Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 07.12.2016

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Ich hoffe, der Nikolaus war brav zu euch 😉 Mir hat er doch tatsächlich einen kleinen Wunsch erfüllt, mit dem ich nie gerechnet hätte. Endlich kann ich auch den neuen Teil von Star Wars – Das Erwachen der Macht sehen *hihi*
So, nun möchte ich euch nicht länger vom Lesen abhalten und öffnen das Türchen Nr 7. Wie immer, wer die ersten sechs Türchen noch nicht kennen sollte, der findet sie HIER zum Nachlesen.

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Türchen 7

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Nach einer fast schlaflosen Nacht und wirren Gedanken, die sich ausschließlich um Riley drehten, wäre er am liebsten zu Hause geblieben. Gabriel war nicht nur hundemüde, sondern auch noch unsicher, wie er sich ihm künftig gegenüber verhalten sollte. Zum Glück hatte er nicht mitbekommen, was ihm im Whirlpool passiert war, auch wenn er nicht ganz unschuldig an dem Missgeschick gewesen war. Aus diesem Grund beschloss Gabriel, Angel – wie er ihn künftig nennen sollte –, für heute aus seinen Gedanken zu verbannen und sich nur auf die Arbeit zu konzentrieren.

»Hi Gab«, hörte er hinter sich eine Stimme, die er gut kannte. Überrascht drehte er sich um.

»Hi Matt«, sagte er und grinste von einem Ohr zum anderen. »Ich hätte jetzt mit jedem gerechnet, aber nicht mit dir. Was machst du hier?«

Sein bester Freund Matthew Harker kam auf dem Bürgersteig vor dem Black Desire auf ihn zu geschlendert und sie umarmten sich. In seinem schicken dunkelblauen Anzug machte er eine gute Figur.

»Ich habe einen Termin mit Sean.« Matt deutete auf seinen Aktenkoffer. »Seit fast einem Jahr bin ich jetzt der neue Rechtsbeistand von Sean Ashton. Wobei ich sagen muss, Tyler war nicht so ganz unschuldig daran, dass ich meinem alten Chef den Rücken kehrte.«

Verwundert sah Gabriel ihn an. »Warum hast du mir das nie gesagt? Ich dachte, du arbeitest dich immer noch krumm und bucklig für deinen alten Chef.«

»Sagen wir so«, antwortete Matt und lächelte verschmitzt. »Seans alter Rechtsanwalt musste leider krankheitsbedingt aufhören und ich war zu dem Zeitpunkt gerade am überlegen, ob ich mich selbstständig mache. Tyler kam auf die Idee, ich sollte mal mit Sean reden. Und wie du siehst, habe ich den Job angenommen. Ich verdiene jetzt sogar mehr als vorher.«

»Du machst mich fertig.« Gabriel lachte und klopfte Matt auf die Schulter. »Gratuliere. Und ich muss mich bei dir für den Auftrag bedanken. Eigentlich wollte ich dich schon seit zwei Tagen anrufen, aber ständig kam etwas dazwischen.«

»Darauf müssen wir anstoßen.«

»Auf jeden Fall«, meinte Gabriel lachend und zündete sich eine Zigarette an. »Wenn ich mit allem fertig bin, dann kann ich mir auch endlich ein neues Auto leisten. Jeden Tag mit der U-Bahn und dem Bus durch die halbe Stadt zu kurven macht echt keinen Spaß.«

»Kleiner Tipp … beim nächsten Mal versuchst du nicht, mit einem Kleintransporter auszufechten, wer Vorfahrt hat.«

»Danke.« Gabriel seufzte. »Auf die Idee wäre ich ohne dich gar nicht gekommen.«

»Immer wieder gerne.« Matt lachte und Gabriel konnte einfach nicht anders und fiel mit ein.

Fünf Minuten später fuhren sie gemeinsam mit dem Aufzug in den fünften. Stock. Gabriel wollte sich gerade von Matt verabschieden, als dieser ihn zurückhielt.

»Warte noch einen Moment. Du solltest vielleicht besser mitgehen.«

»Aber … aber ich … kann doch nicht… einfach bei eurer Besprechung rumlungern… das geht mich doch gar nichts an!«

»Klar kannst du. Ich bin heute zwar noch wegen anderen wichtigen Dingen hier, aber die eine Sache betrifft dich.«

Konsterniert starrte Gabriel seinen Freund an. »Dann wusstest du also schon, dass Sean mich wegen der IT-Anlage angestellt hat?«, argwöhnte er.

»Das wusste ich bereits fünf Minuten später.« Matt zwinkerte ihm zu.

»Das nenne ich eine Verschwörung.«

»Ein Danke reicht völlig.«

»Du Idiot.« Gabriel boxte ihm feixend gegen den Oberarm. »Danke. Und wann gehen wir was trinken?«

»Am Wochenende hat Tyler wieder Dienst. Dann laden wir dich ein. Und glaub mir, Tyler mixt dir die besten Cocktails dieses Planeten – und wahrscheinlich auch aller anderen. Versprochen.«

Gabriel schluckte. Er hatte nun mit allem gerechnet, aber nicht, sich mit Matthew und Tyler ausgerechnet im Black Desire zu treffen.

»Guck nicht so. Die Bar ist ein ganz normaler öffentlicher Ort. Obwohl ich gestehen muss, als mich Henry damals zur Neueröffnung hierher schleifte, sah ich in etwa genau so aus, wie du gerade.« Matt seufzte. »Inzwischen bin ich froh, dass ich an diesem Abend mitgegangen bin, sonst wäre ich Tyler nie begegnet.«

Gabriel nickte. Die Geschichte hatte Matt ihm schon einige Male erzählt. Henry, einer seiner Freunde, hatte ihn zur Neueröffnung des Black Desires mitgenommen, wo er zufällig mit Tyler zusammengestoßen war und sich dabei die Hose mit Alkohol ruiniert hatte. Tyler hatte ihm eine Jeans angeboten und wollte auch für die Reinigung aufkommen. Völlig aus dem Häuschen war Matt aus dem Club geflohen, hatte allerdings seinen Geldbeutel vergessen. Zum Glück für ihn war Tyler ein ehrlicher Finder gewesen. Aber erst bei einem gemeinsamen Abendessen waren sich beide nähergekommen und seitdem unzertrennlich.

Matt machte sich inzwischen keine Gedanken mehr und ging in der Bar ein und aus, wie er ihm schon mehrmals erzählt hatte, aber bisher waren sie nie gemeinsam hier gewesen. Ob Gabriel den Abend genauso ungezwungen würde genießen können, stand noch in den Sternen. Und schon wieder musste er an die Website des Clubs denken. Zumindest wusste er eines, Tyler arbeitete nicht als Callboy, sondern war einer der zwei Barkeeper.

Matt lächelte und klopfte an Seans Bürotür. Ohne abzuwarten öffnete er sie und beide blieben wie angewurzelt stehen. Bisher hatte Gabriel nur geahnt, dass Sean schwul war. Den Beweis dafür sah er jetzt mit eigenen Augen. Auf Seans Schoß saß ein junger Mann, beide Arme um seinen Nacken geschlungen. Die beiden waren in einen sehr intensiven Kuss versunken, der Gabriel mal wieder die Hitze ins Gesicht trieb. Wobei es weniger die Intimität der beiden war, die ihn verlegen machte, mehr als die Tatsache, dass Sean überhaupt geküsst wurde. Wieso und warum auch immer, war er die ganze Zeit davon ausgegangen, er wäre Single.

Ein Räuspern von Matt unterbrach die anregende Szene.

»Entschuldigung, wir wollten nicht reinplatzen.«

»Tut ihr nicht«, sagte Sean lachend, während der junge Mann den Kopf an seine Halsbeuge bettete. Zu seiner Überraschung wirkte er noch sehr jung. »Dieser Herr hat mal wieder nicht locker gelassen. Sonst wäre er schon längst in der Schule. Er hat heute spontan beschlossen zu schwänzen.«

»Finn, hast du wieder deinen Sturkopf durchbekommen?«, fragte Matt und setzte sich auf einen der zwei Stühle, die vor Seans Schreibtisch standen. Er winkte Gabriel herbei, der sich zwar ein wenig fehl am Platz fühlte, aber der Aufforderung nachkam. Immerhin hatte er seine Neugier geweckt.

»Ich erinnere euch nur daran«, antwortete Finn und zwinkerte zuerst Sean und anschließend Matt zu, »dass es nicht meine Idee war. Ich wäre nie wieder in die Schule gegangen. Aber du hast ihn ja dazu überredet.« Er deutete mit dem Kinn auf Matt und grinste ihn frech an.

»Nur noch ein halbes Jahr, dann machst du den Abschluss. Ich versichere dir, es hat sich dann gelohnt.« Sean schüttelte amüsiert den Kopf. »Ansonsten bekommst du eine Tracht Prügeln und kannst mindestens eine Woche nicht mehr richtig sitzen.«

»Falls du das tust, sag ich es Tyler und er hält dir dann eine Predigt«, konterte Finn und Gabriel lachte in sich hinein.

Allerdings war er auch sehr irritiert. Niemals hätte er damit gerechnet, dass Sean so einen jungen Freund hatte, und schon gar nicht jemanden, der noch zur Schule ging.

»Ihr solltet diesen Süßen hier vielleicht aufklären«, deutete Finn unerwartet auf Gabriel, wobei ihn seine stahlblauen Augen verschmitzt ansahen. »Ich kann seinen Kopf schon rauchen sehen. Er versteht nur Bahnhof.«

»Ist das so offensichtlich?« Warum in drei Teufels Namen hatte nur jeder in den vergangenen Tagen anscheinend das dringende Bedürfnis, ihn in Verlegenheit bringen zu müssen?

»Stimmt.« Sean nickte und warf Finn von seinem Schoß. »Tu was immer du tun willst, aber morgen gebe ich nicht nach. Verstanden?«

»Verstanden.« Finn salutierte, streckte ihm die Zunge raus und marschierte in Richtung Bürotür. Dort drehte er sich noch einmal um. »Ich bin bei Riley und zocke ein wenig. Und du, lass dich von den zweien nicht ärgern. Die haben es faustdick hinter den Ohren.«

»Danke für den Tipp. Ich bin übrigens Gabriel.«

»Ich bin Finn.« Er zwinkerte Gabriel zu und verschwand.

Sean seufzte und lehnte sich erst einmal auf seinem, mit schwarzem Leder überzogenen Bürostuhl zurück. »Ich habe das Gefühl, je älter er wird, desto kindischer wird er auch.«

»Das musst du anders sehen. Als ich ihn kennenlernte, war er der verschreckte junge Mann, der überall Gefahr sah«, bedeutete Matt und wurde ernst. »Inzwischen ist ein ganz anderer aus ihm geworden. Nur leider hat er durch sein jugendliches Aussehen manchmal mehr Vorteile, als gut für ihn ist.«

»Wie alt ist er denn?«, hörte Gabriel sich fragen.

»Er wurde letzten Monat zweiundzwanzig«, antwortete Sean.

Die Antwort überraschte Gabriel. Er hatte Finn höchstens auf achtzehn Jahre geschätzt, vermutlich noch jünger.

»Es waren ein paar Beziehungen notwendig, damit er auf eine normale Schule gehen konnte, und bis auf die Lehrer und der Direktor weiß niemand, dass er eigentlich keine siebzehn mehr ist. Dass er davon nicht viel hält, hast du ja gerade erlebt«, fügte Sean erklärend hinzu. »Aber wo bleiben überhaupt meine Manieren. Guten Morgen.« Er reichte Gabriel die Hand und schüttelte sie kräftig. Dann tat er das gleiche bei Matt. »Ich freue mich, dass du Gabriel gleich mitgebracht hast.«

»Das war mehr Zufall als gewollt«, nuschelte Gabriel.

»Das wie ist egal. Hauptsache du bist hier«, sagte Sean. »Und zwar geht es um deine Arbeit.«

Plötzlich begann Gabriels Puls schneller zu schlagen. Hatte er einen Fehler gemacht? Oder war Sean vielleicht verärgert, weil er ohne ihm Bescheid zu geben, einfach früher Feierabend gemacht hatte?

»Keine Sorge, nach dem was ich bisher mitbekommen habe, machst du deinen Job sehr gut. Sam hat dich gestern Abend sogar lobend erwähnt. Du bist aber hier, weil ich dir einen Vorschlag unterbreiten möchte und ich vielleicht noch einen Auftrag für dich hätte.«

Innerlich seufzte Gabriel erleichtert auf und nickte.

»Zum einen habe ich einen guten Freund, der momentan für seine Firma einen IT-Fachmann sucht, der sich um einen neuen Server kümmert. So genau ist er nicht ins Detail gegangen. Als er mir aber davon erzählte, musste ich sofort an dich denken. Das ist aber noch nicht alles.» Sean machte eine bedeutungsvolle Pause, bevor er fortfuhr. »Zum anderen suche ich künftig einen vertrauenswürdigen Administrator, der sich um die sensiblen Daten, und um die ganzen Gerätschaften hier im Haus kümmert. Natürlich gegen ausreichende Bezahlung versteht sich. Du hast natürlich Zeit, es dir in Ruhe zu überlegen. Falls du ja sagen solltest, wird Matt einen Arbeitsvertrag aufsetzen, der dann deinen Job genau regelt.«

Gabriel stierte Sean mit offenem Mund an. Er hatte mit vielem gerechnet, aber ganz gewiss  nicht damit, dass er heute gleich zwei neue Jobangebote bekommen würde.

© Madison Clark

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Diese Überraschung ist gelungen, oder was meint ihr? Und nun durftet ihr auch noch weitere Charaktere kennenlernen. Was es mit ihnen auf sich hat, das verrate ich jetzt noch nicht, aber ihr dürft schon sehr gespannt sein 😉

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Ein Kommentar zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 07.12.2016

  1. Das war ja eine schöne Überraschung für Gabriel. Gleich zwei neue Jobs. Schon klasse. Man kann gespannt sein was die Zukunft noch so alles mit sich bringt.

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