Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 03.12.2016

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Schon haben wir das 3. Türchen erreicht. Wer die ersten beiden noch nicht kennt, der kann sie HIER nachlesen.
Da hat sich wohl jemand verguckt 😉 … und wäre der kleine Henry nicht, wüsste Gabriel wohl immer noch nicht, ob und wie er den süßen Riley ansprechen sollte.
Jetzt spanne euch nicht weiter auf die Folter und wünsche euch viel Spaß mit dem nächsten Türchen.

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Türchen 3

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Übermüdet gähnte Gabriel und streckte sich. Ein kurzer Blick auf die Uhr am unteren Bildschirmrand verriet ihm, dass es kurz vor sieben Uhr morgens war. Erschrocken stellte er fest, dass er die ganze Nacht kein Auge zugemacht hatte. Nur blieb ihm jetzt keine Zeit mehr sich jetzt ins Bett zu legen und wenigstens für eins oder zwei Stunden zu schlafen. Um neun Uhr erwartete Frank ihn am Black Desire.

Gabriel hatte gestern am späten Nachmittag noch ein längeres Telefonat mit seinem besten Händler für Computerzubehör geführt, und heute wollte er bereits alles liefern. Ihm war es recht, denn so konnte er schneller mit der Arbeit anfangen und sich hoffentlich von seinen derzeitigen Gedanken ablenken.

Seufzend stand er auf und spürte ein heftiges Ziehen in der Lendenwirbelsäule. Sein mit Leder überzogener Bürostuhl war an und für sich sehr bequem, aber nicht, wenn man stundenlang wie ein besessener Nerd systematisch eine Website studierte, und förmlich am Bildschirm klebte. Es war sicherlich nicht die erste Nacht, die er sich um die Ohren geschlagen hatte, und würde auch bestimmt nicht die letzte werden, doch für den Rücken war ein ordentliches Bett eindeutig besser.

Immer noch fasziniert von den vielen Eindrücken der letzten Stunden, schlurfte er ins Badezimmer und zog sich auf dem Weg dorthin aus. Er stieg unter die Dusche und drehte das warme Wasser auf. Genießerisch schloss Gabriel die Augen und ließ sich von dem angenehmen Wasserstrahl verwöhnen, der wie eine leichte Massage auf seinen Rücken prasselte.

Zum hundertsten Mal fragte er sich, nachdem seine Neugier ihn gestern Abend auf die Website des Black Desires geführt hatte, wo er nur hineingeraten war. Immer wieder spukten die Bilder der einzelnen Seiten durch seinen Kopf und brachten seine Fantasie auf Hochtouren. Der öffentliche Bereich war ein ganz normaler Bar- und Tanzbereich, wie in einem der zahlreichen Gay-Clubs, sogar einen Darkroom gab es. Damit endete allerdings auch der Vergleich. Das Black Desire bot exklusive Zimmer an, die man für eine ganze Nacht mieten konnte und dazu einen der vielen Callboys, die ebenfalls auf der Seite angepriesen wurden. Einer aufreizender als der andere. Das allein war etwas, dass ihn sicherlich noch lange beschäftigen würde.

Gabriel war in einer gut christlichen Familie aufgewachsen, die seine homosexuelle Neigung nur mit Zähneknirschen akzeptierte – und das auch nur, weil sein älterer Bruder verheiratet war und zwei Kinder hatte. Wenn seine Eltern wüssten, wo er die kommenden Tage arbeitete, würden vor Scham in die Kirche rennen und für seine Sünden beten.

Grinsend nahm er das Duschbad und seifte sich ein. Vielleicht sollte er ihnen nicht nur sagen, dass er in einem Bordell die Computeranlage auf Vordermann brachte, sondern dass es dort auch SM-Spielzimmer gab. Bei der Vorstellung schüttelte es ihn. Er mochte es lieber sanft und gefühlvoll. Demütigungen und Schmerzen gehörten für ihn nicht zu einem erotischen Liebesspiel. Aber jeder nach seiner Fasson, war eines seiner Mottos.

Was Gabriel wirklich erschüttert hatte, war die Möglichkeit ein VIP-Mitglied zu werden. Bei den unterschiedlichen Abonnements konnte man locker über zehntausend im Monat zahlen, für ein Jahr sogar hundertvierzigtausend Pfund. So viel verdiente er nicht einmal in einem Jahr und andere warfen es für ein wenig käufliche Liebe aus dem Fenster. Obwohl es ihn sehr interessiert hätte, welche exklusiven jungen Männer dort angeboten wurden, musste er auf diesen Einblick verzichten. Dazu hätte hätte er erst Mitglied werden müssen. Trotz seiner guten Erfahrungen im Hacken von Seiten, war es ihm nicht gelungen, hinter die Fassade zu blicken. Wer immer die Codes geschrieben hatte, er verstand sein Handwerk.

»Verdammt … du solltest dich lieber auf deinen Job konzentrieren«, schimpfte er sich und griff nach dem Shampoo.

Eine halbe Stunde später war er abgetrocknet, angezogen und frisch frisiert. Auf das Rasieren verzichtete er, sonst käme er wirklich noch zu spät. Eilig schnappte er sich noch ein Stück der kalten Pizza von gestern Abend, seine Jacke und Tasche und verschwand.

***

Abgehetzt, aber pünktlich schaffte Gabriel es gerade rechtzeitig, als Frank mit dem Lieferwagen in den Hinterhof fuhr. Sam, Sean Ashtons Assistent, war ihnen behilflich und zeigte ihnen, wo die Gerätschaften vorerst zwischengelagert werden konnten. Von ihm erhielt er schließlich auch einen Schlüssel für das Büro im Erdgeschoss, nicht weit vom Bar- und Tanzbereich entfernt, das nun vollstand mit neuen Rechnern, Bildschirmen, Tastaturen, zwei Laptops und jeder Menge Kabeln. Sogar einen neuen Server hatte Frank auf die Schnelle organisieren können. Damit war im groben erst einmal alles da, was Gabriel zum Arbeiten benötigte.

»Gib mir den Lieferschein und die Rechnung«, sagte Sam und nahm beides entgegen. »Ich werde veranlassen, dass Frank sein Geld bekommt. Sean ist noch unterwegs, aber ich denke, ihr beide seid euch einig?«

»Ja. Ich hatte gestern Abend noch kurz mit ihm telefoniert.«

»Gut. Dann werde ich dich mal deine Arbeit machen lassen. Falls du etwas benötigst, findest du mich du gleich neben dem Büro von Sean. Oben befindet sich auch der Serverraum. Der Name steht drauf und der Schüssel passt.«

»Danke.« Gabriel sah dem leicht untersetzten Sam hinterher, der das kleine Büro verließ.

Seans Assistent, den er auf Anfang Vierzig schätzte, passte so gar nicht ins Bild, das er sich in der Nacht von diesem Etablissement hatte machen können. Nicht nur die gesamte Einrichtung wirkte exklusiv, auch die Jungs.

Seufzend wanderte Gabriels Blick über die Computer. Einen Moment überlegte er, den neuen Server hier unten stehen zu lassen, entschied sich jedoch dagegen. Immerhin wollte er die Daten überspielen. Also nahm er den kleinen Server – nicht größer als ein normaler Standrechner – auf den Arm und griff nach einigen neuen Kabeln. Damit verschwand er in den Flur.

»Hi Süßer«, kam es plötzlich von hinten und beinahe hätte er den Servertower fallen gelassen.

»Oh! Sorry … wollte dich nicht erschrecken«, sprach die Stimme weiter und schon spürte er zwei Arme, die ihm halfen, den Server vor dem Fallen zu bewahren.

Mit einem Blick über das Gehäuse hinweg entdeckte er einen jungen Mann, der ihn mit einem frechen Grinsen zunickte. Der Typ sah verboten gut aus in der hautengen Jeans und der offenen Weste über dem nackten Oberkörper. Doch an Riley kam er bei Weitem nicht ran, trotz der glänzend blauen Augen und dem aufreizenden Äußeren.

»D … da … danke«, stotterte er und biss sich augenblicklich auf die Lippen. Innerlich schüttelte er den Kopf. Warum musste er ausgerechnet jetzt an Riley denken?

»Soll ich dir vielleicht helfen?«

»Ähm … ähm … nein, danke. Ich muss nur zum Aufzug.« Mehr brachte Gabriel nicht heraus. Wenn er sich recht erinnerte, hatte er sein Gegenüber letzte Nacht auf der Website des Clubs gesehen, als einer der Luxusboys, der für eine heiße Nacht tausend Pfund kostete.

»Dann begleite ich dich ein Stück«, sagte dieser und stellte sich ihm kurz darauf als Jamie vor.

»Hi, ich bin Gabriel. In den nächsten Tagen werde ich hier die IT-Anlage bearbeiten.«

»Dann sehen wir uns bestimmt noch öfter«, kam als Antwort und Jamie verabschiedete sich mit einem Zwinkern von ihm, bevor er weiter den Flur hinunter lief.

Gabriel versuchte, nicht darüber nachzudenken, stieg in den Aufzug und fuhr in den fünften Stock. Auf der Fahrt nach oben fragte er sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war diesen Auftrag anzunehmen? Je länger er hier ein- und ausging, desto öfter würde er sicherlich dem einen oder anderen Callboy über den Weg laufen. Klar sahen sie optisch alle zum Anbeißen aus, doch genau das irritierte ihn. Vor allem kam er sich als Außenseiter vor, eher wie das hässliche Entlein zwischen all den wunderschönen Schwänen. Anderseits benötigte er dringend diesen Auftrag. Sein Erspartes würde nicht ewig reichen und seine Eltern oder seinen Bruder wollte er keinesfalls anbetteln.

» Tja, da musst du jetzt wohl durch «, flüsterte er vor sich hin. »Du machst einfach deine Arbeit, bist freundlich und das war‘s.«

Schließlich erreichte er den Serverraum und konnte den inzwischen ziemlich schwer gewordenen Server abstellen. Während er die Arme ausschüttelte, sah er sich um. Der Raum wirkte auf den ersten Blick wie eine Abstellkammer. In den Regalen lagerten jede Menge Büroutensilien, sowie diverse Ordner, dazwischen stand ein Schreibtisch mit Stuhl. Er bemerkte auch, dass die Klimaanlage lief. Zumindest wusste derjenige, der das hier ursprünglich eingerichtet hatte, worauf es ankam.

Bevor er sich an die Arbeit machte, beschloss er noch eine zu rauchen. Die kommenden Stunden hätte er alle Hände voll damit zu tun, alles vorzubereiten und die Daten zu überspielen. Gabriel schnappte sich den Schlüssel, schloss ab und lief zurück zum Fahrstuhl. Er fuhr wieder hinab ins Erdgeschoss und war gerade dabei die Tür zum Hinterhof zu öffnen, als eine Stimme auf der anderen Seite schrie.

»Verfluchte Scheiße! Das hat ein Nachspiel!«

Die Tür wurde aufgerissen und er stand Sean Ashton gegenüber. Sein verärgerter Ausdruck verwandelte sich rasch in eine freundliche Miene.

»Du bist ja schon da«, stellte Sean fest, trat ein und steckte sein Smartphone in die Manteltasche. Ihm folgte Riley.

»Hi. Ja, es ging alles schneller, als ich dachte«, antwortete Gabriel und versuchte sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren, aber sein Blick wanderte immer wieder zu Riley, der den Eindruck machte, als wollte er sich hinter Sean verstecken.

© Madison Clark

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Neugierig lasse ich euch jetzt zurück. Wie hat euch dieser Abschnitt gefallen? Zumindest hat Gabriels Neugier ihm eine schlaflose Nacht beschert.  Aber wann erhält man schon einmal einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen, oder was meint ihr?
Morgen geht es weiter, ihr dürft schon gespannt sein.

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2 Kommentare zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 03.12.2016

  1. Oh, oh, kann es sein, dass Angel für die VIPs zu buchen ist?
    Für Gabriel würde das vermutlich ein herber Schlag sein. Andererseits geht es ihn nichts an.

    So richtig wohl fühlt er sich in seinen neuen Job ja nicht und von seinem eigenen Aussehen scheint er auch nicht angetan zu sein.

    Scheint Ärger in der Luft zu liegen was Sean betrifft. Zumindest lässt das Telefonat darauf schließen.

    LG. ~Ilona

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