Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 02.12.2016

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Ich hoffe, euch hat das Türchen 1 gefallen … wer es noch nicht kennt, kann es HIER nachlesen.
Und ohne große Worte, wünsche ich euch jetzt viel Spaß mit Gabriel und Riley.

 

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Türchen 2

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Nur wenige Meter von Gabriel entfernt lehnte Riley lässig an der Hausmauer. Die Schürze hatte er gegen eine körperbetonte schwarze Lederjacke getauscht. Mit der einen Hand tippte er auf einem Smartphone herum, in der anderen hielt er eine brennende Zigarette.

Einen Moment lang überlegte Gabriel, ob er ihn ansprechen sollte, entschied sich jedoch dagegen. Sie kannten sich nicht und er war nicht der extrovertierte Typ, der einfach auf jemanden zuging und ungefragt anquatschte. Ganz abgesehen davon, dass er nicht einmal wüsste, was er außer »Hi« und »Bye« hätte sagen sollen. Also drehte er sich um, lief los und blieb sofort wieder stehen. Ein kleiner weißer Hund kam auf ihn zu gerannt, bellte und hüpfte freudig an seinen Hosenbeinen nach oben.

»Henry … aus«, hörte er Riley rufen und Gabriel sah über seine Schulter.

Riley ließ das Handy in der Hosentasche verschwinden, schnippte die Zigarette fort und eilte auf sie zu. Er bückte sich und nahm den Hund auf den Arm, der ihm sofort mit der Zunge das Gesicht ableckte.

»Nein, lass das, Henry.« Riley lachte und versuchte sich vor der feuchten Hundezunge in Sicherheit zu bringen. »Ja, ich habe dich auch lieb. Aber du kannst doch nicht einfach jemanden um Leckerlis anbetteln. Wir haben ausgemacht, dass du erst welche bekommst, wenn du brav warst.«

»Er ist doch brav«, sagte Gabriel und grinste.

»Wenn er will, schon. Das mit dem Abbetteln verlernt er wohl nie. Und das trotz Hundeschule.« Riley gab dem Hund einen Kuss auf den Kopf und setzte ihn auf dem Boden ab, wo er bellend um sie beide herumflitzte und mit dem Schwanz wedelte. »Und wenn du brav bist, vielleicht bekommst du was von deinem neuen Freund.« Er zwinkerte Gabriel zu und griff in die Jackentasche. Anschließend überreichte er ihm zwei kleine runde Hundekuchen. »Du hast doch keine Angst vor Hunden, oder?«

»Ich … ähm … nein.« Gabriel machte aus seiner Überraschung keinen Hehl und nahm die Leckereien an. »Was ist das für eine Rasse?«

»Die nennen sich Bolonka Zwetna. Die Rasse kommt aus Russland, wenn ich mich nicht irre.«

»Ah, okay«, antwortete Gabriel und spürte, wie sein Herz auf einmal wieder schneller schlug. Eben noch hatte er sich gewünscht Riley wiederzusehen, und nun mit ihm so unerwartet und zwanglos zu reden, schien in diesem Moment der Höhepunkt seines Tages zu sein. Auf gewisse Weise kam er sich bei dem Gedanken kindisch vor. Obwohl er mit seinen achtundzwanzig Jahren gewiss kein Kind von Traurigkeit war.

Schließlich ging er in die Hocke und präsentierte Henry die Hundekuchen auf der flachen Hand. Der kleine quirlige Kerl schnupperte kurz und verschlang beide mit einem einzigen Happs. Lachend streichelte Gabriel ihm über den weichen Wuschelkopf und kicherte, als der Hund ihm die Finger ableckte.

»Du bist wirklich ein ganz Braver, Henry. Ich sehe dich bestimmt noch einmal. Denn in den nächsten Tagen arbeite ich hier.«

Als Gabriel aufstand, blickte er in zwei glänzende saphirblaue Augen, die ihn mit einer ihm unbekannten Neugier durchbohrten und die seine Wangen zum Glühen brachten. Wenngleich er Riley nicht kannte, war er sich in jenem Augenblick sicher, dass er bisher noch keinem Mann begegnet war, der ihn so verlegen machte.

»Sean sagte, dass du das Computersystem überarbeitest«, bedeutete Riley und holte nebenbei eine Zigarettenschachtel aus der Jackentasche. »Ich kenne mich damit überhaupt nicht aus. Ich weiß, wie man einen Computer einschaltet und im Internet surft, das war‘s auch schon.« Er lächelte zaghaft und nahm sich eine Zigarette. »Rauchst du? Möchtest du auch eine?« Er hielt ihm die Schachtel entgegen.

»Ja. Danke.« Gabriel zog sich eine heraus und steckte sie in den Mundwinkel.

»Hier. Feuer«, meinte Riley, bevor er sein eigenes Feuerzeug griffbereit hatte.

Nachdem beide den ersten Zug genommen hatten, sah Gabriel dem Hund hinterher, der freudig einem Tennisball hinterher jagte.

»Magst du wirklich die kreolische Küche?«, überrumpelte ihn Riley mit der Frage. »Das ist jetzt das dritte Mal, wo ich sie ausprobiere. Aber am liebsten esse ich indisch.«

Gabriel schluckte und wusste zuerst nicht, was er antworten sollte. »Ich muss zugeben«, gestand er, »ich habe sie erst einmal probiert. Und das ist schon etwas länger her. Damals war ich mit einem Freund für vier Wochen in den Südstaaten unterwegs. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass es sehr lecker war. Persönlich stehe ich mehr auf Fastfood.« Leicht beschämt biss er sich auf die Unterlippe.

»Oh nein, das geht gar nicht. Gesundes Essen ist genauso wichtig wie gesunder Schlaf«, rügte Riley ihn und lachte. »Frag bei Gelegenheit Sean. Seitdem ich ihm jeden Tag etwas koche, lebt er deutlich gesünder als vorher. Und sobald du mit deiner Arbeit anfängst, bekommst du auch was Anständiges von mir.«

»Aber … aber…«

Einen flüchtigen Moment später spürte er Rileys Zeigefinger auf den Lippen. »Nichts aber … ich koche gerne und es bleibt immer so viel übrig. So wird wenigstens nichts weggeworfen.«

Gabriel hätte beinah erneut vergessen zu atmen und war nur zu einem Nicken fähig. Seine Gedanken rasten, genauso wie sein Herz. Riley strahlte eine Wärme aus, die ihm ein Kribbeln über den Rücken jagte. Dabei sog er den süßlich herben Duft von Rileys Eau de Toilette ein. Dieser Typ sah nicht nur verdammt heiß aus, sondern er roch auch noch so verführerisch, dass er ihn am liebsten auf der Stelle geküsst hätte. Er musste sich stark zusammenreißen und biss sich auf die Zunge, bevor er sich beinah über die Lippen geleckt hätte. Dabei war er überhaupt nicht die Sorte Mann, die sich gleich dem erst besten an den Hals warf. Vor allem dann nicht, wenn er ihn gerade eben erst kennengelernt hatte.

Zudem war Gabriel kein Partygänger. In die schwule Szene Londons ging er nur mit guten Freunden, um Spaß zu haben, und nicht, ob sich von einem anderen Typen für einen One-Night-Stand abschleppen zu lassen. Seinen ersten Freund hatte er mit Neunzehn während des Studiums kennengelernt. Den zweiten Freund vor drei Jahren bei der Einzugsparty von Matthew. Wenigstens hatte sein derzeitiges Singledasein einen Vorteil. Er konnte tun und lassen, was er wollte und der Aufbau seiner Selbständigkeit stand ohnehin gegenwärtig im Mittelpunkt.

Was tat Riley nur mit ihm? Am besten wäre es, er würde jetzt verschwinden, sich irgendwo einen Kaffee to Go bestellen und ganz auf den neuen Auftrag konzentrieren.

»Entschuldigung, da muss ich schnell ran«, hörte er wie aus weiter Ferne Rileys Stimme und Gabriel benötigte einige Augenblicke, bis er verstand, dass sein Gegenüber sich von ihm weggedreht hatte und das Handy ans Ohr hielt. Das Klingeln hatte er überhaupt nicht mitbekommen.

Gabriel nickte und zog an der Zigarette. Schließlich sah er sich nach Henry um und entdeckte ihn, keine zwei Meter entfernt mit dem Ball spielend. Er ging in die Hocke und lockte den knuffigen kleinen Kerl zu sich heran, der sich das kein zweites Mal sagen ließ. Seine Hand fuhr ihm durch das weiche Fell und er freute sich, Henry in den kommenden Tagen öfter zu sehen. Vielleicht würde er ihm sogar einen Hundeknochen unterwegs kaufen. Immerhin hatte er etwas bei ihm gut, sonst wäre er sicherlich nie mit seinem Herrchen ins Gespräch gekommen.

»… was heute?«, vernahm er Rileys Stimme. »Ich dachte, heute Abend sollte …«. Es entstand eine Pause, dann sprach er weiter. »Nein, das wusste ich nicht. Das hat er mir nicht gesagt.« Wieder wurde er still und Gabriel beobachtete ihn, wie er nervös an der Zigarette zog und auf den Boden starrte. »Ja, das für Sonntag hat er mir gesagt.« Er seufzte. »Gut. Ich gehe nur noch einmal schnell mit Henry in den Park. Bis gleich.«

Riley beendete das Gespräch und wandte sich erneut an Gabriel.

»Es hat mir Spaß gemacht mit dir zu reden. Leider muss ich los. Heute rennt die Zeit nur so davon. Wir sehen uns bald wieder. Ich wohne übrigens oben im Penthouse. Und nicht vergessen, du bist zum Essen eingeladen.«

»Keine Sorge, das vergesse ich nicht.« Gabriel lächelte ihn an und streichelte Henry ein letztes Mal, bevor er sich erhob. »Und danke für die Zigarette.«

Riley winkte ab und rief Henry zu sich.

»Übrigens, ich bin Gabriel. Aber du kannst mich ruhig Gab nennen. Alle meine Freunde nennen mich so.«

»Aber nur, wenn du mich Angel nennst«, sagte Riley und zwinkerte ihm zu.

Angel. Gedanklich wiederholte er den Namen gleich mehrmals. Riley hätte wohl keinen passenderen Spitznamen haben können.

»Okay, dann sehen wir uns, Angel.«

Kaum waren die letzten Worte ausgesprochen, war Riley bereits mit Henry um die Ecke gebogen und aus Gabriels Sichtfeld verschwunden.

© Madison Clark

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Das war Türchen 2 und ich bin gespannt … wie hat euch der Abschnitt gefallen?
Morgen erwartet euch dann schon das nächste Türchen.

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3 Kommentare zu “Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 02.12.2016

  1. Hallo,

    habe gerade mit deiner Geschichte angefangen und mich sofort
    in Gab und Angel verliebt. Sind ja auch wirklich süße die Zwei und Henry auch.
    Stürze mich gleich auf das nächste Türchen.
    LG. ~Ilona

  2. Ich grinse gerade dämlich vor mich hin XD
    Boa sind die süß! Da bekommt man ja Karies!
    Danke für das heutige Kapitel :*

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