Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 08.12.2016

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Hier kommt es auch schon, das Türchen Nr. 8 … das Nikolaus-Gewinnspiel ist auch schon ausgelost.
Ich verrate euch etwas, Anfang des neuen Jahres gibt es noch ein Gewinnspiel 😉
Und jetzt will ich euch auch nicht länger vom Lesen abhalten. Wie immer, wer die vergangenen Türchen noch nicht kennen sollte, kann sie HIER nachlesen.

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Türchen 8

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Gabriel konnte es immer noch nicht fassen. Vor einer halben Stunde hatte er den besten Arbeitsvertrag seines bisherigen Berufslebens unterschrieben. Ab kommendem Jahr, sprich, in nicht einmal drei Wochen, war er offiziell der Administrator der IT-Anlage des Black Desire. Darüber hinaus hatte er noch eine weitere gut bezahlte Aufgabe übernommen, die zusätzlich mit gutem Geld vergütet werden sollte. Damit konnte er erst einmal seine Selbstständigkeit ohne Gewissensbisse an den Nagel hängen. Außerdem hatte er den Auftrag bekommen, für Seans Freund einen neuen Server einzurichten und ein großes Netzwerk zu erstellen. Mit dem Geld, das dabei herausspringen würde, könnte er sich gleich zwei neue Autos kaufen.

Endlich schien das Schicksal es gut mit ihm zu meinen. Mit diesen neuen Nachrichten konnte er ohne eine Notlüge erfinden zu müssen, an Weihnachten nach Hause fahren und seinen Eltern stolz gegenübertreten. Zur Feier des Tages hatte ihm Sean den restlichen Tag freigegeben. Das wollte er jetzt ausgiebig genießen.

Gabriel schnappte sich flugs seine Sachen, verließ den Serverraum und schloss die Tür sorgfältig ab. Bevor er zum Aufzug lief, warf er über die Schulter einen Blick auf Angels Wohnungstür. Der Name Angel gefiel ihm viel besser als Riley, vor allem schien er umso passender im Hinblick auf die beiden großartig tätowierten Engelsflügel. Leider hatte er ihn das letzte Mal vor zwei Tagen gesehen. Heute Morgen hätte er beinahe Sam gefragt, wo Angel abgeblieben war, doch diesem Drang konnte er gerade noch widerstehen. Gabriel fand, dass es zu aufdringlich wirken und zudem verraten könnte, wie sehr er ihn vermisste.

Seufzend wandte er sich ab und fuhr schließlich mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. Er wollte gerade über den Hinterhof davonmarschieren, als plötzlich ein quirliges Etwas mit fliegendem Fell auf ihn zu rannte. Bellend und hüpfend umrundete er ihn und Gabriel ging in die Hocke.

»Henry! Na du Hübscher, wo warst du denn?«

Nebenbei griff er in die Jackentasche und holte zwei Hundeleckerlis heraus, die er Henry vor die Schnauze hielt. Mit einem blitzschnellen Happs waren sie verschwunden und Gabriel streichelte ihm lachend über den Kopf.

»Kleiner Vielfraß. Schling nicht so! Wo hast du denn dein Herrchen gelassen?«

»Das ist hier«, ertönte die angenehme Stimme eben desjenigen und augenblicklich spürte er sein Herz schneller schlagen. Sofort wanderte ein angenehmes Kribbeln über seinen Rücken und er hob voller Vorfreude den Kopf. Angel stand direkt vor ihm und strahlte ihn an.

»Wir waren gerade spazieren«, sagte Angel und nahm Henry auf den Arm. »Und vorne an der Ecke ist er dann einfach weggerannt.«

»Das macht man aber nicht«, rügte Gabriel den Hund und fuhr ihm nochmals mit den Fingern durchs Fell, woraufhin der ihn eifrig abschleckte.

»Ich glaube, er hat gespürt, dass du hier bist«, sagte Angel augenzwinkernd. »Übrigens … herzlichen Glückwunsch zum neuen Job.«

»Woher weißt du denn das? Ich habe doch eben erst unterschrieben.«

»Angel hat so seine gewissen Quellen.« Er grinste frech. »Quatsch. Sean hat mir gestern Abend von seiner Idee erzählt. Und deinem seligen Grinsen nach zu urteilen, hast du das Angebot angenommen. Dann werde ich dich also künftig viel öfter sehen. Und vor allem kann ich für dich mitkochen.«

Gabriel lachte. »Ich bitte darum. Und ich zahle dafür auch. Du sollst mich ja nicht aushalten.«

»Keine Sorge. Auf meinem Konto ist genug, damit wir zwei schon nicht verhungern und Sean trotzdem seine regelmäßigen Mahlzeiten bekommt. Sein Freund kann leider nicht kochen, obwohl ich ihm das schon mehrmals versucht habe beizubringen.«

»Ah, du meinst Finn.«

»Du kennst ihn?« Angel wirkte überrascht.

»Kennen ist wohl etwas übertrieben«, antwortete Gabriel und konnte kaum seinen Blick von Angels wunderschönen saphirblauen Augen lassen, die ihn mit einer ungekannten Intensität ansahen und dabei ein atemberaubendes Leuchten ausstrahlten. »Ich habe ihn nur ganz kurz oben im Büro kennengelernt.«

»Finn ist ein ganz lieber Kerl und gerade mal ein halbes Jahr jünger als ich«, sagte Angel und setzte Henry wieder auf dem Boden ab, wo er sofort anfing im Hinterhof herumzurennen und zu bellen. »Sean hat ihn mehr oder weniger von der Straße aufgelesen, wo er gelebt hat. Die beiden haben sich Hals über Kopf ineinander verliebt und sind seitdem unzertrennlich.«

Gabriel nickte. Angel hatte ihm gerade verraten wie alt er war, und er saugte diese Information förmlich in sich auf.

»Machst du Feierabend, oder gerade Pause?«, erkundigte sich Angel und deutete mit dem Kinn auf Gabriels Tasche.

»Feierabend. Sean hat mir für heute freigegeben.«

»Wenn das so ist … ich wollte gleich in die Stadt fahren. Vielleicht kann ich dich ja irgendwo absetzen.«

Sprachlos über dieses Angebot sah er Angel an.

»Wenn du willst, dann bringe ich nur schnell Henry nach oben.«

»Ähm … ja, klar. Das wäre super, dann muss ich nicht mit dem überfüllten Bus fahren.«

»Gut. Bin sofort zurück.«

Angel rief nach Henry und verschwand mit ihm im Gebäude. Fünf Minuten später war er bereits zurück und lenkte Gabriel zu einer Tür im hinteren Bereich des Hofs. Dahinter führte eine Treppe die beiden in eine Tiefgarage.

»Ich wusste gar nicht, dass es hier eine Garage gibt«, sagte er erstaunt.

»Sie gehört eigentlich zum Nachbarhaus. Dort ist auch die Einfahrt. Die Parkplätze bei uns am Haus sind für die Kunden reserviert. Außerdem sollen die Jungs und alle anderen ungestört kommen und gehen können. Wir brauchen keine Stalker vorm Haus, und dass diese Tiefgarage für die Jungs zugänglich ist, weiß niemand. So können sie ungesehen rein und raus.«, erklärte Angel und lief voraus.

Als sie schließlich vor einem königsblauen Lamborghini stehen blieben, riss Gabriel verblüfft die Augen auf. Angel nahm die Schüssel zur Hand, drückte eine Fernbedienung und der Wagen entriegelte sich mit einem typischen Piepton.

»Das … das ist … deiner?«, stammelte Gabriel und konnte kaum fassen, welcher Wagen vor ihm parkte.

»Ein Aventador SV-Coupé mit einem V12 Motor, ledernen Sportsitzen und 750 PS«, sagte Angel stolz und strich zärtlich mit den Fingern über die Karosserie. »Auf freier Strecke erreicht er locker 370 Km/h. Das ist mein Baby und außerdem ist er schallisoliert. Das wirst du gleich merken.«

»Der war doch bestimmt sauteuer!«

»Wäre er vielleicht gewesen, doch ich habe ihn einem Freund von Sean abgekauft.«

»Darf ich fragen, für wie viel?« Gabriel kam aus dem Staunen kaum noch raus.

»Dreihunderttausend und er hatte zu dem Zeitpunkt sogar erst eine Inspektion und TÜV hinter sich. Wobei ich sagen muss, ich komme in letzter Zeit selten dazu ihn zu fahren. Und jetzt muss ein Kurztrip in die Innenstadt leider ausreichen.«

Fassungslos beobachtete er Angel, der ihm die Beifahrertür aufhielt und kurz darauf selbst einstieg. Die Sitze waren unglaublich bequem, wenn auch etwas ungewohnt. Bisher hatte Gabriel noch nie in einem Sportwagen gesessen und schon gar nicht in einem so noblen. Für einen Moment war er versucht zu fragen, woher Riley eigentlich so viel Geld hatte. Doch seine Eltern hatten ihm beigebracht, dass man über Geld nicht redete. Entweder man hatte es oder nicht. Eines stand sicher fest, für so einen Wagen müsste er mindestens bis zu seinem Lebensende sparen.

»Bist du bereit?« Angel startete den Motor.

»Bin ich«, log er und war tatsächlich überrascht, wie unfassbar leise sich der kraftvolle Motor trotz seiner Wahnsinnsmaschine anhörte.

***

Eine halbe Stunde später standen sie in der Londoner City im Stau. Gabriel überlegte, ob er nicht aussteigen und den restlichen Weg nach Hause mit dem Bus fahren sollte, entschied sich schlussendlich jedoch dagegen. Die Fahrt mit Angel war zudem auch ohne diese Luxuskarosse etwas ganz besonderes. Zudem gab es keinen Grund sich frühzeitig zu verabschieden. Auf der Autofahrt hatten sie festgestellt, dass sie beide am liebsten Rockmusik mochten und zufällig die gleichen Bands hörten. Was Angel dann nur noch toppte, indem er eine von Gabriels Lieblings-CDs abspielte.

»So ein Schlitten gehört auf die Straße und nicht in den Verkehrsstau«, sagte Gabriel nach einer Weile seufzend.

»Da hast du recht«, stimmte Angel zu. »Vielleicht können wir im Frühjahr eine kleine Spritztour machen, wenn du Lust hast. Dann könnte ich dir zeigen, was mein Baby wirklich drauf hat.«

»Echt?«

»Ja klar, warum nicht.« Angel lächelte ihn an. »Das mache ich hauptsächlich in den Sommermonaten. Einfach raus aus der Stadt.«

»Ich bin sofort dabei.«

»Super.«

»Wo genau wolltest du eigentlich hin?«, traute Gabriel sich endlich zu fragen.

»Ins Westfield Einkaufszentrum. Sean meinte, ich sollte mir unbedingt fürs Wochenende was Neues zum Anziehen zulegen. Hast du Lust mitzukommen? Wenn nicht, dann sag mir nur, wo du aussteigen willst.«

»Oh … du meinst doch nicht etwa die Luxus Meile?« Gabriel wunderte sich über sich selbst. Wer so ein Auto fuhr, der konnte auch in Westfield einkaufen. »Du musst wegen mir aber keinen Umweg machen. Ich kann den Rest auch laufen … oder eher mit dem Bus fahren.«

»Du kannst auch gerne mitkommen. Dann hätte ich wenigstens einen persönlichen Berater dabei. Ich lade dich anschließend auch auf einen Café ein.«

Egal was Gabriel vorgehabt hätte, er hätte für dieses Angebot auf der Stelle alles abgesagt. Daher nickte er und atmete einmal tief durch, um seinen schneller gewordenen Herzschlag wieder zu beruhigen.

Schließlich löste sich auch der Stau immer mehr auf, je näher sie dem Parkhaus des Einkaufszentrums kamen. Zehn Minuten später parkte Angel und sie stiegen aus. Doch an seinem Gesichtsausdruck konnte Gabriel sofort erkennen, dass etwas nicht stimmte. Riley klopfte verwirrt an sich herum und murmelte leise fluchend vor sich hin.

»Was ist los?«

»Ich finde meinen Geldbeutel nicht. Ich glaube, der liegt zu Hause auf dem Küchentisch. Den muss ich vergessen haben, weil ich Henry noch schnell frisches Wasser in seinen Napf gegeben habe.« Frustriert schüttelte Angel den Kopf. »Und meine Kreditkarte ist somit auch im Penthouse. Das heißt, der ganze Weg war umsonst.«

»Vielleicht kann ich dir aushelfen«, sagte Gabriel und hoffte, keinen Fehler zu machen. »Die Anzahlung von Sean ist noch auf meinem Konto. Also könnte ich dir etwas vorschießen und du gibst es mir einfach später wieder.«

»Das würdest du tun?« Angel wirkte sichtlich überrascht.

»Klar. Inzwischen kenne ich dich ja ein bisschen besser. Außerdem weiß ich, wo du wohnst, Zeche prellen ist also nicht. Und als Gegenleistung lädst du mich einfach mal auf eine Tasse Café oder so ein.«

Strahlend lief Angel auf ihn zu und schloss ihn spontan fest in die Arme. »Du bist mein Retter, Gab.«

© Madison Clark

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Nun wissen wir, wir man Gabriel die Fassung rauben kann, mal abgesehen von seinem sehr heißem Abenteuer im Whirlpool 😉
Ich hoffe, euch hat dieser Abschnitt gefallen. Und ich kann euch sagen, Riley hat noch so ein paar Geheihmnisse.
Wir lesen uns morgen.

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