Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 06.12.2016

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Ich wünsche euch allen einen schönen Nikolaustag nikolaus
Und bevor es heute an das Türchen Nr. 6 geht, möchte ich euch an mein Nikolaus-Gewinnspiel erinnern. Schaut doch mal vorbei😉
Und wer die ersten 5 Türchen von „Angel’s Guardian“ noch nicht kennen sollte, der kann sie HIER nachlesen.
Und nun geht’s auch schon gleich weiter mit den zwei Süßen.

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Türchen 6

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Mit zwei Gläsern Wasser kam Riley zurück und zog eine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche.

»Du verrätst mich doch nicht, oder? Bis unten auf den Barbereich und im Aufenthaltsraum der Jungs ist eigentlich im gesamten Gebäude Rauchverbot. Manchmal habe ich aber einfach keine Lust nach unten zu gehen.«

»Keine Sorge. Aber nur, wenn ich diesmal eine ausgeben darf.« Gabriel trank einen Schluck Wasser und reichte Riley seine Zigarettenschachtel hinüber.

»Danke. Feuer?« Revanchierte er sich.

Gabriel lehnte sich satt und zufrieden zurück und zog genüsslich an der Zigarette.

»Ich darf gar nicht dran denken, dass ich eigentlich seit fast zwei Jahren aufhören will.«

»Sean ist auch der Meinung, ich sollte endlich damit aufhören«, sagte Riley und kicherte. »Da stößt er bei mir allerdings auf taube Ohren. Bis vor ein paar Jahren hat er selbst noch geraucht und dann plötzlich von einem Tag auf den anderen aufgehört. Seitdem ist er sehr kritisch bei diesem Thema.«

»Da kann er meinem Dad die Hand reichen.« Gabriel lachte und sah seinen Vater vor sich, der ebenfalls dieses Laster von einem auf den anderen Tag hatte abwerfen können und seitdem jedem einen Vortrag über die bösen Klimmstängel hielt, der es wagte sich in seiner Nähe eine Zigarette anzustecken – ob derjenige es hören wollte oder nicht. »Und was sagen deine Eltern dazu?«

Riley seufzte tief, nahm das Glas und trank es mit einem Schluck leer. Als er es wieder abstellte, stand er auf und lief hinüber zu einem der Fenster, die hier genauso zahlreich waren wie im Wohnbereich. »Ich weiß nicht, was sie sagen würden. Meine Mutter ist gestorben, da war ich gerade vier. Mein Vater hat sich verabschiedet als ich neun war. Davor hat er viel getrunken.«

Beschämt sah Gabriel auf die Tischplatte. »Tut mir leid.«

»Muss es nicht. Du konntest es doch nicht wissen«, kam es von Riley. »Wie lange wirst du heute noch arbeiten? Denn wenn ich mit dir in den Spa-Bereich will, dann sollten wir uns besser beeilen.«

Wie aufs Stichwort spürte Gabriel wieder seine verspannte Nackenmuskulatur. Aber sollte er wirklich auf den Vorschlag eingehen? Er war sich unsicher, wobei das Angebot wirklich verlockend war.

»Ähm … ich … ich …«

»Wenn du nicht willst, musst du nicht. Ich dachte nur, so ein wenig Entspannung könnte dir ganz gut tun.«

Gabriel sah ihn leicht hilflos an.

»Falls du dir Sorgen wegen Sean machst, dann vergiss die gleich wieder.« Riley kam zurück zum Tisch und brachte einen Aschenbecher mit. »Betrachte es eher als ein Privileg. Du gehörst eben einfach zu den wenigen, die dafür nichts zahlen müssen.« Er nahm den letzten Zug und drückte die Zigarette daraufhin aus.

»Nun gut«, sagte Gabriel schließlich mehr zu sich selbst. » Gib mir noch eine halbe Stunde, dann bin ich soweit.«

***

Ohne die letzten dreißig Minuten wirklich etwas getan zu haben, schaltete er schließlich den Bildschirm aus. Das Überspielen der restlichen Daten in den nächsten Stunden brauchte er nicht zu überwachen. Zur Sicherheit, falls Sean oder sein Assistent Sam vorbeikommen und sich fragen sollten, wo er denn steckte, hinterließ er einen Notizzettel mitsamt seiner Handynummer. Nervös schnappte er sich die Tasche und Jacke, verließ den Serverraum und schloss sorgfältig hinter sich ab. Gerade als er überlegte, was er jetzt tun sollte, kam Riley auf ihn zu, der etwas unter dem Arm trug.

»Ich hoffe, sie passt dir«, sagte er und überreichte Gabriel eine Badehose. »Aber so wie ich das sehe, haben wir ungefähr die gleiche Größe.«

»Danke«, nuschelte Gabriel verlegen und folgte Riley zum Aufzug.

Sie fuhren in den vierten Stock und betraten einen geräumigen Korridor, der sich deutlich vom Rest des Gebäudes unterschied, soweit er das sagen konnte, denn er hatte noch längst nicht alles gesehen. Die hellen Wände waren dunkleren Farben gewichen, und die Beleuchtung war dezent und indirekt angebracht. So wirkte es, als würden die Wände selbst ein diffuses Licht ausstrahlen.

Riley führte ihn zu einer Tür mit der Aufschrift ‚Privat‘, hinter der sich eine puristisch anmutende Umkleide verbarg. Der Boden und die Wände waren cremefarben gefliest. Zwei Bänke in der Mitte und mehrere Spinde zu beiden Seiten des Raumes waren alles, was sich hier drin befand.

»Du kannst deine Sachen ruhig liegen lassen, da geht niemand dran«, sagte Riley und begann sich völlig ungeniert vor Gabriels Augen zu entkleiden. Zuerst zog er seinen schwarzen Pullover aus, anschließend knöpfte er die Jeans auf. »Na komm schon. Ich beiße nicht.«

»Schade«, antwortete Gabriel prompt und lachte.

»Soll ich es mal ausprobieren?« Riley zwinkerte.

»Vielleicht lieber nach deiner versprochenen Massage.« Gabriel grinste und legte die Tasche und die Jacke ab. Er war sich sicher, dass sein Kopf einer überreifen Chilischote glich. Ohne weitere Worte tat er es seinem Gegenüber gleich, schielte dabei aber immer wieder aus den Augenwinkeln zu ihm hinüber. Er konnte seinen Blick einfach nicht von dem wunderschönen Körper lassen. Riley zog ihn magisch in seinen Bann. Sein wohlgeformter und gut trainierter Körper war von einigen Tattoos verziert und wirkte auf ihn schlichtweg unwiderstehlich. An seinem rechten Oberarm erkannte er ein brennendes Kreuz, und auf der linken Seite der Brust sah er einen Phoenix, der die Flügel ausgebreitet hatte, als würde er sich gerade in die Luft erheben. Das aufregendste war jedoch ein Tribal-Tattoo, das sich von oberhalb der rechten Taille abwärts schlängelte und nur vom Bund bis zu den Knien reichenden Badehose unterbrochen wurde. Einen Sekundenbruchteil fragte er sich, wie es wohl im Ganzen aussehen würde. Jeglicher Gedanke daran löste sich allerdings augenblicklich in Luft auf, als Riley sich umdrehte und ihm seinen Rücken präsentierte.

Zwei große Engelsflügel erstreckten sich über die gesamte Rückenpartie. Die Schatten jeder einzelnen Feder war deutlich zu sehen, und je länger er sie anstarrte, desto echter wirkten sie.

»Die … die sind ja … der Hammer«, stammelte Gabriel völlig fasziniert.

»Du meinst die Flügel?« Riley drehte sich zu ihm um. »Die waren ein Geburtstagsgeschenk von Sean. So gut sie aussehen, so lange hat es auch gedauert und es war nicht gerade angenehm.«

»Das glaube ich dir sofort.«

»Zieh dich in Ruhe um, ich gehe schon einmal vor, Gab.« Mit diesen Worten öffnete Riley eine milchige Glastür am Ende der Umkleide und verschwand.

Gabriel musste erst einmal tief durchatmen und setzte sich auf eine der beiden Bänke. Dieser Typ verdrehte ihm seit zwei Tagen im wahrsten Sinn des Wortes total den Kopf. Nicht nur, dass er ihn eben zum ersten Mal bei seinem Spitznamen nannte. Nein. Riley berührte etwas in seinem Inneren, etwas, dass er vorher noch nie so intensiv empfunden hatte und auch nicht kannte. Es war mehr als pure Schwärmerei für einen anderen Mann. Aber auch keine bloße Verliebtheit, wie bei einem Teenager, der wegen einem gut aussehenden Typen blind durch die Gegend lief. Beinah fühlte es sich an, als würde Riley seine Seele berühren.

»Hör gefälligst auf mit diesen blöden Gedanken«, schimpfte er sich und entledigte sich hastig seiner restlichen Kleidung. Anschließend zog er die Badehose an. »Du benimmst dich ja wie ein verliebter Idiot.«

Erstaunt stellte er fest, dass Riley recht gehabt hatte und ihm seine Hose wie angegossen passte. Seufzend nahm er all seinen Mut zusammen und folgte ihm durch die Glastür in den Spa-Bereich.

Augenblicklich wurde er von unaufdringlichem, aber dennoch eindrucksvollem Luxus und einer entspannten Atmosphäre eingehüllt. Vor ihm erstreckte sich ein großer Pool. Auf der einen Seite entdeckte er Ruheliegen, die von Vorhängen voneinander abgetrennt waren, und einige geschlossene Türen. Auf der anderen gab es zwei Whirpools, die im Boden eingelassen waren. In dem hinteren hatte es sich Riley bereits gemütlich gemacht. Entspannungsmusik drang aus versteckten Lautsprechern und es lag ein angenehmer Geruch in der Luft, den er jedoch nicht so recht einzuordnen wusste. Zudem war alles in ein sanftes orangefarbenes Licht getaucht. Ganz am Ende befand sich das Bistro, von dem er auf der Website gelesen hatte, das durch eine Glaswand vom Spa-Bereich abgetrennt war.

Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch näherte er sich Riley, der ihn ungeduldig dazu aufforderte zu ihm ins warme Wasser zu steigen. In der Hoffnung, nicht einer Ganzkörpertomate zu ähneln, stieg er langsam die paar Stufen ins sprudelnde Wasser und setzte sich neben ihn auf die im Whirlpool eingebaute Bank. Gabriel lehnte sich zurück, schloss die Augen und bemerkte nach einigen Minuten erstaunt, dass er tatsächlich im Begriff war, sich fallen zu lassen.

»Wenn du Sean fragst, erlaubt er dir bestimmt öfter hierher zu kommen«, flüsterte Riley ihm plötzlich ins Ohr. »Natürlich nur, wenn kein Betrieb ist.«

Überrumpelt, weil er unerwartet so nah bei ihm war, konnte Gabriel nur nicken. Schon im nächsten Moment spürte er Rileys Hände auf seiner Schulter.

»Du musst dich vor mich hinsetzen, sonst funktioniert das nicht. Am besten setzt du dich auf meine Knie.«

Sanft, aber bestimmend zog er Gabriel näher zu sich heran, bis er in der richtigen Position war. Rileys Finger begannen ihm zuerst behutsam über die Schultern und den Nacken zu streicheln, dann bewegten sie sich gezielt zu den ertasteten Knoten und kneteten seine verspannte Muskulatur. Es war die beste Massage, die er je bekommen hatte, doch die Situation in der er sich befand, trug nicht gerade dazu bei, dass er sich wirklich entspannen konnte. Sein Herz klopfte wie wild und ein heißer Schauer erfasste Gabriels Körper. Leise stöhnend genoss er Rileys Zuwendung, als er plötzlich ein eindeutiges Ziehen in den Lenden verspürte. Das Blut schoss in seine Körpermitte und brachte ihn in Erregung.

Peinlich berührt zuckte er zusammen. Fast im selben Moment hörte er eine Stimme, die nach Riley rief. Erschrocken machte er einen kleinen Hüpfer zur Seite und spritze ihnen beiden dabei Wasser ins Gesicht.

»Immer langsam mit den jungen Pferden. Du sollst dich doch entspannen.« Riley lachte und zwinkerte ihm zu.

Das war zu viel für Gabriel, der instinktiv weiter ins Wasser hinabrutschte und am liebsten tief im Erdboden versunken wäre.

»Da bist du ja«, sagte die Stimme und aus den Augenwinkeln erkannte er Sam.

»Sean will dich sehen. Keine Ahnung, um was es geht, aber du sollst dich bei ihm blicken lassen, bevor das Geschäft losgeht. Und? Wie gefällt dir unser Spa?« Die letzten Worte richtete er an Gabriel.

»G… gut«, stotterte er und versank bis zur Nasespitze im Wasser.

Riley seufzte. »Das heißt dann wohl im Klartext … sofort. Gab, wir müssen unsere Massage leider verschieben. Aber du kannst gerne noch eine halbe Stunde hierbleiben.«

»Mach … ich, Riley.«

»Nenn mich Angel. Alle Freunde nennen mich so.«

© Madison Clark

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Ich würde sagen, das war jetzt ein Erlebnis für Gabriel, das er so schnell nicht vergisst, oder was meint ihr?
Morgen geht es weiter und ihr dürft bereits gespannt sein.

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.https://autorinmadisonclark.wordpress.com/2016/12/06/nikolaus-gewinnspiel/

Nikolaus-Gewinnspiel

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nikolausstiefel

Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich strolch‘ durch des finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell´,
heb deine Beine und spute dich schnell!

Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“

„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.“

„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil den rechten!“

Christkindlein sprach: „So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

(Theodor Storm)

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Heute feiern wir Nikolaus und nicht nur er hat etwas dabei, sondern ich auch, und zwar einen Gewinn. Ihr habt die Möglichkeit direkt auf meinem Blog mitzumachen oder wahlweise über Facebook, dass ist euch überlassen. Aber ich bitte euch, bleibt fair und nehmt nur einmal daran teil. Danke.
Um zu gewinnen, müsst ihr den Beitrag liken und kommentieren und mir verraten, welches schönste Geschenk euch der Nikolaus schon gebracht hat. Wenn ihr gerne möchtet, dürft ihr das Gewinnspiel auch teilen, ist aber kein muss.
Teilnahme bis 06.12.2016 23:59 Uhr möglich.
Und natürlich geht es auch mit meiner Adventsgeschichte weiter😉

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Teilnahmebedingungen:
Auslosung findet am 07.12.2016 statt
Der/Die Gewinner/in wird von mir per Email oder PN nach Auslosung benachrichtigt.
Versand nur innerhalb Deutschlands
Teilnahme ab 18
Weder mein Bloganbieter noch FB hat etwas mit dem Gewinnspiel zu tun

Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 05.12.2016

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Ich hoffe, ihr hattet einen schönen, wenn auch frostigen 2. Adventssonntag.
Bevor sich das 5. Türchen für euch öffnet, möchte ich euch noch an das morgige Gewinnspiel erinnern. Es wird sexy und euch das komplette nächste Jahr begleiten. So viel sei verraten😉
Und für alle, die neu dazugestoßen sind, alle bisher geöffneten Türchen meiner Adventsgeschichte könnt ihr HIER nachlesen.
Jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit Gabriel und Riley.

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Türchen 5

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»Dann ist es also beschlossene Sache.« Riley ergriff Gabriels Hand und zog ihn auf die Beine. »Und jetzt wird erst mal was Ordentliches gegessen.«

Völlig überrumpelt und mit leicht zittrigen Knien ließ er sich aus dem Raum führen und lief mit Riley zu dessen Wohnungstür.

»Schau dich nur nicht so genau um«, sagte Riley und öffnete die Tür, die nur angelehnt war. »Susann hat zurzeit Urlaub und ich bin nicht so gut in Ordnung halten. Katy und Paula, die die Zimmer unten sauber machen, haben genug zu tun, die können sich nicht auch noch um meine Bude kümmern.«

Innerlich musste Gabriel grinsen. Wenn Riley nur wüsste, wie es bei ihm Zuhause aussah. Chaos beschrieb nicht einmal annähernd die Katastrophe, die sich in seinen vier Wänden ausgebreitet hatte. Umso neugieriger folgte er ihm ins Penthouse. Staunend wanderte sein Blick umher. Die komplette Wohnung war in Weiß gehalten und strahlte Luxus pur aus.

Vom Eingang kamen sie direkt in ein riesiges Wohnzimmer. Gabriel schätzte, dass es doppelt so groß war wie seine gesamte Zweizimmerwohnung. Die Außenwand war durchweg eine Glasfront, bis auf eine Ausnahme. In der Mitte gab es eine ungefähr zwei Meter festes Mauerwerk und dort hing ein großflächiger Flachbildschirm an der Wand. Darunter befanden sich in einem Glasregal ein Receiver, sowie eine Stereoanlage und jede Menge CDs. Die Lautsprecherboxen hingen an der gegenüberliegenden Wand, oberhalb einer weißen Ledercouch mit beigefarbenen Sofakissen. Davor war ein Couchtisch aus schwarzem Marmor und mit roten Füßen platziert, der auf einem flauschigen runden Teppich ruhte. Der Boden selbst war mit weißem Parkett ausgelegt. Zu beiden Seiten des Ledersofas gab es zwei kleine weiße Beistelltische. Auf dem einen stand eine Lampe mit beigefarbenem Schirm, auf dem anderen eine mit einem schwarzen Schirm. An den Fenstern hingen schwarze Vorhänge.

Im hinteren Bereich befand sich zwischen zwei geschlossenen Türen ein weißer raumhoher Schrank, der von oben bis unten mit Büchern vollgestopft war.

Rechts vom Wohnbereich stach Gabriel eine offene Küche mit einem Glastisch und weißen Lederstühlen ins Auge. Die Küchenzeile war mit den modernsten Gerätschaften ausgestattet und es wehte ein köstlicher Duft von dort herüber. Von besagtem Chaos konnte er allerdings nicht viel entdecken, außer das benutzte Kochgeschirr.

»Wow, du hast ja sogar den Tisch gedeckt.«

»Na klar. Was wäre ich sonst für ein Gastgeber. Immerhin habe ich dich zum Essen eingeladen.«

Beide lachten und Riley lief voraus, Gabriel folgte ihm langsam, während er immer noch fasziniert die Einrichtung betrachtete. Obwohl so viel Weiß in dem Penthouse vorherrschte, verliehen die farblichen Akzente der Einrichtung dem Ganzen ein besonderes Flair.

»Dieses gesamte Gebäude ist einfach nur Luxus«, sagte Gabriel und schüttelte kaum merklich den Kopf.

»Du hättest es mal vor dem Umbau sehen sollen«, sagte Riley und lud Gabriel mit einer Geste ein, auf einem der Stühle Platz zu nehmen. Anschließend ging er zum Ofen und nahm zwei fertig angerichtete Teller heraus, die er dort warmgehalten hatte. »Alles hier ist neu, nicht nur das Penthouse. Den Spa-Bereich gab es vorher überhaupt nicht. Der war Seans Idee. Die Zimmer sind alle renoviert und neu eingerichtet. Früher, als Edward den Club noch führte, da war alles so dunkel. Aber jetzt mit Sean ist es hell und freundlich. Vor allem ist die Alarmanlage neu. Edward verließ sich immer viel zu sehr auf seine Bodyguards, die wie Soldaten durch das Haus patrouillierten.«

»Bodyguards?« Überrascht setzte Gabriel sich an den Tisch und beobachtete Riley, der beide Teller abstellte und ebenfalls Platz nahm. Der angekündigten Gnocchi-Salat mit Zucchini und Paprika roch köstlich und ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen.

»Edward hatte so einen Tick, dass alles und jeder hinter ihm her wäre. Er war ein Spinner.«

Gabriel runzelte die Stirn. »Ich will ja nicht neugierig sein, aber wer ist Edward?«

»Stimmt, den kannst du gar nicht kennen.« Riley seufzte. »Er ist … oder eher war … Seans und Tylers Vater. Sean hat von ihm das alles geerbt, inklusive den Millionen auf dem Konto.«

»Okay. Ich lerne heute etliches dazu.« Grinsend nahm Gabriel die Gabel und betrachtete sehnsüchtig das schmackhaft aussehende Essen.

»Iss, bevor es kalt wird.« Riley tat es ihm nach, nahm sich eine Gabel voll und schloss genießerisch die Augen. »Mhhh … einfach lecker.«

Gabriel probierte und stellte mit einem seligen Seufzen fest, wie perfekt es abgeschmeckt war.

»Ich lade mich jetzt jeden Tag bei dir ein.« Er zwinkerte seinem Gastgeber verschmitzt zu.

»Kannst du gerne machen … ich mag Besuch.« Riley zwinkerte grinsend zurück und Gabriel senkte verlegen den Kopf. Wieder einmal raste sein Puls und die Nervosität kehrte zurück.

Schließlich versuchte er, sich auf das Essen zu konzentrieren, aber es fiel ihm zunehmend schwerer. Immer wieder wanderte sein Blick wie zufällig zu Riley. Dieser junge Mann besaß etwas, dass er nicht einmal annährend in Worte fassen könnte, selbst wenn er es gewollt hätte. Seine natürliche Schönheit hatte sicherlich etwas damit zu tun, doch es war weit mehr als das. Riley war eindeutig nicht wie die Männer, die er bisher kennengelernt hatte. Er schien auf seine ganz eigene Art etwas Besonderes zu sein.

Schweigend genossen sie das Essen, als es plötzlich an der Wohnungstür klingelte. Riley entschuldigte sich und eilte davon. Von seinem Platz aus konnte Gabriel alles gut einsehen und hören. Als die Tür geöffnete wurde, hörte er lautes Gebell. Wie ein Pfeil schoss ein weißes Fellknäul auf ihn zu.

»Hi Henry. Dich habe ich ja ganz vergessen.« Gabriel beugte sich zu dem Hund nach unten und streichelte dem kleinen, quirligen Kerl über den Kopf, der freudig mit dem Schwanz wedelte.

»Ihr seid früh zurück, Sam«, sagte Riley. »Hast du Hunger? Willst du mit uns essen?«

»Es ging ziemlich schnell beim Tierarzt«, antwortete Sam mit seiner tiefen Bassstimme. »Jetzt habe ich keine Zeit, aber du kannst mir gerne etwas aufheben. Ich mache heute wegen dem Treffen mit dem Architekten ohnehin Überstunden.«

»Okay. Ich stelle es dir später unten in die Küche. Und ich werde auch einen Zettel dazu legen, nicht das dir Andy wieder alles wegschnappt.« Riley lachte und Sam fiel mit ein. »Und danke wegen Henry.«

»Kein Problem«, sagte Sam. »Gabriel, lass es dir schmecken«, rief er unerwartet laut in die Wohnung hinein. »Du hast Glück bei einem der besten Köche von ganz London eingeladen worden zu sein.«

»Ähm … danke«, antwortete Gabriel und spürte, wie ihm die Wärme erneut ins Gesicht schoss.

Während er Henry weiter streichelte, beobachtete er aus den Augenwinkeln Riley, der sich von Sam verabschiedete und zurückkam. Kaum saß er, raste Henry zu ihm hinüber und gab erst Ruhe, als er den Hund auf den Schoß nahm. Mit einem Grinsen sah er zu, wie Henry Rileys Gesicht mit Hundeküssen bedeckte.

»Wie alt ist er überhaupt?«, erkundigte sich Gabriel, der als kleiner Junge, zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Simon, einmal einen Golden Retriever gehalten hatte.

»Er wird nächsten Monat ein Jahr. Sam war mit ihm wegen einigen Impfungen beim Arzt. Wollte ja eigentlich selbst mit ihm gehen, aber heute ist nicht so ganz mein Tag.« Dabei deutete er mit einer schiefen Grimasse auf sein Gesicht.

Gabriel nickte verständnisvoll. »Hat Sean dich inzwischen erreicht?«

»Ja … leider«, antwortete Riley und es war nicht zu übersehen, dass ihm dieses Thema unangenehm war. »Aber lass uns lieber über etwas anderes reden. Verrate mir, wie kommt man eigentlich dazu sich für Computer zu interessieren?«

Das war eine berechtigte Frage und er beantwortete sie gerne. »Seit ich meinen ersten Computer mit zwölf bekam, wollte ich alles darüber wissen. Wie sie funktionieren, wie sie aufgebaut sind und was man damit alles machen kann.« Gabriel aß zwei Gabeln, bevor er fortfuhr. »Natürlich habe ich auch Computerspiele gezockt und verbrachte die meiste Zeit im Internet, wo ich vieles über Computer und ihre Funktionsweisen und so weiter recherchierte und mir das ein und andere Wissen aneignete. Und so kam es, dass ich aus meiner Leidenschaft einen Beruf machte. Nach der Schule bin ich aufs College und studierte Informatik. Bis vor einem Jahr arbeitete ich noch in einer großen IT-Firma. Nur leider mussten sie Stellen abbauen und ich war mit einem Schlag arbeitslos. Da kam ich auf die Idee mich selbstständig zu machen.«

»Das klingt richtig interessant. Vielleicht kannst du mir ja irgendwann mal zeigen, wie man am Computer spielt.« Riley lächelte und setzte schließlich Henry auf dem Boden ab. Dann nahm er seinen halbaufgegessen Teller und gab die Reste dem Hund, der sich sofort darauf stürzte.

Gabriel ließ sich seine Überraschung nicht anmerken. Ein Mann in seinem Alter, der noch nie ein Computerspiel gespielt hatte, war ihm bisher nicht begegnet. »Klar kann ich machen«, sagte er nach einer kurzen Pause. »Und glaub mir, so interessant ist mein Beruf auch wieder nicht, aber er macht Spaß. Und was ist mit dir? Bist du Koch?«

Riley senkte den Blick. »Kochen ist eher eine Leidenschaft von mir. Besser gesagt ein Hobby. Vor vier Jahren habe ich damit angefangen. Wenn ich Zeit und Lust habe, dann lese ich gerne. Am liebsten mag ich Science-Fiction- und Horror-Bücher.«

»Das kann ich gut verstehen, ich lese auch sehr gerne. Wobei ich mehr auf Krimis und Thriller stehe.« Gabriel erinnerte sich an das Bücherregal, das er beim Eintreten gesehen hatte. »Du müsstest mal meine kleine Bude sehen. Die ist vollgestellt mit einem riesigen Bücherregal.«

»Möchtest du eigentlich etwas trinken? Das habe ich total vergessen!« Riley sprang hastig vom Stuhl auf und lief zu einem der Küchenschränke. Auf Gabriel machte es für einen Moment den Eindruck, als wollte er flüchten. »Ich bin wirklich ein schlechter Gastgeber«, fügte er leise hinzu, aber nicht leise genug.

»Ein Wasser wäre klasse. Und du bist ein toller Gastgeber. So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen und dann auch noch in so toller Gesellschaft.« Kaum hatte Gabriel die Worte ausgesprochen, biss er sich auf die Lippen. Obwohl er Riley erst seit gestern kannte, fühlte er sich in seiner Gegenwart wie ein kleiner Junge, der ständig das Gefühl hatte, etwas Falsches zu sagen. Zudem war er von ihm unglaublich fasziniert.

»Meinst du das ernst?« Riley wirbelte herum und strahlte über das ganze Gesicht.

»Warum sollte ich lügen?« Ein wenig unsicher grinste er sein Gegenüber an und beschloss das Thema zu wechseln. »Darf Henry meinen Rest auch noch essen? Es war wirklich sehr lecker, aber ich bin echt satt.«

»Klar. Henry bekommt immer die Reste. Ich weiß, dass spricht nicht gerade für eine gute Erziehung, und das Essen ist nicht so gesund für meinen Kleinen. Aber er hat seinen eigenen Kopf und ich gebe viel zu schnell nach. Gib sie ihm nur.« Riley drehte sich wieder um und Gabriel stellte seine fast leeren Teller auf dem Boden ab.

Sofort kam Henry zu ihm herüber und stürzte sich auf die übriggebliebenen Gnocchis. Offensichtlich schien es ihm ebenso gut zu schmecken wie Gabriel.

© Madison Clark

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Riley verdreht Gabriel im wahrsten Sinn des Wortes den Kopf, findet ihr nicht?
Der Spa-Bereich wartet auch noch auf die beiden … dieses Abenteuer dürft ihr dann morgen lesen😉

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Frohen 2. Advent

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Studio shot of a nice advent wreath with baubles and two burning red candles

Zeit für Liebe und Gefühl,
heute bleibt‘s nur außen kühl!
Kerzenschein und Plätzchenduft,
Advent liegt in der Luft!

Herzliche Grüße zum 2. Advent

wünscht euch eure Madison Clark

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Inzwischen sind 4. Türchen meine Adventsgeschichte geöffnet … aber ich möchte euch daran erinnern, dass am 06.12. hier auf meinem Blog es ein „Nikolaus-Gewinnspiel“ geben wird. Das solltet ihr nicht verpassen😉

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Adventsgeschichte – Angel’s Guardian 04.12.2016

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Heute öffnet sich Türchen Nr 4 für euch. Wer die anderen Türchen noch nicht kennen sollte … HIER könnt ihr sie nachlesen.
Seid ihr schon neugierig, wie es mit Gabriel und Riley weiter geht? Viel Spaß wünsche ich euch und einen frohen 2. Advent.
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Türchen 4

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»Das freut mich. Aber lass uns später reden, Gabriel. Ich muss etwas erledigen, das leider keinen Aufschub duldet. Riley kommst du?« Sean sah über die Schulter.

»Geh schon vor, ich rauch noch eine.« Rileys Blick wanderte von Sean zu Gabriel und er lächelte ihn zaghaft an.

»Aber danach solltest du dringend ein paar Stunden schlafen«, riet Sean ihm und verschwand im Aufzug.

»Was hat er denn? So wie er sich gerade aufgeführt hat, könnte man fast meinen, er wäre dein Vater.« Gabriel hielt Riley die Tür in den Hinterhof auf und zwinkerte ihm dabei belustigt zu.

Riley lachte. »Ab und an hat er schon so eine Art seltsamen Vaterkomplex. Und nein, er ist nicht mein Vater. Aber … aber ich … bin sein Neffe.« Daraufhin senkte er den Blick und wurde schlagartig wieder ernst.

»Oh.« Überrascht folgte er Riley ins Freie. Mit dieser Wendung hatte er nicht gerechnet. Aber es erklärte wenigstens, warum er in der Penthouse-Wohnung wohnte und für Sean kochte.

»Hier, ich spendiere eine.« Riley reichte ihm die Zigarettenschachtel und Gabriel nahm sich eine.

»Danke. Feuer?« Gabriel hielt ihm im Gegenzeug das Feuerzeug hin.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er Riley neugierig, der heute eher in sich gekehrt wirkte. Außerdem fielen ihm eine aufgerissene Lippe auf, die sein schönes Gesicht verunstaltete, sowie ein kleines Veilchen am linken Augenwinkel. Schließlich nahm Gabriel seinen ganzen Mut zusammen. »Was ist dir denn passiert?« Dabei deutete er mit dem Kinn auf die Verletzungen.

»Ach das …«, Riley drehte sich rasch weg, so dass Gabriel ihn lediglich im Profil sehen konnte. »Ich hatte im Dunkeln einen kleinen Zusammenstoß mit der Badezimmertür. Aber alles halb so wild.«

»Elektrisches Licht ist eine tolle Erfindung«, meinte Gabriel feixend.

»In gewissen Situationen.« Riley lachte leise und seufzte schließlich.

Danach verfielen beide in Schweigen und Gabriel verspürte auf einmal den Anflug eines schlechten Gewissens. Woher es herrührte, wusste er nicht. Schließlich rauchte er seine Zigarette auf und warf sie auf den Boden, wo er sie mit dem Absatz seiner Sneakers austrat. Dann hob er den Stummel auf und blickte sich suchend um. Nicht weit vom Hintereingang entfernt stand ein kleines Fass, gefüllt mit Sand, in dem sich schon mehrere aufgerauchte Zigaretten tummelten. Er warf seine dazu und wollte zur Tür zurück. Doch als er sich umdrehte, prallte er fast auf Riley, der plötzlich direkt vor ihm stand.

Zwei saphirblaue Augen sahen ihn mit einem außergewöhnlichen Leuchten an. Der Blick brachte seinen Herzschlag zum Rasen und seine Kehle fühlte sich trocken an. Für einen Moment hätte er am liebsten die Hand gehoben und mit dem Finger sachte über die verletzte Lippe gestreichelt, aber er konnte diesem Drang gerade noch widerstehen.

»Kommst du heute Mittag zum Essen vorbei? Es gibt Gnocchi-Salat mit Zucchini und Paprika. Sean wird heute sicherlich nichts essen wollen, dafür kenne ich ihn zu gut.«

Wie gebannt beobachtete er Riley, der sich an ihm vorbeischob und den Zigarettenstummel ins Fass warf. Dabei stieg ihm der süßlich herbe Duft von Rileys Eau de Toilette in die Nase und er schloss die Augen. Dieser Engel auf Erden sah nicht nur verboten gut aus, sondern roch auch noch verdammt verführerisch.

»Ach ja … und wenn du möchtest, bringe ich dir gerne später einen Kaffee vorbei«, hörte er ihn sagen.

»Ähm … ja.« Gabriel spürte, wie ihm die Wärme ins Gesicht schoss.

»Mittagessen? Kaffee? Oder beides?«

Gabriel senkte den Kopf und atmete noch einmal tief durch. Er versuchte, den Bann abzuschütteln, mit dem er ihn eindeutig belegt hatte, und erwiderte schließlich Rileys Blick, der ihn gespannt anblickte.

»Ja … ähm … beides wäre toll.« Am liebsten hätte er sich geohrfeigt, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. In Rileys Gegenwart schien dies jedoch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

»Klasse. Ich bin dann mal kurz weg. Falls Sean dich fragt, sag ihm einfach ich schlafe.«

»Okay. Bis später.« Nachdenklich sah er Riley hinterher, der eilig um die Ecke bog und ihn allein zurückließ.

»Er ist bestimmt abgehauen, weil du dich wie ein Idiot benimmst«, rügte sich Gabriel und schüttelte mehrmals den Kopf. Frustriert griff er in seine Jackentasche und zog eine Zigarettenschachtel heraus. Er musste noch eine rauchen.

Fünf Minuten später stand er vor dem Aufzug und wartete. Als sich die Tür öffnete, trat ihm Sean entgegen.

»Hast du Riley gesehen?«, fragte er ihn prompt.

»Er wollte nach oben und schlafen«, antwortete Gabriel.

Sean lachte und steckte sein Handy in die Manteltasche. »Das glaube ich nicht. Ich komme gerade aus dem Penthouse. Ans Handy geht der Herr auch nicht. So typisch. Falls du ihn siehst, tu mir den Gefallen und richte ihm aus, dass ich dringend mit ihm reden muss. Er weiß schon, um was es geht.«

Gabriel nickte und musste sich ein Grinsen verkneifen. Die beiden spielten offensichtlich ein Katz- und Mausspiel. Wobei er Riley gut verstehen konnte. Wenn er seine Ruhe haben wollte, dann ignorierte er ebenfalls das Handy und die Türklingel.

»So sind wohl Neffen«, meinte Gabriel grinsend und musste an seine eigenen denken. Luca und Daniel waren zum Glück noch klein. Luca lernte seit Kurzem das Laufen und Daniel ging gerade erst in die Vorschule.

Einen Moment blickte Sean ihn überrascht an, dann lächelte er. »Ja … so kann man das sagen. Riley hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Manchmal kann es allerdings auch nerven.« Er machte eine kurze Pause und fügte hinzu. »Sam hat mir erzählt, dass bereits alles geliefert wurde. Du musst nur aufpassen mit der Alarmanlage, die ebenfalls über das System gesteuert wird. Sie zickt hin und wieder rum. Die Passwörter und Zahlencodes findest du übrigens im Serverraum.«

»Kein Problem. Ich kenne mich mit solchen Problemen aus.«

»Ich wusste doch, dass Matt einen guten Riecher hat. Er hat mich gestern nach unserem Telefonat übrigens noch angerufen und gefragt, ob du den Auftrag bekommen hast.«

»Oh … der macht sich ja scheinbar richtig Sorgen um mich.« Gabriel wäre am liebsten im Boden versunken. Es kam ihm vor, als wollte sein bester Freund ihn bevormunden. Außerdem fiel ihm ein, dass er sich unbedingt noch bei ihm bedanken musste.

»Besser so, als umgekehrt«, sagte Sean, griff nebenbei in die Manteltasche und zog das Smartphone heraus, das eine leise Melodie von sich gab. »Entschuldige mich, da muss ich ran.«

»Kein Problem. Ich … ich bin dann oben.« Gabriel stieg in den Aufzug und drückte auf den Knopf für das 5. Stockwerk.

Sean bedachte ihn mit einem Nicken und dann hörte Gabriel ihn bereits sprechen. »Was ist denn los, Finn? Ich dachte, du bist …«

Mehr bekam er nicht mit, da schloss sich bereits die Tür.

Finn. Dieser Name kam ihm bekannt vor. Wenn seine Erinnerung ihn nicht trog, dann hatte Matthew einmal von einem Finn erzählt. Und falls er sich nicht irrte, war Finn der Name von Seans Freund.

***

Es klopfte zweimal an der Tür und Gabriel sah zum ersten Mal seit Stunden vom Monitor auf. Seine Armbanduhr verriet ihm, dass es bereits nach zwei Uhr nachmittags war.

»Ich möchte dich nicht stören«, hörte er Rileys Stimme. »Aber das Essen ist fertig.«

Prompt drehte er sich mit einem Lächeln zu ihm um.

»Sorry, das habe ich ganz vergessen.«

»Dachte ich mir.« Riley grinste und kam herein. Neugierig näherte er sich und starrte auf den Bildschirm, der inzwischen mit dem neuen Server verbunden war. »Kommst du gut voran?«

»Ja. Ein Teil der alten Daten ist bereits überspielt. Und der Server läuft gut. Aber da steckt noch viel Arbeit dahinter.« Während er sprach legte er den Kopf in den Nacken und streckte sich. »Wenn nur nicht diese blöden Nackenschmerzen wären.«

»Verspannt?«, erkundigte sich Riley.

»Ein wenig. Liegt wohl eher daran, dass ich die halbe Nacht unbequem vor meinem Rechner saß … und … und …« Die restlichen Worte, die ihm bereits auf der Zunge lagen, schluckte er herunter. »Sagen wir es mal so … ich bin’s gewohnt. Nichts, was eine heiße Dusche nicht wider hinbekommen würde.«

»Komm her, ich massiere dich«, bot Riley an und drehte ihn samt Bürostuhl wieder gen Bildschirm.

»Aber … aber …«, mehr brachte Gabriel nicht heraus, da legten sich bereits zwei zärtliche Hände auf seine Schultern und begannen vorsichtig seine verhärtete Muskulatur durch den dünnen Pullover hindurch zu massieren. Genussvoll schloss er die Augen und spürte seinen beschleunigten Herzschlag. Zugleich fühlte er ein angenehmes Kribbeln über den Rücken und die Arme wandern.

»Das tut gut«, sagte Gabriel und stöhnte leise. »Hast du das schon öfter gemacht?«

»Manchmal. Mit Massageöl ist das allerdings viel effektiver. Ich glaube, ich muss später mit dir einen kleinen Ausflug machen, bevor der Trubel hier beginnt.«

»Einen Ausflug?« Gabriel öffnete die Augen und drehte sich zu ihm um.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht blickte Riley ihn an. »Das Black Desire hat einen eigenen Spa-Bereich. Eigentlich ist er nur für die ganz besondere Kundschaft. Aber wenn ich sage, dass du ein Freund bist, dann meckert keiner.«

»Ist das dein Ernst?« Fragte Gabriel sichtlich überrascht. In Gedanken erinnerte er sich an die Bilder der Website. Komfort pur.

»Ja klar. Alle Jungs, die hier arbeiten, benutzen ihn auch privat. Und wenn man es so will, arbeitest du ja auch jetzt hier.« Riley zwinkerte.

Gabriel seufzte sehnsüchtig und brachte lediglich ein Nicken zustande.

© Madison Clark

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Wie heißt es so schön … unverhofft kommt oft😉
Habt ihr schon Ideen, wie es mit den beiden weitergehen könnte?
Und Morgen wieder vorbeischauen für das nächste Türchen.

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