen.

»Nein, noch nicht.«

»Na, dann lass uns gehen. Und nicht vergessen, du bist eingeladen. Dafür kochst du für mich.« Gab zwinkerte ihm zu und beide liefen gemeinsam los.

Keine zehn Minuten später saßen sie an einem Tisch am Fenster. Gab hatte sich für einen Cappuccino entschieden. Vor Riley stand ein Glas Latte Macchiato.

»Und du willst wirklich nichts essen?«, fragte Gab ihn nun zum dritten Mal.

»Nein, wirklich nicht. Aber ich lade dich am Montag wieder zum Mittagessen ein. Du darfst dir auch aussuchen, was du möchtest.« Dass er in Gegenwart von Gab in den vergangenen Tagen nicht wirklich etwas herunterbrachte, überraschte ihn selbst.

»Das würdest du wirklich tun?«

»Warum nicht«, antwortete Riley und sog dabei den unwiderstehlichen Duft von Gab ein. Sein Eau de Toilette besaß eine leicht süßliche Note, die sich mit seinem nach Mandeln riechenden Duschbad vermischte und damit einen einzigartigen Geruch verströmte.

»Aber zuerst bekommst du dein Geld zurück«, wechselte Riley das Thema. Seltsamerweise fühlte er sich in Gabriels Gegenwart ständig absolut sprachlos. Er mochte es mit ihm zusammen zu sein, allerdings wusste er nie, über was er mit ihm reden sollte. Vor allem wollte er es vermeiden, zu viel von sich preiszugeben. Riley holte seinen Geldbeutel aus der Jackentasche und übergab ihm die zuvor abgezählten Scheine. »Hier, stimmt so. Ich kann dir immer noch nicht genug danken, dass du mir gestern aus der Patsche geholfen hast.«

»Das musst du nicht. Das war eine Ehrensache.« Gabriel senkte verlegen den Blick und Riley glaubte einen Hauch von Röte auf seinen Wangen zu erkennen. Das war ihm schon mehrmals aufgefallen und ließ ihn so normal erscheinen. Auf jeden Fall war er definitiv anders als alle Männer, die er bisher in seinem Leben kennengelernt hatte. Und gerade das war es, was ihn so sehr an Gab reizte.

»So bin ich wenigstens zur einmaligen Gelegenheit einer privaten Modenschau gekommen«, fügte Gab hinzu und grinste ihn frech an.

»Ich soll dir von Sean ausrichten, dass ihm die Sachen auch sehr gut gefallen«, sagte Riley und nahm einen Schluck von seinem Latte Macchiato. »Wenn du willst, kannst du bei Gelegenheit bei mir vorbeikommen. Ich habe so viele Klamotten im Schrank und denke, einige davon würden dir sicherlich gut stehen.«

»Was?« Gab wirkte überrascht.

»Du glaubst nicht, wie viel ich geschenkt bekomme. Ich weiß manchmal gar nicht wohin damit. Aber die Sachen einfach im Schrank verstauben zu lassen, dafür sind sie zu schade. Überleg es dir … und wenn du Lust hast … mein Angebot steht.«

»Das meinst du wirklich ernst«, hakte Gab nach und schüttelte immer wieder mit dem Kopf. »Du weißt hoffentlich, dass du mich gerade ganz verlegen machst.«

»Das war der tiefere Zweck«, antwortete Riley und lachte. Amüsiert beobachtete er Gab, wie er sich daraufhin hinter der Kaffeetasse zu verstecken versuchte. Doch es war zu spät, seine Wangen waren noch röter geworden und sein scheues, verlegenes Lächeln ließ Rileys Herz schneller schlagen.

Was immer er auch mit ihm tat, es fühlte sich verdammt gut an. Allein bloß in seiner Nähe zu sein, gab ihm das Gefühl von ihm akzeptiert zu werden und zugleich bei ihm sicher zu sein.

»Aber was ich dich fragen wollte«, sagte Riley und fast im selben Moment klingelte sein Handy. Verärgert kramte er es aus der Hosentasche und las den Namen Sean. Warum hatte er immer so ein mieses Timing, fragte er sich und entschuldigte sich bei Gab.

»Was ist los?«, fragte er, nachdem er das Gespräch angenommen hatte.

»Dir ist bewusst, dass ich dich schon überall gesucht habe?«, hörte er die leicht gereizte Stimme von Sean.

»Ich hab dir doch gesagt …«

»Jaja, dass du für Henry einkaufen willst. Der Kleine ist aber inzwischen seit über drei Stunden allein. Keine Sorge, Tyler war schon mit ihm unterwegs. Aber egal, wenigstens bist du an dein Handy gegangen. Wir haben ein Problem. Stephen muss seinen Termin vorverlegen.«

Seufzend schimpfte sich Riley im Stillen. Es tat ihm leid, dass er seinen kleinen Liebling länger als gedacht allein ließ. Das tat er sonst nie und das wusste Sean. Doch in diesem Moment beschäftigte ihn ein ganz anderer Gedanke weitaus mehr. »Was genau heißt vorverlegen?«

»Er kommt bereits um Fünf und nicht erst um Acht. Das heißt, schwing deinen Hintern zurück und mach dich fertig. Und bevor ich es vergesse, er hat eine Massage im Spa angemeldet.«

»Darf ich wenigstens noch meinen Kaffee austrinken?«, wollte Riley wissen und verspürte so gar keine Lust sich zu beeilen. Stephen war zwar im Grunde genommen wirklich ein sehr netter und feiner Kerl, aber manchmal auch ziemlich verdorben.

»Ja. Soll Sam dich vielleicht abholen?«

»Das wäre super. Ich bin in einem Café in der Creechurch Lane.«

»Gut. Bis gleich.«

Nach diesen Worten legte Riley auf, ohne sich zu verabschieden. Enttäuscht blickte er zu Gab, der bereits zu ahnen schien, dass ihr Treffen zu Ende war.

»Musst du los?«

»Ja. Ein Termin hat sich verschoben. Hätte noch gerne weiter mit dir geredet.«

»Ich auch, aber wie heißt das Sprichwort … Aufgeschoben ist nicht Aufgehoben. Das hat meine Grandma immer zu mir gesagt.« Gab lächelte ihn an und es kam Riley vor, als würde es ihn für all die verlorene Zeit entschädigen, die er jetzt nicht mit ihm verbringen konnte. »Vielleicht hast du ja Lust Morgen oder so bei mir vorbeizuschauen? Du kannst auch Henry mitbringen.«

»Ich? Zu dir?« Riley schluckte und konnte sein Glück kaum fassen. »Klar komme ich. Lass uns am besten telefonieren.«

»Wunderbar.« Gab stand auf und wühlte in seiner Tasche herum. Schließlich zog er eine Visitenkarte heraus und reichte sie ihm. »Hier. Meine Handynummer steht auch drauf.«

»Danke. Ich ruf dich an, wo ich wohne …« Die restlichen Worte verschluckte Riley, als Gab ihn völlig unerwartet umarmte und fest an sich drückte.

Erneut sog er diesen unwiderstehlichen Duft ein und spürte Gabs starke Arme wie einen Schutzschild um sich herum, was das Gefühl von Sicherheit umso mehr verstärkte. Verwirrt, weil er nicht wusste, wie er darauf reagieren sollte, erwiderte er die Umarmung und hätte ihn am liebsten nie wieder losgelassen.

***

Eine Dreiviertelstunde später und stieg Riley leicht genervt aus dem Auto und Sam fuhr weiter, um in der Tiefgarage zu parken. In den letzten zehn Minuten hatte Sean drei Mal bei ihm angerufen. Manchmal war der Mann einfach unmöglich.

Einen Moment lang überlegte er, ihn zusätzlich zu reizen, in dem er erst eine rauchte und dann nach oben fuhr. Dann jedoch entschied er sich dagegen. Eigentlich wollte er nur noch zu Henry, mit ihm noch eine Runde kuscheln und sich anschließend in Ruhe für Stephen fertig zu machen.

Als er schließlich oben ausstieg, lief er direkt auf Seans Büro zu und öffnete die Tür ohne anzuklopfen. Erschrocken fuhr er zusammen, denn Sean war nicht allein.

Zwei, zu Schlitzen verengte Augen, starrten Riley funkelnd an.

»Was macht dieses Stück Abschaum hier?«, sagte eine gifttriefende Frauenstimme, die Riley durch Mark und Bein fuhr. »Arbeitet die Schlampe immer noch hier? Naja, wen wundert‘s, den Hintern hinhalten ist alles, was so einer kann.«

© Madison Clark

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Ich bin jetzt aber wirklich sehr gespannt, was ihr zu diesen neuen Erkenntnissen zu sagen habt.
Hattet ihr damit gerechnet?
Ihr dürft auf das nächsten Türchen schon gespannt sein.

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